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Objekt / Inventarnr.: Gm1907

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Selfportrait in blue coat (Gemälde, Porträt)

Inventarnummer: Gm1907
Hersteller: Hofmann, Hans (1880-1966)
Datierung: 1942
Material/Technik: Öl auf Leinwand
Maße: H. 76 cm; B. 61 cm
Marke/Inschrift: 1940 Selfportrait in blue coat — 1940 Selfportrait in blue coat
Sammlung: 19. Jahrhundert
20. Jahrhundert
Beschreibung:
Hans Hofmann, 1880 in Weißenburg in Bayern geboren, gilt als wichtiger Impulsgeber der amerikanischen Kunstentwicklung in den 40er Jahren. Seine künstlerische Ausbildung hatte er in Paris erfahren, wo er von 1903-1914 lebte. Eng mit Matisse, Braque, Picasso und Gris befreundet, fühlte er sich besonders mit Delaunay verbunden, dessen Auseinandersetzung mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Farbe seinem eigenen ästhetischen Ansatz entgegenkam. Überhaupt stand Hofmann dem Fauvismus und Kubismus näher, als dem emotionalen Ausdrucksstreben des Expressionismus, mit dem er nach dem 1. Weltkrieg in München in Berührung kam. Im Verlauf seiner Entwicklung gelangt Hofmann schließlich zu dem Konzept, die Farbe frei von übergeordneten Inhalten in ihrem eigenen, während des Malaktes reflektierten Ausdruckswert zu behandeln: Es geht ihm um die "Realität" von Farbe und Duktus, um die bildnerische Reflektion der künstlerischen Mittel. Seine richtungweisenden abstrakten Farbkompositionen entwickelt Hofmann zu Beginn der 40er Jahre in Amerika, wo er von 1934 bis 1958 in New York eine Malschule betrieb. Bald hat er seinen künstlerischen Durchbruch und 1944 arrangiert Peggy Guggenheim seine erste Einzelausstellung. Zehn Jahre später widmet ihm das Whitney Museum eine umfangreiche Retrospektive, die durch ganz Amerika reiste. Unser Gemälde stammt aus der Zeit, in der Hofmann zu seiner spezifischen Form des Informel gelangt. Es ist noch gegenständlich, ein Selbstbildnis, das allerdings wie ein Schlüsselbild seiner grundsätzlichen künstlerischen Haltung wirkt. Mit Pinseln in der Hand stellt er sich in einer momenthaften Situation vor einer nicht sichtbaren Staffelei beim Malen dar. Dabei ist die kurz innehaltende Geste des Künstlers bezeichnend, denn seine Form des "Action Painting" - der aus dem Malakt herausentwickelten Farbkomposition - ist die disziplinierte Auseinandersetzung mit der Farbe, die immer neu ansetzende Reflektion des Zusammenklangs von Pinselduktus und Farbwirkung - die Entwicklung einer spezifisch "malerischen Intelligenz". So scheint sich das kompositionelle Gefüge unseres Selbstbildnisses vornehmlich aus dem Zusammenspiel in sich bewegter Farbkomplexe zu entwickeln: dem Blau der Jacke, dem Weiß des Hemdes, dem Orange des Inkarnats, dem lichten Gelb des Raums, dem Grün einer Leinwand im Hintergrund. Über dieser farblichen Situationsbeschreibung lagert die skizzenhafte Umrisszeichnung des Gegenständlichen wie eine zweite Bildschicht, durchscheinend für das bunte Spiel des Lebendigen, das sich hinter dem dinglich Fixierbaren der Erscheinungen verbirgt. Für den Kunstkritiker William C. Seitz symbolisiert Hofmann "den internationalen Ursprung der amerikanischen Malerei wie ihren späteren Einfluss auf die Welt". In Deutschland mag Hofmanns Lebensweg das Schicksal der deutschen Moderne in den 30er und 40er Jahren symbolisieren, deren Entwicklung seinerseits im eigenen Land abrupt abgeschnitten wurde. So war der Grund, weshalb Hofmann in Amerika blieb, der Nationalsozialismus, der den von ihm beschrittenen künstlerischen Weg in Deutschland unmöglich gemacht hätte, was er frühzeitig klar erkannte. (Aus: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseum 1988, S. 212)
Beschriftung:
Für den Kunstkritiker William Seitz verkörpert Hofmann »den internationalen Ursprung der amerikanischen Malerei wie ihren späteren Einfluss auf die Welt.« Hofmann hatte zunächst in München studiert, sich ab 1904 in Paris weitergeschult, wo er die Befreiung der Farbe durch die Fauves erlebte und mit Matisse, Picasso und Delaunay befreundet war. In München folgte die Auseinandersetzung mit den emotionalen Qualitäten des Expressionismus. Hier gründete er 1915 eine Malschule, die internationalen Ruf erlangte. Durch einen seiner amerikanischen Schüler erhielt er 1930 die Einladung, am Kunstinstitut der University of California in Berkely zu unterrichten und ein Jahr später seine erste größere Einzelausstellung in San Francisco. Sich der drohenden Gefahr des Nationalsozialismus für Künstler und Intellektuelle bewusst, beschloss er, in Amerika zu bleiben. 1932 eröffnete er eine Malschule in New York, die dort bald Zentrum der künstlerischen Jugend war. Hofmann verband die Erfahrung der Malerei Matisses mit dem abstrakten Expressionismus Kandinskys. Um 1940 begann er, sich mit der Idee des Automatismus der in die USA emigrierten Surrealisten zu befassen. Die Umsetzung des vom Gegenstand ausgehenden Motivs trieb er so weit voran, dass sie in eine aus der malerischen Geste heraus entwickelte abstrakte Malerei einmündete. Seine Theorie der evokativen Funktion von Farbe, Form, Linie, Raum und Rhythmik, der Bestimmung von Bildraum und Bildstruktur durch die Farbe drang von seiner Schule wie von einer künstlerischen Keimzelle aus in das allgemeine Kunstgespräch ein. Sie bot eine Art vorweggreifende Synthese von Jackson Pollocks action painting sowie der Farbfeldmalerei von Mark Rothko oder Barnett Newman. Hofmanns Selbstporträt ist zwar noch gegenständlich dennoch ist es ein Schlüsselbild für seine künstlerische Haltung. Die kurz innehaltende Geste vor der Staffelei kennzeichnet sein Prinzip, die Komposition durch die immer neu ansetzende Reflexion des Zusammenklangs von Pinselduktus und Farbe zu entwickeln. Entsprechend basiert das Bildgefüge auf dem Zusammensiel in sich bewegter Farbkomplexe. Darüber liegt die skizzenhafte Zeichnung des Gegenständlichen wie eine zweite Bildschicht, durchscheinend für das bunte Spiel des Lebendigen, das sich hinter den dinglich fixierbaren Erscheinungen verbirgt.
Literatur:
Bott, Gerhard: Aug in Aug mit sich selbst. Zu einem neuerworbenen Selbstbildnis von Hans Hofmann. In: Monatsanzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 87, 1988, S. 693--694. — Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1988, S. 212. — Schätze und Meilensteine deutscher Geschichte aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Nürnberg 1997, S. 192. — Moderne Zeiten. Die Sammlung zum 20. Jahrhundert (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd. 3). Nürnberg 2000, S. 219--221, Abb. S. 221. — Treasures of German Art and History in the Germanisches Nationalmuseum, Nuremberg. Nürnberg 2001, S. 192. — Hofmann, Hans. In: AKL Online, Dok-ID: _00061003 (16.06.2011).
 
 
3.3.130726