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Objekt / Inventarnr.: HM1000

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Sog. Pellerschiff (Schiffsmodell)

Inventarnummer: HM1000
Hersteller: Herman Severin (?)
Datierung: 1603
Ort: Ostseeraum (?), wahrscheinlich Lübeck; unbekannt
Material/Technik: Holz, Messing, Eisen, bemalte Leinwand, Schnüre
Maße: H. 136 cm; B. 70 cm; L. 147 cm
Sammlung: Handwerksgeschichte
Kunsthandwerk bis 1800
Beschreibung:
Das Schiff trägt am Heck (auf dem Oberspiegel) das kleine Wappen der Nürnberger Kaufmannsfamilie Peller sowie die Inschrift der Verfertigungs- und Renovierungsdaten. Nachbildung eines schnellen Begleit- und Hafenwachtschiffes der Ostseeregion aus der ersten Hälfte des 17. Jh. laut Werner Jaeger. Das Modell ist inschriftlich datiert (sic!) und besitzt dadurch einen ausgeprägten dokumentarischen Wert. Mit dem auf einem Segel und früher auch auf dem Oberspiegel vermerkten Herstellungsdatum 1603 liegt das Modell auf der Grenze einer Wandlung der Schiffstypen. (Allerdings ist die Beschiftung auf dem Segel doch wohl von 1822 anläßlich der damaligen Restaurierung) Achtung: Beschriftung von 1822 auf zeitgenössischem Segel! Der heutige Zustand des Modells zeigt verschiedene Restaurierungsstufen, so entspricht die Anordnung der Segel nicht der ursprünglichen. Wenn auch das Modell vor allem wegen der starken Beschädigungen der Takelage in seiner Gesamtheit heute nicht mehr ausschließlich als tech.-hist. Dokument angesehen werden kann, so zeigen doch der Schiffskörper, der ohne wesentliche Änderungen erhalten geblieben. Der Gesamteindruck lässt den Schluss zu, dass das Modell von einem Fachmann gefertigt wurde. Der Schiffstyp ist nicht exakt zu eruieren, aber etwa um 1600 einzuordnen. Das Modell war für die Hängung in einem höheren Raum vorgesehen.
Beschriftung:
Das Modell eines Ostseeschiffes aus der 1. Hälfte des 17. Jh. trägt am Heck das Wappen der Familie Peller. Auftraggeber war vermutlich der Nürnberger Martin Peller (1559-1629), einer der erfolgreichsten Handelsunternehmer seiner Zeit. Das Schiff verweist auf die Bedeutung des Seehandels für sein florierendes Unternehmen und wird zur Ausschmückung seines Hauses am Egidienberg gedient haben. Peller dokumentierte damit einen gesellschaftlichen Anspruch, der in Konkurrenz zu den patrizischen Familien stand.
So-Called Peller Ship. Wood, brass, iron, painted canvas. The model of a Baltic ship from the 1st half of the 17th c. bears the arms of the Peller family on the stern. It was probably commissioned by Martin Peller of Nuremberg (1559-1629), one of the most successful mercantile traders of his time. The ship makes reference to the importance of maritime trade for his flourishing company and probably served to decorate his house at the Egidienberg. With this Peller documented his claim to a level of social prestige akin to that afforded the patrician families of the city.
Literatur:
Neuerwerbungen Schiffahrt und Fischerei: In: Altonaer Museum in Hamburg. Jahrbuch 1967. S. 201--215, hier S. 208 — Jäger, Werner: Ein Schiffsmodell aus dem Jahre 1603. In: Altonaer Museum in Hamburg Jahrbuch. Bd. 7 (1969), S. 101--138. — Uhlenhaut, Johannes: Restaurierungsbericht über das so genannte Peller-Schiffsmodell aus dem Jahre 1603. In: Altonaer Museum in Hamburg Jahrbuch. Bd. 9 (1971), S. 87--96. — Jäger, Werner: Das Peller-Modell von 1603. Geschichte, Beschreibung und Aufmaß des Modells mit Rekonstruktion der Takelage. Rostock 1973. — Haupt, Karl-Heinz: Nachbau des Peller-Modells im DSM. In: Deutsche Schiffahrt 8 (1986), S. 32--35. — Focus Behaim Globus, 2 Bde. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Bearb v. Johannes Karl Wilhelm Willers. Nürnberg 1992, Bd. 2, Nr. 4.7, S. 792--794. — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 129. — Faszination Meisterwerk. Dürer, Rembrandt, Riemenschneider. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Bearb. v. Frank Matthias Kammel u. a. Nürnberg 2004, S. 82, 216. — Ellmer, Detlev: Aus den Sammlungen des DSM. See schiffe im Binnenland als Zeichen der Kaufleute. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv 28, 2005, (S. 375 - 398), S. 382 - 383. — Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 153, 391, Abb. 119. — Leibniz und die Leichtigkeit des Denkens. Historische Modelle: Kunstwerke, Medien, Visionen. Kat. zur Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, 30.6.2016-5.2.2017, hrsg. von Frank Matthias Kammel. Nürnberg 2016, S. 63-64, Abb. B
 
 
3.3.130726