Objektansicht

Objekt / Inventarnr.: Gm1615

 Aktionen

 

 QR Code

imageGrößere Ansicht

Spinettdeckel des Lucas Friedrich Behaim (Gemälde, Spinettdeckel)

Inventarnummer: Gm1615
Hersteller: unbekannt (früher Frederik van Valckenborch?)
Datierung: 1619
Material/Technik: Öl auf Holz
Maße: H.max. 63,5 cm, B.max. 180,5 cm
Marke/Inschrift: Gespalten von Rot und Silber und überlegt mit einem schwarzen Schräglinksfluß. - Auf dem Helm rot-silberner Wulst, darauf ein flugbereiter silberner Sperber mit schwarzer Halskrone und rotem Schnabel. - Decken: rot-silbern — Geteilt von Gold und Schwarz, auf der Reilung ein von Gold-Silber-Blau geteiltes Mittelschildchen. — Geviert; 1 und 4 auf grünem Dreiberg in Gold ein schwarzer Amboß (?), 2 und 3 gespalten von Silber und Schwarz, der Spaltung drei (6?)strahlige goldene Sterne aufgelegt. - Schildhalter: 2 goldene Löwen. — Schräglinks geteilt von Gold und Silber und über die Teilung belegt mit einer vorn schwarzen, hinten roten steigenden Bracke mit goldenem Halsband und rot ausgeschlagener Zunge. — (keine Beschreibung bei Tacke 1995; einzelne Wappenbeschreibungen) — "LFB 1619" ["LFB" ligiert] — "1619" — "1619" — "D" — "E"
Sammlung: Malerei bis 1800 und Glasmalerei
Beschreibung:
Lucas Friedrich Behaim ließ sich zu einem vorhandenen Spinett ein Orgelpositiv bauen, so daß ein Orgelklavier enstand. Auf der neuen Orgel wurde das schon vorhandene Spinett in einem äußeren Kasten aufbewahrt, zu dem ein Deckel, Gm 1615, mit Vorderverschluß neu angefertigt oder, vorsichtiger, neu bemalt wurde (Beide Instrumente sind auf dem Deckel dargestellt: Die Orgel ist truhenförmig mit sechs Registern und wohl waagerechten Pfeifen.). - Der Spinettdeckel zeigt in der unteren Hälfte die Familie des Auftraggebers im Kreislauf des Jahres. Die obere 'Bildleiste' zeigt auf sieben einzeln umrahmten Feldern Darstellungen der Planetengötter und Tierkreiszeichen. Heute bildet der Deckel eine durchgehende Fläche. Ursprünglich war die obere Reihe mit den sieben gemalten Bildfeldern klappbar. Das Gemälde war auf der Innenseite des Deckels angebracht. - Die Hauptszene des Bildes ist im Vordergrund angeordnet: Eine musizierende Gesellschaft, die Familie Behaim und Gäste, hat sich im Freien vor dem Herrensitz Thumenberg (Wappen des Besitzers: s.u.) um die Orgel mit Spinett gruppiert. Eingebettet ist diese Szene in eine Landschaft, in der weitere Nürnberger Herrensitze auszumachen und in der Arbeiten und Vergnügungen dargestellt sind, die vom Ablauf der Jahreszeiten bestimmt sind. Um den Herrensitz Schoppershof (Wappen des Besitzers: s.u.?) werden Arbeiten dargestellt, die für das Frühjahr stehen. Dann folgen sommerliche Aktivitäten um den von Wasser umgebenen Herrensitz Gleißhammer, welcher sich im Imhoffschen Besitz befand. Dem Vordergrund ist der Herbst vorbehalten, und die rechte Bildhälfte zeigt Darstellungen des Winters und das Hallerweiherhaus. - Im Vordergrund des Bildes ist eine musizierende Gruppe dargestellt. Zur Aufführung kommt ein Stück für vier Streichinstrumente mit Generalbaß. Der Auftraggeber des Bildes, Lucas Friedrich Behaim von Schwartzbach, sitzt links von der Orgel mit dem Spinett und spielt die Baßgambe. An Orgel und Spinett wird vom "Haus-Musikmeister" Johann Staden dem Älteren (1581 - 1634) der Basso continuo gespielt. Links im Vordergrund ist Paulus II. (1557 - 1621), Vater von Lucas Friedrich, der seinen Enkel zwischen den Knien hat, den dreijährigen Knaben Georg Friedrich (1616 - 1681). Zur Rechten steht mit einem Weinglas die Erstgeborene von Lucas Friedrich, seine Tochter Anna Sabina (1615 - 1681). Zu ihren Füßen ein Kühlbehälter mit dem Wappen der Behaim-Pfinzing, denn Lucas Friedrich war mit einer Pfinzing verheiratet. Seine Frau ist hinter der Gruppe dargestellt: Anna Maria Pfinzing von Henfenfeld (1591 - 1654). Sie trägt, wie auch ihre Schwester Maria Pfinzing (1589 - 1653), die unverheiratet im Haus von Lucas Friedrich wohnte, Obst herbei. Weiter Personen sind bis jetzt noch nicht mit Sicherheit durch Porträtvergleiche auszumachen. Heinz Zirnbauer (1960) machte darauf aufmerksam, daß