Titel
Geburt Christi aus der Pfarrkirche St. Sebald, Nürnberg
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Epitaph
Inventarnummer
Gm2238
Proviso
Leihgabe Evang.-Luth. Kirchengemeinde Nürnberg - St. Sebald
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Nürnberg
Herstellungsdatum
um 1439
Hersteller
Meister des Ehenheim-Epitaphs
Maße
110,5 x 82,2 x 2,2 cm
Klassifikation
Epitaph
Gemäldeepitaph
Material und Technik
Malerei und Metallauflagen auf Fichtenholz
Standort
Dauerausstellung
Beschreibung
In einer aus drei Räumen zusammengefügten, hölzernen Stallarchitektur mit dem seltenen Motiv eines gemauerten Kamins kniet Maria betend vor dem Kind, das vor ihr auf einem Strohbündel auf dem Boden liegt und von zwei Engeln verehrt wird. Maria trägt einen blauen Mantel mit braunrotem Futter, der sich weit über den Boden ausbreitet und ein rotes Untergewand, die Engel sind weiß und grünblau gekleidet und haben rote bzw. rot/blaue Flügel. Ochs und Esel liegen im Hintergrund. Durch ein Rundbogenfenster, das durch eine Mittelsäule unterteilt wird, blicken zwei außerhalb des Stalles stehende Hirten zum Kind. In einem links anschließenden Annexraum entnimmt der in warme Kleider gehüllte Joseph einer Truhe einen wohl zum Kochen bestimmten, jedoch nicht genau identifizierbaren Gegenstand. Hinter ihm prasselt ein lebhaftes Feuer, über dem ein Kessel hängt. Neben dem gemauerten Kaminsturz ist an der Wand ein Regalbrett mit fünf Töpfen, einem Blasebalg und einer Eisenpfanne angebracht. Diese auf niederländische Vorbilder zurückzuführenden Details werfen wie die Figuren und die Architektur Schlagschatten auf Mauer und Dach. Das vorherrschend in braunen Tönen gehaltene Bild wird durch einen in jüngerer Zeit gemalten roten Streifen von der Stifterzeile abgetrennt. Links, neben dem Imhoff-Wappen kniet der schwarz gekleidete Stifter mit vier Söhnen, von denen einer schwarz, die übrigen rot gekleidet sind. Rechts neben dem Wappen der Volckamer kniet die blau gekeidete Frau mit fünf rot/blau gewandeten Töchtern. Die Familie kniet in grünem Klee vor unstrukturiertem Goldgrund. Die Inkarnate und Gewänder sind partiell stark verputzt, vor allem bei Maria und dem weißgekleideten Engel; gleiches gilt für die Stifterfamilie.
Vermerk am Objekt
Inschrift: Anno dom[in]i M.CCCC.XXXVIIII iar am nechsten / mitboch noch pfingsten do verschid fraw Clara di / Kuntzin ym Hoff der got genedig sy (Sterbeinschrift, nicht mehr vorhanden) (Vgl. Mayer 1831, auf der verlorenen Verdachung)

Vitrinentext
Epitaph für Clara Imhoff. Das Motiv der Anbetung des Kindes und die Stifterbilder sind in zwei Bildfeldern übereinander angeordnet. Im Zentrum knien Maria und zwei Engel vor dem Kind. Links kramt Josef unbeteiligt in einer Kiste. Die Hirten blicken durch die Fenster. Die perspektivische Raumdarstellung des Stalles ist ein bemerkenswertes Motiv dieses Gemäldes. Unten knien die Stifter, das Nürnberger Ehepaar Konrad und Clara Imhoff mit ihren Söhnen und Töchtern. Konrad stiftete die Tafel aus Anlass ihres Todes 1439.

Epitaph Painting for Clara Imhoff. Below the Adoration of the Christ Child can be seen the donors in a separate scene. In the center the Virgin and two angels kneel before the Child. To the left, and quite uninvolved, Joseph is rummaging in a chest. The shepherds look through the windows. The spatial perspective of the stable is a remarkable element of this painting. Kneeling at the bottom are the donors, the Nuremberg couple Konrad and Clara Imhoff with sons and daughters. Konrad donated the panel to mark her death in 1439.

Literatur
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Daniel Hess, Dagmar Hirschfelder, Katja von Baum (Hrsg.): Die Gemälde des Spätmittelalters im Germanischen Nationalmuseum, Band I: Franken, 2 Teilbände. Regensburg 2019, Kat.-Nr. 14. Weitere Literatur.