Titel
Stifterscheibe des Breisgauer Junkers Melchior von Gemar
Allgemeine Bezeichnung
Glasgemälde, Rechteckscheibe
Inventarnummer
MM702
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Straßburg, Oberrhein
Herstellungsdatum
1472
Hersteller
Peter Hemmel von Andlau (1420-1501) GND
Maße
H. 69 cm, B. 46,5 cm, T. 1,2 cm (lichte Maße von Blei zu Blei); H. 71,3 cm, B. 48,8 cm, T. 1,2 cm (mit Rahmen und Randblei)
Klassifikation
Glasmalerei
Glasgemälde
Rechteckscheibe
Material und Technik
farbiges Hüttenglas; Bemalung mit Schwarz- und Silberlot
Vermerk am Objekt
Inschrift: Melchior von Gmer . 1472

Beschreibung
Das Glasgemälde mit dem knienden, um göttlichen Beistand bittenden Ritter ist ein charakteristisches Beispiel für eine spätgotische Stifterscheibe, mit der sich der Stifter in der Öffentlichkeit präsentierte. Das Glasgemälde ist Rest einer Verglasung der Kirche zu Burkheim im Kaiserstuhl. Zusammen mit dem Hl. Petrus (MM 703) gehörte es wohl zu einem Fenster mit dem Jüngsten Gericht. Die beiden Scheiben zählen zu den entscheidenden Stücken Straßburger Glasmalerei aus der Zeit unmittelbar vor Gründung der Straßburger Werkstattgemeinschaft unter Peter Hemmel. Von 1477 bis 1481 hatten sich dafür fünf Glasmaler zu einer Kooperation zusammengeschlossen und nahezu den gesamten süddeutschen Raum beliefert. "Stroßburg finster" waren ein Markenprodukt höchster Qualität, wie auch die Stifterscheibe mit ihrer virtuosen Zeichnung und der technischen Raffinesse von geätzten Überfanggläsern (im Wappen) belegt. Bei dem Datum handelt es sich um eine spätere Zutat, die offenbar das verlorene Original wiedergibt.
Literatur
Paul Frankl: Peter Hemmel, Glasmaler von Andlau. Berlin 1956, Taf. 41.
Rüdiger Becksmann: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Baden und Pfalz ohne Freiburg i. Br. (CVMA, Deutschland Bd. 2, T. 1). Berlin 1979, S. 52, 154, 163, 177, Abb. 16.
Rainer Kahsnitz: Erwerbsbericht. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1980, S. 153-156.
Spätmittelalter am Oberrhein. Ausst.Kat. Stuttgart 2001, Kat.Nr. 165.