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Objekt / Inventarnr.: KG1054

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Altar- oder Vortragekreuz (Bemaltes Altar- oder Vortragekreuz)

Inventarnummer: KG1054
Datierung: um 1310
Ort: Umkreis Regensburg (?)
Material/Technik: Malerei und Metallauflagen auf Holz
Maße: H. 55 cm; B. 40 cm; T. 2 cm
Sammlung: Handwerksgeschichte
Kunsthandwerk bis 1800
Beschreibung:
Beidseitig bemaltes Vortragekreuz, bestehend aus zwei aufeinander gedübelten, Hartholzplatten, die in den Konturen von Kreuz und Kruzifixus ausgesägt sind. Seite A zeigt einen Kruzifixus mit grünlichem Schurz, der Körpernach links ausschwingend, der nimbierte Kopf des Gekreuzigten ist vor eine Rundscheibe im Zentrum des Kreuzes gesetzt. . Die Balkenenden sind kreuzförmig in der art eines verschliffenen Dreipasses ausgebildet und sind mit Bildern von je ein Spruchband präsentierenden Engeln (oben und unten) sowie Mond und Sonne (links und rechts) bemalt. Sämtliche Motive der Malerei stehen vor einem mit fünffiedrigen Rosetten gepunzten Goldgrund. Seiete B zeig den Kruzifixus der Kontur folgend nach rechts ausschwingend, mit blaugrauem Schurz und dunkelblauem Nimbus. Die Balkenenden tragen die Bilder der Evangelistensymbole, jeweils mit einem Spruchband versehen. Die Malereien stehen auch auf dieser Seite hier vor einem gepunzten Metallgrund. Der Fuß des Kreuzes fehlt. Zumeist wird das Kreuz in der Forschung stilistisch - allerdings nicht unwidersprochen - nach Regensburg gewiesen, wo sich auf verschiedenen Bildträgern Parallelen finden. Auch die – Lutze (1936/39 zufolge sehr vagen – Provenienzhinweise des Verkäufers weisen auf den Regensburger Raum. Die für den deutschen Sprachraum sehr ungewöhnliche materiell einfache Ausführung in bemaltem und teilvergoldetem Holz macht eine Herkunft aus einem Bettelordenskloster wahrscheinlich. Es wird daher vermutet, dass das Kreuz aus dem Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz in Regensburg stammt. Ob es von dort im Zusammenhang eines 1876 erfolgten Notverkaufs der Klosterbibliothek veräußert wurde, bleibt ungewiss.
Beschriftung:
Bemalte Kreuze haben sich vor allem in Italien erhalten. In Deutschland sind sie eine Seltenheit. Das Vortragekreuz präsentiert beidseitig den toten Gekreuzigten. Die drastische Darstellung des geschundenen Leibes sollte die Gefühle des Betrachters ergreifen. Die Enden zeigen auf der einen Seite oben und unten zwei Engel, links und rechts Sonne und Mond. Die andere Seite ist den vier Evangelistensymbolen vorbehalten.
Literatur:
Lutze, Eberhard: Ein bemaltes Vortragekreuz aus Regensburg. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1936-1939, S. 46-56 — Pilz, Kurt: Alte Vortragekreuze. In: Kirche und Kunst 34. Jg. 1/1956, S. 4 — Schneider-Berrenberg, Rüdiger: Gemalte Kruzifixe außerhalb Italiens. Ein Beitrag zur Verbreitung der "croci dipinte". In: das münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft 1975 [S. 203-217], S. 206-208 u. Kat. 8. — Schmidt, Gerhard: Eine Handschriftengruppe um 1300. In: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Jg. 26/27, 1981/1983, Nr. 70/71 [S. 9-64], S. 52 — 750 Jahre Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz Regensburg. Katalog zur Ausstellung im Diözesanmuseum Regensburg 22.7.-18.9.1983. München-Zürich 1983, Kat. 103 (Achim Hubel) — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. München 1994, Kat. 50 (Peter Strieder) — Krone und Schleier. Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern. Ausst. Kat. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn und Ruhrlandmuseum Essen. München 2005, S. 403--404, Kat.302 (Robert Suckale) — Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2). Nürnberg 2007, S. 134, Abb. 123, S. 135, 404, Kat. 202.
 
 
3.3.130726