Ein Gewerbe stellt sich vor
Die Klapptafel gehörte den Nürnberger Fassmachern. Im Streiflicht erkennt man eine untere Malschicht mit der Jahreszahl 1568. Das Objekt wurde über längere Zeit benutzt und mindestens zweimal umgearbeitet. Auf der linken Außenseite der Klapptafel steht eine Inschrift, die sich auf die Abnehmer und den Nutzen von Fässern bezieht. Rechts wird diMehr

Ein Gewerbe stellt sich vor
Die Klapptafel gehörte den Nürnberger Fassmachern. Im Streiflicht erkennt man eine untere Malschicht mit der Jahreszahl 1568. Das Objekt wurde über längere Zeit benutzt und mindestens zweimal umgearbeitet. Auf der linken Außenseite der Klapptafel steht eine Inschrift, die sich auf die Abnehmer und den Nutzen von Fässern bezieht. Rechts wird die Handwerksherberge beschrieben: als Anlaufstelle für wandernde Gesellen, als Versammlungsort des Handwerks, sowie als Informationszentrum für Kunden mit Notfällen. Öffnet man die Tafel mit dem eichelförmigen Schiebemechanismus, so sieht man Darstellungen von sechs Altgesellen mit Namen. Die Herren auf den Außenflügeln prosten sich zu, während die Männer auf der Mitteltafel gerade Fassreifen setzen. Zwei Beisitzer werden nur schriftlich erwähnt.

Lehrling, Geselle und Meister
Altgesellen waren die offiziellen Vertreter der Gesellen gegenüber den Meistern. Auffällig ist, dass sich die Außenseite auf das ganze Handwerk bezieht, die Innenseite jedoch ausschließlich den Gesellen gewidmet ist. In Nürnberg gab es zwar keine Zünfte, weil sie nach dem Zunftaufstand von 1348/49 verboten wurden, jedoch gab es zunftähnliche Strukturen. Eine neuzeitliche Zunft hatte drei „Qualifikationsstufen“: Lehrling, Geselle und Meister. Nach etwa drei Jahren Lehrzeit wurde ein Lehrling zum Gesellen. Die Gesellenzeit beinhaltete meist eine ebenfalls etwa dreijährige Wanderschaft, bei der man bei Meistern in fremden Städten arbeitete. Anschließend konnte sich ein Geselle bei einer Zunft seiner Wahl um die Meisterschaft bewerben und eine eigene Werkstatt aufbauen.

Handwerk & Stadt
Die Klapptafel zeigt, dass das Gemeinschaftsgut der Fassmacher kontinuierlich genutzt und immer wieder an neue Umstände angepasst wurde. Der Bezug auf ihre Tradition war für die Gewerke ebenso wichtig wie die Ehrbarkeit ihrer Mitglieder. Die Zünfte waren nicht nur Berufsinnungen und Ausbildungseinrichtungen. Sie waren vielmehr auch ein zentraler Baustein des gesellschaftlichen Gefüges von Städten, die dem einzelnen Handwerker seinen Platz in der Gesellschaft vermittelten.

Weniger
Allgemeine Bezeichnung
Klapptafel der Nürnberger Büttner / Fassmacher, sog. Flügellade oder Ürtentafel
Inventarnummer
Z367
Sammlung
Kunsthandwerk II (1500-1800)
Herstellungsort
Nürnberg
Herstellungsdatum
1568 / 1761 / 1831
Maße
H. 66 cm, B. 62 cm, B. geöffnet 122 cm, T. 5 cm
Material und Technik
Holz, gefasst, Eisen
Standort
Derzeit nicht ausgestellt
Literatur
Thomas Schindler: Klapptafel der Nürnberger Fassmacher. In: Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500-1800. Hrsg. von dems., Anke Keller, Ralf Schürer. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2013, S. 165f., Kat.Nr. 3.5.
Fränkisches Handwerk. Beiträge zu seiner Geschichte, Kultur und Wirtschaft. Hrsg. von Georg Fischer (Die Plassenburg 13). Kulmbach 1958, Taf. 26. Link zur Bibliothek
Kurt Pilz: Das Handwerk in Nürnberg und Mittelfranken. Eine kulturgeschichtliche Darstellung. Nürnberg 1954, Abb. 4. Link zur Bibliothek
Karl Gröber: Alte deutsche Zunftherrlichkeit. München 1936, S. 41. Link zur Bibliothek