Beschreibung
Relief vom Nürnberger Herrenschießhaus mit Bauinschrift und den Wappen der Reichsstadt Nürnberg sowie den Wappen der das Stadtregiment leitenden sieben "Älteren Herren". Das Relief ist aus drei hochrechteckigen Steinblöcken zusammengesetzt, wobei der obere Kantenverlauf nicht gerade ist, sondern rechtwinklig gearbeitete Ausbrüche zeigt. Die Gesamtbreite beträgt ca. 240 cm. Die Dicke der Platten variiert; max. erreicht sie eine Stärke von 18 cm.
Das Reichswappen mit den beiden Nürnberger Wappenschilden (dem Jungfrauenadler und dem gespaltenen Schild), die Inschriftentafel sowie die sieben Wappen der das Stadtregiment leitenden "Älteren Herren" verteilen sich auf vier horizontale Zonen. In der untersten Zone erscheint auf der mittleren Reliefplatte das Wappen des "Thobias Tücher, Paumaister" zusammen mit einer Rollwerkkartusche darüber, die als Namensschild dient. Das Wappen wird von Beschlagwerk eingefasst, das sich nach links und rechts über die beiden anschließenden seitlichen Seitenblöcke fortsetzt. Auf jeder Seite flankieren zwei Löwenköpfe einen Puttenkopf, die ihre Häupter durch Öffnungen im Beschlagwerk gesteckt haben. Die beiden Löwen, die das zentrale Wappen rahmen, halten Tücher in ihren Mäulern, die beiden äußeren Blumengirlanden. Auch sonst ziehen sich durch das Beschlagwerk Tücher und Fruchtgehänge.
In der zweiten Zone, der eine deutlich größere Reliefhöhe zugestanden wurde, so als seien die Wappen auf das dahinterliegende Beschlagwerk montiert, sind von links nach rechts die restlichen sechs Wappen der "Älteren Herren" aufgereiht: "Balthaser Derer, Wilh(elm) Schlüslfelder, Hanns Rieter, Hiero(nimus) Paumgartner, Andreas Imhoff, Ba(r)th(o)l(o)me(us) (?) Pomer". Auf jedem Steinblock befinden sich zwei Wappen, wobei die gesamte Reihe am linken und rechten Rand von einem kurzen, mit einem Rosettenmedaillon besetzten Pilaster mit korinthisierendem Kapitell eingefasst wird, auf dem wiederum ein Stück Gebälk aufsitzt. Auch in dieser Zone tragen Rollwerkkartuschen oberhalb der Wappen die Namen der Wappenträger. Durchlaufende unprofilierte Gesimse unterhalb der Wappen und oberhalb der Rollwerkkartuschen fassen diese Zone zu einer optischen Einheit zusammen.
Eine dritte Zone, deren Reliefhöhe wieder zurückgenommen ist, trägt auf dem mittleren Block die vierzeilige Inschrift, die die gesamte Breite dieses Steinblocks beansprucht: "A. 1582 ward Zu erhaltung des Arm-/ brustschiessens beij Regierung der nach / benante Ettern herrn des Raths dis hauß / zu bawen angefange vollendet. 1583." Auf den seitlichen Steinblöcken wird die Inschrift durch Beschlagwerkornamentik gerahmt, die mit Stoffbespannungen, Fruchtgehängen, Blattmasken, langstieligen Blättern und Löwenköpfen, die Vasen tragen, durchsetzt ist.
Durch ein kräftiges Gesims von der Inschrift abgesetzt folgt als Bekrönung die vierte Zone mit dem sog. "Wappendreiverein", dessen Schilder sich am stärksten vom Reliefgrund lösen. Von ebensolcher Plastizität sind die Rollwerkformen, die die drei Wappen überfangen. Hinter dem Reichsadlerwappen ist ein Tuch aufgespannt. Fruchtgirlanden und -gebinde beleben die Ornamentik.
