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Objekt / Inventarnr.: Gm135

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Bildnis des Nürnberger Apothekers Hans Perckmeister (1436-1512) (Gemälde, Porträt)

Inventarnummer: Gm135
Hersteller: Werkstatt Michael Wolgemuts
Datierung: 1496
Ort: Nürnberg
Material/Technik: Malerei auf Tannnholz
Maße: 50,7 × 41,3 × 0,9 cm
Marke/Inschrift: ALS MAN M CCCC LXXXXVI IAR ZALT / WAS HANS PERCKMEISTER LX IAR IN DER GE- / STALT — W — Dieses G(em)ählde ist vo(n M) [ich]el / Wohl(ge) muth, des [Alb]recht / Dür(er)s Lehr(me)ister. / Portrai(t ist) alhier (ist) in der / Prau(nis)[c]hen Kunst(ka)mer / von Al(bre)cht Dürer (gem)ahlt zu / sehen. (Sei)ne Kupfer(stic)he sind / mit W. geze(ich)net.
Sammlung: Malerei bis 1800 und Glasmalerei
Beschreibung:
Gezeigt wird das Brustbild eines alten, nach rechts ins Dreiviertelprofil gewandten Mannes, der den Betrachter unter seinen konzentriert zusammengekniffenen Brauen aus dem Augenwinkel zu fokussieren scheint. Das von tiefen Falten durchzogene, hagere Gesicht und die nackten Hände heben sich deutlich von der schwarzen Kleidung des Dargestellten ab, die aus einem hochgeschlossenen Rock und einem pelzbesetzten Hut besteht. Während seine linke Hand auf dem rechten Unterarm ruht, erweckt ein Rosenkranz in der Rechten die Aufmerksamkeit des Betrachters. Das Rot der Lippen aufgreifend setzt der Rosenkranz einen auffallenden Farbakzent. Durch die leichte Torsion des Oberkörpers und den rückwärtigen Schatten, den die Figur im Bereich des Hinterkopfes und der Schulter auf den grünen Hintergrund wirft, entfaltet sich ausgehend vom rechten Arm des Dargestellten eine merkliche Tiefenwirkung. Die Inschrift am oberen Bildrand informiert den Betrachter in gelben, antikisierenden Majuskeln über das Entstehungsjahr des Gemäldes, den Namen des Porträtierten sowie über dessen Alter zum Zeitpunkt der Darstellung. Damit kann das Bild in Erfüllung seiner Memorialfunktion in die Biografie des Hans Perckmeister eingeordnet werden, der 1496 ein Lebensalter von 60 Jahren erreicht hatte.
Beschriftung:
Das kauzige, leicht karikierende Bildnis des hochangesehenen Apothekers und Humanistenfreunds irritiert. Bildform und Inschrift zeigen formale Auffälligkeiten. Sie lassen ein humoristisch satirisches Geschenk zum 60. Geburtstag des Dargestellten vermuten.
Portrait of the Nuremberg Apothecary Hans Perckmeister (1436-1512). Painting on coniferous wood. This rather odd, caricature-like portrait depicts a highly regarded apothecary who was a friend of the humanists. In formal terms both depiction and inscription are unusual. They suggest a humorous satirical gift to the man on his 60th birthday.
WissKI Perma-Link:
Gm135 im Projekt Deutsche Tafelmalerei des Spätmittelalters
Literatur:
Einundvierzigster Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1894, S. 2. — Hans Stegmann: Das Bildnis des Hans Perckmeister. In: MGNM 1896, S. 134f. — Alfred Lehmann: Das Bildnis bei den altdeutschen Meistern bis auf Dürer. Leipzig 1900, S. 174-176, Abb. S. 175. — Carl Gebhardt: Die Anfänge der Tafelmalerei in Nürnberg (Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 103). Straßburg 1908, S. 189. — Heinz Braune: Katalog der Gemäldesammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Nürnberg 1909, S. 45 ff. — Erich Abraham: Nürnberger Malerei der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Heft 157). Straßburg 1912, S. 186ff. — Gustav Bezold: Beiträge zur Geschichte des Bildnisses. In: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Nürnberg 1913, S. 30. — Hermann Peters: Die historisch-pharmazeutische und chemische Sammlung des Germanischen Nationalmuseums. In: MGNM 1913, S. 63 f., Fig. 14. — Fritz Burger, Hermann Schmitz, Ignaz Beth: Die deutsche Malerei vom ausgehenden Mittelalter bis zum Ende der Renaissance, 3 Bde. (Handbuch der Kunstwissenschaft. Begr. von Fritz Borger, fortgeführt von A.E. Brinckmann). Berlin-Neubabelsberg 1913–1919, Bd. 3 (1919), S. 566. — Martin Weinberger: Nürnberger Malerei an der Wende zur Renaissance und die Anfänge der Dürerschule (Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 217). Straßburg 1921, S. 70-71, 109. — Albrecht Dürer-Ausstellung. Bearb. v. Walther Fries. