Allgemeine Bezeichnung
Schrank mit Trapezgiebel
Inventarnummer
HG11271
Sammlung
Möbel
Herstellungsort
Breslau (?)
Herstellungsdatum
1740/1750
Maße
H. 226,0 cm; B. 200,5 cm; T. 74,0 cm
Klassifikation
Kastenmöbel
Schrank
Material und Technik
Eiche, Kiefer, Nussbaum – massiv; Kiefer, Nussbaum – Profile; Ahorn, Ebenholz (oder gefärbter Buchs?), Echte Kastanie, Maulbeere (?), Nussbaum, Robinie (?), Ulme, Tropenholz – Furnier; Eisen – Schloss, Schlösser; Messingblech – Schlüsselschild
Vitrinentext
Bei dem Schrank handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Meisterstück aus Breslau. Hier war es üblich, dass die Schreiner für die Meisterprüfung nicht nur einen Architekturschrank entwerfen, sondern ihn zudem mit figürlichen Marketeriebildern schmücken mussten. In der Regel wurden Musen und Tugenden dargestellt, wie sie hier mit Fortitudo (Tapferkeit), Prudentia (Klugheit) und Temperantia (Mäßigkeit) am Sockel zu finden sind. Auf den Türflügeln ist rechts als Sinnbild der Demut die alttestamentliche Heldin Judith mit dem Haupt des Holofernes zu sehen. Auf der linken Seite steht ein Soldat, bei dem es sich wohl um einen antiken Helden handelt. Während die Tugenden nach Stichen von Hendrik Goltzius (1558-1616/17) gearbeitet sind, folgt die Darstellung Judiths einem Stich von Marten de Vos (1532-1603). Die Vorlage für die männliche Figur ist unbekannt.

This wardrobe is quite probably a journeyman’s masterpiece from Breslau (Wroclaw). Here it was customary for the cabinetmaker not only to design a large »architectural« wardrobe, but also to decorate it with figural images created in marquetry. Muses and virtues were normally depicted, as can be found here on the plinth base with Fortitudo (courage), Prudentia (prudence) and Temperantia (temperance). On the right door can be seen the Old Testament heroine Judith, a symbol of humility, holding the head of Holofernes. On the left stands a soldier, who probably represents a Classical hero. Whereas the virtues are modeled on engravings by Hendrik Goltzius (1558-1616/17), the depiction of Judith is from an engraving by Marten de Vos (1532-1603). The design for the male figure is unknown.

Beschreibung
Großfigurige Tugenddarstellungen gehören zum Standardrepertoire Breslauer Schränke. Der Schreiner des Nürnberger Schranks wählte als Hauptfiguren das seltene Bild eines männlichen Tugendhelden und der Judith.
Literatur
Wolfram Koeppe: Vergessene Meisterwerke deutscher Möbelkunst. Die Meisterstücke der Breslauer Schreinerzunft im 18. Jahrhundert. In: Kunst und Antiquitäten, 4, 1991, S. 38-45, bes. S. 42. - vgl.: - Korzel-Krasna, Malgorzata: Meble XVIII wieku, Ausst. Kat. Muzeum Narodowe we Wroclawiu, Breslau 2004.
Almuth Klein, Petra Krutisch: Schränke und Kommoden 1650-1800 im Germanischen Nationalmuseum, 2 Bde. Ostfildern 2015, Bd. 1, S. 106-113, Bd. 2, S. 468, 500 (Kat.-Nr. 13, weitere Literatur).