Vermessung der Welt
Astrolabien sind komplexe Zeit- und Raummessinstrumente in handlichem Format. Sie dienten zur genauen Messung von Winkeln, um damit Höhen und Entfernungen genau zu bestimmen. Mit ihrer Hilfe konnte man ohne das von Sonnenuhren benötigte Tageslicht auch nachts die genaue Zeit ablesen. Auf ihrer zweidimensionalen Scheibe bilden sie das Himmelsgewölbe über einem bestimmten Standpunkt auf der Erde ab. Mit verschiedenen gravierten Einlegescheiben kann man das Gerät auf den jeweiligen…
Vom Machen der Schachteln
Unter Schachteln verstand man bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ausschließlich solche massenweise produzierten Behältnisse aus Holzspänen. Hergestellt wurden sie in Regionen mit reichem Nadelbaumbestand wie dem Thüringer Wald, Böhmen und Oberbayern, wo Berchtesgaden ein Zentrum des Schachtelmacherhandwerks war.
Ein schmales, dünnes Holzbrett wurde zunächst lange in Wasser eingeweicht. Der Span ließ sich danach biegen und um einen hölzernen Formstock legen. Anschließend entfer……
Ideal und Wahrheit
Ernst und mächtig – so tritt Kaiser Karl der Große (747/8–814) in Albrecht Dürers Bildnis auf. Deswegen wurde es schon oft mit Darstellungen Gottvaters verglichen. Bis heute ist die Vorstellung Kaiser Karls des Großen von diesem Gemälde geprägt. Jedoch heißt es in der Inschrift auf dem Rahmen, dass das Bild der „wahren Gestalt“ Karls nur ähnlich sei. Von dessen Tod bis zur Entstehung von Dürers Werk vergingen fast 700 Jahre. Realitätsgetreue zeitgenössische Porträts Karls des Großen, die Dürer als Vorlage hätten dienen können, ga…
Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten und sie dennoch angemessen kleiden, Luft zur Kühlung durchlassen und waschbar sein. Die beiden letzten Ziele erreichte man, indem man Baumwollstoff verwendete. Jedoch ist der Anzug keineswegs ohne Zier: Die weißen Linien, Paspelierung genannt, waren bereits aus der Bademode vertraut. Unter dem Kragen…
Ein einzigartiger Fund
Auf diesen römischen Paradehelm aus der Zeit zwischen 175 und 250 nach Christi Geburt stieß man 1974 bei einem Wettpflügen in Theilenhofen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Es war ein einzigartiger Fund: Zuvor kannte man Helme dieser Art nur durch Darstellungen und Fragmente, und nun war erstmals ein vollständig rekonstruierbares Exemplar aufgetaucht. Der Helm wurde auf dem Areal des zum Kastell Iciniacum gehörenden Lagerdorfes gefunden..
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Jagd nach dem Altertum
Das Germanische Nationalmuseum versteht sich maßgeblich als Museum für den deutschsprachigen Raum. Als um 1900 der Trakt mit den sogenannten Bauernstuben eingerichtet wurde, war es daher naheliegend, dass auch ein Zimmer aus der deutschsprachigen Schweiz gezeigt wurde. Museumsleute und Freunde historistischer Lebenswelten machten damals regelrecht Jagd auf derartige Getäfer, wie die Wandvertäfelungen in der Schweiz heißen. Die dortigen Museumsdirektoren und Denkmalpfleger zeigten sich…
Wer schön sein will, muss leiden
Die Trägerin dieses Reifrocks hatte es nicht leicht, wenn sie durch Türen gehen oder in einer Kutsche sitzen wollte. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit wurde jedoch durch ein imposantes und standesgemäßes Auftreten kompensiert. Reifröcke betonten die Hüften ihrer Trägerin auf übertriebene Weise und ließen dadurch die geschnürte Taille noch schmaler erscheinen. Außerdem versteckten sie den Unterkörper, was den Sittenvorstellungen des 18. Jahrhunderts entsprach. Die Damenmode musste damals fast bodenlang sein. Nur…
Ein Zimmer zieht um
Als im Jahr 1901 die gesamte Inneneinrichtung eines barocken Wohnhauses in Aachen versteigert wurde, erwarb das Germanische Nationalmuseum den „kleinen Gobelinsaal“. Die geschnitzten Wandvertäfelungen aus Holz und die Bildteppiche wurden ins Museum transferiert, wo sie bis heute den ursprünglichen Raumeindruck wiedergeben. Nur die stuckierte Decke sowie die Möbel fehlen. Ein Kamin aus einem Schloss in Lüttich ergänzt das Ensemble, da das Original in Aachen verblieb. Die Holzsichtigkeit der V……
Blind gezeichnet?
Wie kommt ein deutscher Künstler des 16. Jahrhunderts dazu, ein Rhinozeros darzustellen? Exotische Tiere wie diese waren auf dem europäischen Kontinent weitgehend unbekannt. Tatsächlich hat Dürer das Nashorn, das er hier so detailgenau wiedergibt, nie selbst gesehen. Dennoch gibt er das Tier sehr lebensnah wieder. Der massige Körper ist über den kurzen, reptilienartigen Beinen mit einem wehrhaften Panzer geschützt. Buckel, Grate und warzenartige Erhebungen geben ihm Struktur. Mit einem Muster aus feinen Linien…