Das Relief weist zahlreiche Schäden auf. An den Außenrändern der drei Steinblöcke ist das Relief fast ausnahmslos bestoßen. Die Wappen der sieben "Älteren Herren" zeigen an den Außenkanten viele Ausbrüche. Zahlreiche Einrollungen der Namenskartuschen sind abgebrochen. Dem linken Steinblock fehlt ein ehemals eingepasstes Stück Relief an der linken unteren Ecke. Der Löwenkopf links des Tucherwappens ist ganz zerstümmelt. Ein Stück der horizontalen Leiste oberhalb der Namenskartuschen ist ausgebrochen. Die Blattmaske ist bestoßen. Der Hals der Vase, die den Löwenkopf ziert, fehlt. Die linke Ecke des Gesimses, das die Wappen der Reichsstadt Nürnberg von der Inschrift trennt, ist abgeschlagen. Am mittleren Steinblock ist das Fruchtgehänge unterhalb des Tucherwappens bestoßen. Von der Büste, die die untere Hälfte dieses Wappens schmückt, ist der gesamte Kopf verloren. Ein Stück der Leiste unterhalb des Rieterwappens ist ausgebrochen. Das Rieterwappen selbst ist im linken Bereich stark zerstört. Der Ausbruch erstreckt sich über die Namenskartusche und anschließende Leiste. Die schmalen Einfassungsleisten links und rechts der Inschrift sind abgebrochen. Auf dem rechten Steinblock ist der Löwenkopf rechts des Tucherwappens bestoßen sowie die Vase, die das Löwenhaupt der Inschriftenzone bekrönt.
An mehreren Stellen des Reliefs sind Reparaturen zu erkennen. Die Präzision der Einflickungen spricht dafür, dass diese Ausbesserungen vielleicht schon bei der Fertigung des Reliefs notwendig wurden. So ist am linken Steinblock die linke untere Ecke eingesetzt; die Reparatur umfasst den Löwenkopf und einen Teil der Basis des Pilasters. Zahlreiche Anstückelungen sind am Beschlagwerk links der Inschrift festzustellen. Die rechte obere Ecke des Schlüsselfelderwappens ist eingepasst.
Ausbesserungen weist das Tucherwappen im Bereich der Büste auf dem mittleren Steinblock auf. An der rechten Platte ist die obere Ecke ausgebessert; diese Reparatur umfasst den Fuß der Vase, ein Drittel des Löwenkopfes darunter und reicht bis zur Gebälkzone des rechten Pilasters. Das Relief könnte ehemals farbig gefasst gewesen sein. Reste einer farblichen Fassung haben sich auf dem Reliefgrund zwischen den Buchstaben der Inschrift erhalten (weiße Farbe ?).
Die Montierung der Reliefs erfolgte in älterer Zeit mittels Eisenankern. Davon zeugen die Einlassungskerben zwischen dem Schlüsselfelder- und Rieterwappen einerseits und dem Baumgartner- und Imhoffwappen andererseits. Von dem Relief exisitiert eine alte Fotografie, die es in der Ostfront des Hauptflügels im Südbau des GNM eingemauert zeigt. Eine Federzeichnung nach einem Entwurf Essenweins (vgl. Festschrift Germanisches Nationalmuseum 1978, Abb. 248) belegt, dass das Relief bereits 1884 bei der Planung der Fassadengestaltung berücksichtigt worden ist, sich also aller Wahrscheinlichkeit nach zu diesem Zeitpunkt schon im Besitz des Museums befunden haben wird. Die alte Aufnahme zeigt das Relief vollständiger und weniger beschädigt. So wird es links und rechts von zwei mit Blattwerk besetzten Voluten flankiert. Außerdem rahmten ursprünglich zwei Schalen mit Früchten die Wappen der Reichsstadt, die aus eigenen Steinblöcken gemeißelt worden waren. Ursprünglich scheint das Relief also aus sieben Steinblöcken zusammengesetzt gewesen zu sein. Die starke Bestoßung des mächtigen Gesimses unterhalb des Reliefs könnte dafür sprechen, dass dieses samt den Konsolen ebenfalls alt und mit dem Relief transloziert wurde.
Bei dem Relief handelt es sich um eine Bauinschrift des Herrenschießhauses, das 1582/83 von dem aus Schaffhausen stammenden Stadtwerkmeisters Hans Dietmair anstelle des Pleidenhauses auf städtische Kosten erreicht worden ist. Der ursprüngliche Anbringungsort des Reliefs konnte nicht ermittelt werden. Heute befindet sich das Relief im Erdgeschoss des Durchgangraumes, der das Galeriegebäude mit dem nördlichen Ende des Ostflügels des Großen Kreuzganges verbindet; die seitlichen Voluten wurden im Depot der Bauteile verwahrt.