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Objekt / Inventarnr.: Gm1922

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Bauernhof mit schwarzem Himmel (Gemälde)

Inventarnummer: Gm1922
Hersteller: Radziwill, Franz (1895-1983)
Datierung: um 1927
Material/Technik: Öl auf Holz
Maße: mit Rahmen: H. 69,7 cm; B. 79 cm; T. 2 cm; T. mit Haken: 4 cm
Marke/Inschrift: Fr. Radziwill
Sammlung: 19. Jahrhundert
20. Jahrhundert
Beschreibung:
Radziwills Gemälde "Bauernhof mit schwarzem Himmel" entstand 1927, also in der Zeit, in der er in der Auseinandersetzung mit den Traditionen der Landschaftsmalerei seinen eigenen künstlerischen Standpunkt formulierte. Die dünenartigen Bodenformationen im Bildvordergrund verweisen ebenso wie die Häuser mit den hochgezogenen Kaminen auf den Ort Dangast, den Radziwill in seinen Gemälden oft als "Modell" verwandt hat. Der Himmel stürzt geradezu auf die Landschaft herab. Unter seiner dumpfen Schwärze scheint das Leben zu ersticken. Das die Häuser beinahe bedrohlich umwuchernde Buschwerk scheint kaum den frischen Duft der Natur zu verströmen. Vielmehr assoziieren die verwaschenen Farben und die ausgefransten Konturen eher den modrigen Geruch von Fäulnis und Zerfall, der auch schon die Häuser der Menschen beschlichen hat. In ihren Fenstern zeigt sich kein Lebewesen, und das helle Licht, das auf die Fassaden fällt, erinnert weniger an warmes Sonnenlicht als an das stechende Licht eines Blitzes, das die nächtliche Szenerie unheimlich beleuchtet. Die blinden Fenster der Häuser blicken auf einen breiten Weg, der wie mit herab gefallenen Blütenblättern mit roten Farbtupfern übersät ist. Auf diesem Weg erscheint winzig klein die Gestalt eines Mannes. Er schreitet weit aus und hält den Kopf gesenkt, als ob er gegen Wind zu kämpfen hätte. Das Blau seiner Kleidung wiederholt sich grell in den Lichtreflexen, die wie verglimmende Funken über einer Baumreihe aufblitzen. Es schafft zugleich eine Verbindung zu dem Blau über den Türmen einer Stadt, deren Ansicht ganz weit im Hintergrund wie aus der nächtlichen Szenerie herausgeschnitten erscheint. In der alten Farbsymbolik ist Blau die Farbe des Himmels, die Farbe des Paradieses, und so erinnert der Anblick der Stadt an Darstellungen des "himmlischen Jerusalems", das man in spätmittelalterlichen Gemälden häufig zitiert findet. In Radziwills Gemälde erscheint diese Stadt wie eine ferne Vision, weit hinter dem Ende des langen, gewundenen Weges. (Aus: Peters, Ursula: Franz Radziwill: Bauernhof mit schwarzem Himmel. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1991, S. 350)
Beschriftung:
Als "magischer Realist" wendet sich Radziwill in den zwanziger Jahren der Landschaft zu, wobei er sich mit der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts auseinandersetzt. Während der Himmel dort die silbrige Weite von Küstenlandschaften assoziiert, stürzt er bei Radziwill schwarz auf die Landschaft herab. Die Finsternis wird wie durch einen Blitz taghell erleuchtet. Man sieht eine Figur auf einem langen gewundenen Weg. Er führt an Häusern vorbei, die mit ihren schwarzen Fensteröffnungen verlassen wirken. . Radziwill zeigt in seinen Bildern eine dem Menschen entfremdete Natur. In seinen späteren Gemälden wuchern technische Konstruktionen in den Landschaftsraum und statt der Gestirne sieht man oftmals Flugzeuge am Himmel. Auf seiner Suche nach der "wahren Landschaft" entwickelt Radziwill Visionen von Bedrohung und Zerstörung, die er im Ersten Weltkrieg und der anschließenden Zeit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit als Realität erlebt.
Literatur:
Franz Radziwill. Ausst.Kat. Staatliche Kunsthalle Berlin/Landesmuseum Oldenburg/Kunstverein Hannover. Berlin 1982, Farb-Abb. 23, Kat. Nr. 37. — Peters, Ursula: Franz Radziwill: Bauernhof mit schwarzem Himmel. In: Monatsanzeiger des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Nr. 101, Aug. 1989, S. 805--806. — Peters, Ursula: Franz Radziwill: Bauernhof mit schwarzem Himmel. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1991, S. 348--350. — Moderne Zeiten. Die Sammlung zum 20. Jahrhundert (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd. 3). Nürnberg 2000, S. 178--179. — Franz Radziwill. Blick nach Holland. Ausst.Kat. Franz Radziwill Haus. Dangast 2005, S. 176, Abb. S. 129. — Radziwill, Franz. In: AKL Online, Dok-ID: _00135577 (16.06.2011).
 
 
3.3.130726