sie nicht unbedingt alle im Familienkreis zu suchen sind, da Staden d. Ä. oft mit "Ratsmusici" im Behaimschen Hause musizierte. Im Hintergrund streichen zwei Spieler Violine und Bratsche, rechts vorne einer eine Tenor-Viola-da-Gamba. - Rechts von der Vordergrundsgruppe präsentiert uns der Maler die wichtigsten Künstler des Instrumentes (von rechts nach links): Steffan Cuntz, als Orgelbauer mit Orgelpfeife gekennzeichnet, der Erbauer des Spinetts mit Stimmhammer, Peter Wißmaier (auch Wißmeher oder Wißmar) - dieser steht erhöht, um seine Bedeutung als Erbauer des Spinetts und der 'einspringenden' Klaviatur der Orgel hervorzuheben - und sich selbst, als Maler durch die Palette ausgezeichnet. -- Durch eine gemalte Querleiste getrennt - hier saß ursprünglich das Schanier für den klappbaren Teil des Spinett-Deckels - sind sieben einzelne Bildfelder angeordnet, die mit den sieben Planetengöttern, den zwölf Tierkreiszeichen, allegorischen Darstellungen und Ereignissen aus dem Leben von Lucas Friedrich geziert sind. Von links nach rechts sind, auf Postamenten stehend Saturn, Jupiter (links von diesem der Maler an der Staffelei und rechts ein Junge mit Glas, welcher den Betrachter anschaut und ihm zuzuprosten scheint), Mars, Apollo, Venus, Merkur (auf diesem Bildfeld ist auf einer Tonne eine Handelsmarke gemalt, vielleicht die der Behaims) und Diana dargestellt. - Kurt Pilz (1952, S. 111 f.) stellte fest, daß auf dem in der Mitte angeordneten Feld der Bildleiste ein wichtiges Ereignis aus dem Leben des Auftraggebers dargestellt ist: Lucas Friedrich Behaim wird von Kaiser Matthias (1556, Kaiser 1612 - 1619) zum Ritter geschlagen. Der Ritterschlag fand 1612 in Frankfurt im Zuge der Kaiserkrönung statt. In diesem Zusammenhang steht auch die Darstellung im Mittelgrund: Reichserbmarschall Graf Gottfried zu Pappenheim (1594 - 1632) reitet in einen auf dem Frankfurter Römer zusammengetragenen Haufen von Hafer und füllt ein Gefäß mit der Maßeinheitsbezeichnung 'Reichsmetze' für die kaiserlichen Rosse. Im Hintergrund der Szene ist jedoch nicht Frankfurt am Main, sondern Nürnberg dargestellt. Deutlich ist die Burg auszumachen. Auch hier ein Ereignis des Jahres 1612, der Einzug des Kaisers in die Reichsstadt. Aus zeitgenössischen Berichten wissen wir, daß das zu Ehren des Kaisers abgehaltene Feuerwerk mißlang - es zündete nicht wie geplant hintereinander, sondern explodierte auf einmal. Die Detonation ist dargestellt. Links ist in diesem Planetenfeld die von Frederik van Valckenborch (vor 1566 - 1623) entworfene Triumphpforte zu sehen (erstmals bei K. Pilz, 1952, S. 111). - Es wurde auch vermutet, daß es sich bei der Darstellung auf dem Mittelfeld der Planetenbilder um ein Ereignis handelt, welches im Zusammenhang mit dem Vater von Lucas Friedrich, Paulus II. Behaim, steht: Dieser hat zusammen mit Georg Volckamer vom Kaiser die Verleihung der böhmischen Lehen entgegengenommen (Thomas A. Belz, Bamberg; Brief vom 14.9.1992).
Literatur:
Ausst. Kat. Gärten der Rubenszeit. Hamm ........ — Verzeichniss der seltenen Kunst-Sammlungen von Oehlgemälden, (...) des dahier verstorbenen Königlich-Preußischen Hauptmanns Herrn Hans Albrecht von Derschau, welche zu Nürnberg (...) durch J. L. Schmidmer vom 1. 8. 1825 und folgende Tage versteigert werden sollen. 3 Bde., hier Bd. 1, S. 11 f., Nr. 35 (Lucas von Falckenburg). — Katalog der historischen Ausstellung der Stadt Nürnberg auf der Jubiläums-Landes-Ausstellung Nürnberg 1906, S. 86 f., Nr. 232 (Friedrich von Valkenburg), Abb. S. 415. — Kurt Pilz: Nürnberg und die Niederlande. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 43, 1952, S. 1--153, bes. 108--112, Abb. 9 (Detail). — Heinz Zirnbauer: Lucas Friedrich Behaim, der Nürnberger Musikherr des Frühbarock. Neue Dokumente zur städtischen und privaten Musikpflege in Nürnberg zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 50, 1960, S. 330--351, bes. 342--345, mit Abb. (Detail). — Andreas Tacke: Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Mainz 1995, S. 376--385, Nr. 227 mit Abb. und mit weiterer, älterer Literatur.
 
 
3.3.130726