Allgemeine Bezeichnung
Kästchen mit reliefierter lederner Oberfläche
Inventarnummer
HG292
Sammlung
Kunsthandwerk I (bis 1500)
Anzahl der Teile
1
Herstellungsort
Österreich
Herstellungsdatum
Um 1400
Maße
H. (mit aufgestelltem Bügel) 16 cm; Br. 25 cm; T. 13 cm
Material und Technik
Ledr, getrieben, geschnitten, genäht. Holzkern. Schmiedeeeisen
Beschreibung
Kästchen mit abgewalmten, oben abgeflachten Deckel. Holz, mit leder bezogen, das durch Treibarbeit und Schnitt mit Tierdarstellungen und Ornamentfriesen versehen ist. Die einzelnen Lederstücke sind durch Nähte miteinander verbunden. Keine Spuren von Bemalung. Deckel mit zwei Scharnieren nach hinten aufklappbar. Zwei von Rosetten unterbrochene und in Rosetten endende schmiedeeiserne Bänder ausgehen. Sie verlaufen nach hinten, die Rückwand hinunter, über die gesamte Bodenfläche und oben bis zur vorderen Deckelschräge. Auf der Vorderseite, etwas aus der Mitte gerückt, ein aufgelegtes Schloss, dessen vier Ecken in Dreipässen auslaufen. . Einfacher, bandartiger Überfall. Auf dem Deckel ein schmiedeeiserner Griff mit Lilienenden. Innen ist der Kasten mit dünnem gelblichen Leder ausgeschlagen. Alle äußeren Flächen sind in Treibarbeit plastisch dekoriert. Die einzelnen Felder sind durch stilisierte Blatt- und Zackenfriese gerahmt. Dargestellt sind Tiere und Fabelwesen vor gepunztem Grund. Vorderseite: links ein Löwe, rechts ein Drache. Rückseite: links ein Adler, in der Mitte ein vogelartiges Fabeltier mit blätterförmigem Schwanz, rechts ein weiterer fantastischer Vogel. Auf den Schmalseiten ein laufender Hund sowie ein greifartiges Tierwesen. Auf der vorderen Deckelschräge links ein seine Jungen fütternder Pelikan, rechts ein von einem Hund gejagtes Einhorn. Auf der hinteren Deckelschräge mittig ein Mischwesen aus Tier und Mensch, flankiert je von einem vogelartigem Tier. Auf den Schrägen der Schmalseiten ein Adler und ein liegender Hirsch. Der Boden zeigt ein hausmarkenartiges Zeichen. Nach Gall 1965 gehört der Kasten zu einer Gruppe österreichischer Lederarbeiten, die um 1400 zu datieren sind.
Literatur
Das Germanische Nationalmuseum. Organismus und Sammlungen. Zweite Abtheilung. Kunst- und Alterthums-Sammlungen. Nürnberg 1856, S. 165 Link zur Bibliothek
Becker, Carl / Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich von (Hrsg.): Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renaissance, Bd. II. Frankfurt am Main 1857, Taf. 47 Link zur Bibliothek
Kohlhaußen, Heinrich: Minnekästchen im Mittelalter. Berlin 1928, S. 85, Nr. 60
Gall, Günter: Leder im europäischen Kunsthandwerk. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber. Braunschweig 1965, S. 94-103 Link zur Bibliothek
Einhorn, Jürgen Werinhard. Spiritualis unicornis. Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des Mittelalters. München 1976, Nr. 60 Link zur Bibliothek
Die Kuenringer. Das Werden des Landes Niederösterreich. Katalog zur Ausstellung im Stift Zwettl 16.5.-26.10.1981. Wien 1981, Kat. 784 (Gerhard Jaritz) Link zur Bibliothek
Schätze und Meilensteine deutscher Geschichte aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Nürnberg 1997, S. 45 Link zur Bibliothek
Warncke, Carsten-Peter (Hrsg.): Decorative arts from the Middle Ages to the Renaissance. The complete plates. Angewandte Kunst vom Mittelalter bis zur Renaissance (kommentierter Reprint von Carl Becker: Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renaissance. Frankfurt a.M. 1852-1862). Köln 2011, S. 236-237
Monster. Fantastische Bildwelten zwischen Grauen und Komik. Katalog zur Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 7.5.-6.9.2015. Nürnberg 2015, Kat. 1.72 u. S. 161-163