Beschreibung
Großer Becher aus schwerer entfärbter Glasmasse, die zahlreiche Unreinheiten und Lufteinschlüsse aufweist. Der Körper ist annähernd zylindrisch, ganz leicht nach oben zur Lippe hin verjüngt, diese wiederum stark trichterförmig nach außen gestellt. Am Ort des Übergangs wie auch um den Stand jeweils ein gekniffenes breites Band mehrfach umgelegt. Der Boden ist hochgestochen und zeigt eine Abrissnarbe. Der Lippenrand ist mit einer schmalen Silbermontierung versehen, die innen als glattes Blech, außen als ein Kranz von krabbenähnlichen Blättchen ausgebildet ist. Die Wand ist in lockerer Streuung mit Nuppen belegt, in die mit Hilfe eines Stempels Maskarons eingedrückt sind. -- Während die Grundform des Bechers an kleinere spätmittelalterliche Exemplare des Schaffhausener Typs erinnern lässt, sprechen die Glasmasse, die Montierung und vor allem die Nuppen mit den Masken für eine Entstehung im 17. Jahrhundert. Weitgehend ähnliche - möglicherweise mit demselben Stempel hergestellte - Maskennuppen finden sich an einem großen sogenannten "Heilbronner" Römer mit Glasschnitt im Museum Boymans- van Beuningen in Rotterdam (sog. Lady Harvey Glass; Inv. 99) und einem zweiten solchen Römer im Bremer Roseliushaus (Inv. 310), die anhand der Montierung bzw. stilkritisch in die Zeit um 1700 bzw. das letzte Viertel des 17.Jahrhunderts datiert werden können (siehe dazu Theuerkauff-Liederwald 1969, S. 63). Die Ähnlichkeit des Bechers mit den Unterteilen der letztgenannten Gläser legt die Vermutung nahe, dass es sich um ein - vielleicht wegen Beschädigung abgeschnittenes und durch die Montierung am Schnittrand verstärktes Exemplar solcher "Heilbronner" handeln könnte (Hinweis von Dieter Schlaich, München, 2010).