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 1928, Nr. 19. — Ernst Buchner: Die Dürer-Ausstellung im Germanischen Museum, Nürnberg. In: Pantheon, Bd. 1, 1928, S. 286. — Martin Weinberger: Zu Dürers Lehr- und Wanderjahren. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, N.F. 6, 1929, S. 124-126, Abb. S. 125. — Fritz Traugott Schulz: Nürnbergs Bürgerhäuser und ihre Ausstattung, Bd. 1, Das Milchmarktviertel, 2. Hälfte. Leipzig/Wien 1933, Bd. 1,2, S. 733 –739, Abb. 890. — Eberhard Lutze, Eberhard Wiegand: Kataloge des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg: Die Gemälde des 13. bis 16. Jahrhunderts. Text- und Bildband. Leipzig 1936/1937, S. 131-132, Abb. 48. — Ernst Buchner: Das deutsche Bildnis der Spätgotik und der frühen Dürerzeit. Berlin 1953, S. 127, 208, Nr. 141. — Alfred Stange: Deutsche Malerei der Gotik. Bd. 9. München/Berlin 1958, S. 60. — Alfred Stange: Kritisches Verzeichnis der deutschen Tafelbilder vor Dürer. Bd. 3. Hrsg. von Norbert Lieb, bearbeitet von Peter Strieder/Hanna Härtle. München 1978, Nr. 148. — Christa Habrich, Hans Peter Hilger: Zur Person und Bildnisbüste des Nürnberger Apothekers Hans Perckmeister. In: Pharmazeutische Zeitung, 1989, S. 133, Abb. 2. — Heinz Stafski: Die lange verschollene Büste des Hans Perckmeister. Eine alte Zuschreibung an Veit Stoß. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Bd. 47, 1984, S. 85. — Peter Strieder: Tafelmalerei in Nürnberg 1350-1550. Königstein i. T. 1993, S. 85, Nr. 60, S. 208, Abb. 334. — Amelie Himmel: Michael Wolgemut (Frankens große Namen 3). Nürnberg 2000, S. 46. — Matthias Mende: Wolgemut, Michael. In: StLexN (2000), S. 1203. — Rebecca Müller: Der Hochaltar der Johanneskirche in Crailsheim. Ein Flügelretabel aus der Werkstatt des Michael Wolgemut in Nürnberg. In: Beiträge zur fränkischen Kunstgeschichte 4, 2000, S. 110. — Frank Büttner: Die Illustrationen der Margarita Philosophica des Gregor Reisch. Zur Typologie der Illustration in gedruckten enzyklopädischen Werken der Frühen Neuzeit. In: Frank Büttner, Markus Friedrich, Helmut Zedelmaier (Hrsg.): Sammeln, Ordnen, Veranschaulichen. Zur Wissenskompilatorik in der Frühen Neuzeit (Pluralisierung & Autorität 2). Münster 2003, S. 271, Anm. 291. — Sabine Lata: Wolf Traut als Maler (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte 63). Neustadt a.d.A. 2005, S. 138, Anm. 427. — Christopher S. Wood: Forgery, Replica, Fiction. Temporalities of German Renaissance Art. Chicago, London 2008, S. 151, Anm. 123, S. 208–209. — Manfred Grieb: Archiv zur Nürnberger Stadt- und Kulturgeschichte. Ein Sammelsurium mit ca. 27.000 Einträgen vom 14. bis zum 20. Jahrhundert. Nürnberg 2009 [unpubl., Manuskript einsehbar in: Nürnberg, GNM, Bibliothek], S. 44. — Horst. H. Figge: Hans Perckmeisters Porträt und Büste als Beispiele humanistischen Humors. 2010 [Online-Ressource], URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7224/ [13.12.2018]. — Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 420. — Wolgemut, Michael. In: Colum P. Hourihane (Hrsg.): The Grove Encyclopedia of Medieval Art and Architecture, 6 Bde. Oxford 2012, Bd. 6, S. 403. — Sebastian Schmidt: Abbild – Selbstbild. Das Porträt in Nürnberg um 1500 (Gratia. Tübinger Schriften zur Renaissanceforschung und Kulturwissenschaft 20). Wiesbaden 2018, S. 121–122, Abb. 18, Nr. 17, S. 190 –192, Abb. 17a. — Daniel Hess, Dagmar Hirschfelder, Katja von Baum (Hrsg.): Die Gemälde des Spätmittelalters im Germanischen Nationalmuseum, Band I: Franken, 2 Teilbände. Regensburg 2019, Kat.-Nr. 40. Weitere Literatur.
 
 
3.3.130726