Beschreibung
[...]1984 erteilte die bekannte Regensburger Adelsfamilie Thurn und Taxis Tonner den Auftrag ein Familienporträt zu malen. Im Grunde hatte er nicht ein, sondern zwei Familienporträts gemalt. Als "Bild im Bild" erfüllt eine überlebensgroße, hochformatige Leinwand die linke Bildhälfte, gehalten vom Maler selbst, der sich hinter seinem Werk versteckt und mit erwartungsvoller Geste hinter der Leinwand hervorschaut. Auf dieser ist ein Porträt der Familie von Thurn und Taxis festgehalten. Stehend, im Frack und mit einer beachtlichen Ansammlung von Orden behängt, blickt das betagte Familienoberhaupt, Johannes von Thurn und Taxis, aus dem Bild. Vor ihm sitzt Fürstin Gloria mit dem jüngsten Spross des Paares, dem Erbprinzen Albert II., auf ihrem Schoß. Gloria trägt ein blaues, schulterfreies Satinkleid und ein imposantes Halscollier. Links von ihr sind Elisabeth und Maria Theresia, die Schwestern Alberts, wiedergegeben. Wie die Eltern und der kleine Bruder sind auch die Töchter aus dem Fürstenhaus festlich gekleidet, ihre rosa Kleidchen mit Bauschärmel und Rüschen setzen einen warmtonigen Akzent in den sonst kühl gehaltenen Farben des Bildes.
Das zweite Familienporträt ist in der rechten Bildhälfte konzentriert. Die Kinder der Thurn und Taxis sind vor einem großen, über einem Kamin angebrachten Wandspiegel versammelt. Prinzessin Elisabeth und Erbprinz Albert sitzen auf dem Holzparkett, während die größere Schwester Maria Theresia steht und in ihrer Linken eine Kasperlepuppe lächelnd hochhält. Unter ihrem rechten Arm hat sie eine große, braune Zeichenmappe geklemmt. Beim näheren Hinsehen wird deutlich, dass ihr Blick und ihr Lächeln nicht dem Betrachter gelten, sondern den Eltern, die soeben den Raum, einen Saal der fürstlichen Residenz St. Emmeran in Regensburg, betreten. Gloria und Johannes von Thurn und Taxis sind auch hier nicht "in persona" dargestellt, sondern werden von dem großen Wandspiegel reflektiert. Deutlich unterscheidet sich der Habitus des Fürstenpaares im Spiegelbild von dem gemalten "Bild im Bild" auf der linken Seite. Im Gegensatz zur offiziellen Montur des hochformatigen Bildes ist das Ehepaar rechts in eher alltäglichen Kleidern wiedergegeben: Fürst Johannes in zeitlosem schwarzen Anzug mit weißer Nelke am Revers, Fürstin Gloria in adrettem Marinekostüm. Sie lächelt entspannt und blickt wie ihr Gatte Johannes in Richtung des von Tonner präsentierten, offiziellen Familienbildes.
Der Spiegel, der das Ehepaar wiedergibt, fängt weitere Details der Regensburger Residenz ein. Links hinter Glorias Kopf ist das spiegelverkehrte Porträt des Franz von Taxis (um 1459-1517), des Begründers der fürstlichen Dynastie, zu erkennen. Dieser trat 1490 in die Dienste des deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. und organisierte in seinem Auftrag eine erste Form des Postwesens, ein Privileg, das die Fürsten von Thurn und Taxis bis ins 19. Jahrhundert behielten. Zudem zeichnet sich in einem weiteren, hinter Fürst Johannes liegenden Saal eine gemalte männliche Figur in Ritterrüstung und mit einem Speer bewaffnet ab. Die Vorlage für dieses weitere "Bild im Bild" liefert ein Wandteppich, der sich in der Regensburger Fürstenresidenz befindet und wohl um 1680 von Jan van der Borcht nach einem Entwurf von Erasmus Quellinus II. (1607-1678) ausgeführt wurde. Der Teppich zeigt eine Kampfszene aus dem Leben des italienischen Torriani-Geschlechts, mit dem das Haus Thurn und Taxis seine adelige Herkunft legitimiert. Beide Darstellungen, das Porträt des Franz von Taxis sowie der siegreiche Kampf der "della Torre" ("von Thurm") sind Hinweise auf die ruhmvolle Vergangenheit des Regensburger Adelsgeschlechts. So marginal diese Details auch erscheinen mögen, sie verstärken den repräsentativen Charakter des fürstlichen Familienbildes. [...]
(Auszug aus: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2008; Autor: Roland Prügel)
Das zweite Familienporträt ist in der rechten Bildhälfte konzentriert. Die Kinder der Thurn und Taxis sind vor einem großen, über einem Kamin angebrachten Wandspiegel versammelt. Prinzessin Elisabeth und Erbprinz Albert sitzen auf dem Holzparkett, während die größere Schwester Maria Theresia steht und in ihrer Linken eine Kasperlepuppe lächelnd hochhält. Unter ihrem rechten Arm hat sie eine große, braune Zeichenmappe geklemmt. Beim näheren Hinsehen wird deutlich, dass ihr Blick und ihr Lächeln nicht dem Betrachter gelten, sondern den Eltern, die soeben den Raum, einen Saal der fürstlichen Residenz St. Emmeran in Regensburg, betreten. Gloria und Johannes von Thurn und Taxis sind auch hier nicht "in persona" dargestellt, sondern werden von dem großen Wandspiegel reflektiert. Deutlich unterscheidet sich der Habitus des Fürstenpaares im Spiegelbild von dem gemalten "Bild im Bild" auf der linken Seite. Im Gegensatz zur offiziellen Montur des hochformatigen Bildes ist das Ehepaar rechts in eher alltäglichen Kleidern wiedergegeben: Fürst Johannes in zeitlosem schwarzen Anzug mit weißer Nelke am Revers, Fürstin Gloria in adrettem Marinekostüm. Sie lächelt entspannt und blickt wie ihr Gatte Johannes in Richtung des von Tonner präsentierten, offiziellen Familienbildes.
Der Spiegel, der das Ehepaar wiedergibt, fängt weitere Details der Regensburger Residenz ein. Links hinter Glorias Kopf ist das spiegelverkehrte Porträt des Franz von Taxis (um 1459-1517), des Begründers der fürstlichen Dynastie, zu erkennen. Dieser trat 1490 in die Dienste des deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. und organisierte in seinem Auftrag eine erste Form des Postwesens, ein Privileg, das die Fürsten von Thurn und Taxis bis ins 19. Jahrhundert behielten. Zudem zeichnet sich in einem weiteren, hinter Fürst Johannes liegenden Saal eine gemalte männliche Figur in Ritterrüstung und mit einem Speer bewaffnet ab. Die Vorlage für dieses weitere "Bild im Bild" liefert ein Wandteppich, der sich in der Regensburger Fürstenresidenz befindet und wohl um 1680 von Jan van der Borcht nach einem Entwurf von Erasmus Quellinus II. (1607-1678) ausgeführt wurde. Der Teppich zeigt eine Kampfszene aus dem Leben des italienischen Torriani-Geschlechts, mit dem das Haus Thurn und Taxis seine adelige Herkunft legitimiert. Beide Darstellungen, das Porträt des Franz von Taxis sowie der siegreiche Kampf der "della Torre" ("von Thurm") sind Hinweise auf die ruhmvolle Vergangenheit des Regensburger Adelsgeschlechts. So marginal diese Details auch erscheinen mögen, sie verstärken den repräsentativen Charakter des fürstlichen Familienbildes. [...]
(Auszug aus: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2008; Autor: Roland Prügel)