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Objekt / Inventarnr.: Gm2158

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Das Gretchen (Gemälde)

Inventarnummer: Gm2158
Hersteller: Wollheim, Gert H. (1894-1974)
Datierung: 1922
Material/Technik: Öl auf Leinwand
Maße: H. 130,5 cm; B. 105 cm; mit Rahmen: H. 136 cm; B. 110 cm; T. 3,4 cm (mit Haken: 6 cm)
Marke/Inschrift: G. H. Wollheim 1922 "Gretchen" — G. H. Wollheim 1922 "Gretchen" — G. H. Wollheim 1922 "Gretchen"
Sammlung: 19. Jahrhundert
20. Jahrhundert
Beschreibung:
Ehemals Leihgabe der Sammlung Hoh, Fürth. 2005-07 Erworben mit Hilfe des Fördererkreises des GNM
Beschriftung:
"Das Gretchen", der Titel erinnert an Goethes berühmte Tragödie "Faust", malt Wollheim jahrmarktsbunt und totenblass mit rotem Kamm und goldenem Nimbus als Mischung aus Marionette, Dirne und Schmerzensmutter. Der gekrümmte Horizont hinter ihr deutet vor der Himmelsweite die Erdkugel an, auf der abstrahierte Formen von Häusern und Naturelementen die vom Menschen kultivierte Welt bezeichnen, die mit Mauerwerk verbunkert ist. Aus Gretchens Rock sprießt Weizen. Wollheim greift mit dem Motiv auf die Darstellung Marias im Ährenkleid zurück. Gretchens Schoß ist blutig, und aus dem Himmel, an dem zwei Männer in Anzügen geschäftig auf einem Lichtbalken vorwärts streben, sieht man den Menschen in einen Abgrund stürzen. Wie die Muttergottes als Schmerzensmutter ist Gretchen ins Herz getroffen. Statt eines Schwertes, wie bei der Schmerzensmutter, lässt in dem Gemälde ein Strahl aus einem Strommast Gretchens Brust zerspringen, in der man unter dem Herzen das Rädchen einer Maschine sieht. Der Strommast steht neben einem mittelalterlichen Folterinstrument, einem Rad.
Literatur:
Gert H. Wollheim. Malerei, Graphik, Plastik. Ausst.Kat. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin. Bearb. von Alheidis von Rohr. Berlin 1971, S. 8, 71 (Das Bild ist hier unter 1920 und als verschollen aufgeführt). — Eulerschmidt, Michael: Gert Heinrich Wollheim (1894--1974). Leben und Werk bis 1947. Diss. Universität Bremen 1986. Typoskript, Bd. 3, Werksverzeichnis-Nr. 20. — Gert Wollheim 1894--1974. Eine Retrospektive. Ausst.Kat. Kunstmuseum Düsseldorf 1993. Bearb. von Stephan von Wiese. Düsseldorf 1993, S. 254, Kat.Nr. 7, Abb. S. 101. Ebenda S. 191--195 Wiederabdruck von Wollheims zitierter Schrift "Worte von der Kunst, ein Gewächs aus der Lunge" (aus: Das Ey. Über neue Malerei, Nr. 3, Düsseldorf 1920). — Schätze und Meilensteine deutscher Geschichte aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Nürnberg 1997, S. 188. — Internationale Sprachen der Kunst. Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen der Klassischen Moderne aus der Sammlung Hoh. Bearb. von Ursula Peters. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Ostfildern 1998, Kat.Nr. 88, S. 232--235, Abb. S. 233. — Peters, Ursula: Müde der Moral Europas. Gert Wollheims "Gretchen" - ein surrealistisches Menetekel. In: Monatsanzeiger des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Nr. 205, April 1998, S. 1--4, Abb. Cover und S. 1. — Peters, Ursula: Gert H. Wollheim, "Das Gretchen" (1922). In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1999, S. 320--321, Abb. 20. — Peters, Ursula: Zivilisierte Kannibalen. Der Erste Weltkrieg, Gert H. Wollheims "Gretchen" und die dadaistische Demontage des bürgerlichen Sittengebäudes. In: Gert H. Wollheim. Phantast und Rebell (= Schriftenreihe Verein August Macke Haus Bonn, Nr. 34). Bonn/Berlin 2000, S. 40, 68, Abb. S. 55 und S. 72. — Moderne Zeiten. Die Sammlung zum 20. Jahrhundert (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd. 3). Nürnberg 2000, S. 111. — Treasures of German Art and History in the Germanisches Nationalmuseum, Nuremberg. Nürnberg 2001, S. 188. — Germanisches Nationalmuseum: Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 235. — Wollheim, Gert. In: AKL Online, Dok-ID: _00162264 (08.04.2011).
 
 
3.3.130726