Beschreibung
Speisekelch aus vergoldetem Kupfer. Kreisrunder, flacher Fuß mit Aufsetzrand, zur Mitte hin hochgezogen und in den schlanken sechskantigen Schaft übergehend. Abgeplatteter, sechskantiger Nodus, dessen mittlere Zarge als Hohlkehle ausgebildet und regelmäßig mit kreisrunden Öffnungen durchbrochen ist. Schale und Deckel bilden zusammen eine gequetschte Kugelform, sie bestehen aus zwei nahezu gleichförmigen Kalotten, die gegenständig aufeinandergesetzt und mittels zweier Stiftscharniere verbunden sind. Der Deckel kann durch Lösen der (nicht mehr erhaltenen) Stifte abgehoben bzw. aufgeklappt werden. Um den den Pol des Deckels wird durch aufgelötete Stege eine secheckige Zargenfassung gebildet, in die ein kleiner turmförmiger Aufsatz gesteckt ist. Der als Perlreihe asugebildete untere Rand dieses Türmchens wird durch die Zarge überdeckt, was darauf hindeutet, dass der Aufsatz eine spätere Hinzufügung ist. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass die unter dem Aufsatz durchgehende sphärische Fläche der Kugelkalotte mittig ein Loch zeigt, das vermutlich ursprünglich zur Befestigung eines krönenden Kreuzes vorgesehen war. Die Gravur des relativ hohen Dachhelms deutet eine Ziegeldeckung an.
Sowohl auf der Fußoberseite wie auf dem Deckel ist die Oberfläche mit einem in Punktmanier mit dem Punzen gezeichneten Rankenornament verziert. Die kleinen Einschläge legen die Kupferoberfläche frei, sind also erst nach der Vergoldung aufgebracht worden. Da das Muster Rücksicht auf den turmförmigen Aufsatz nimmt, ist es sicher erst nach dessen Anbringung aufgebracht worden.
Die Veränderungen erschweren eine zeitliche wie landschaftliche Einordnung. Die Zuweisung nach Nürnberg, die Kohlhaußen 1968 vornahm, gründet sich wahrscheinlich hauptsächlich auf die Bemerkung Essenweinns 1869, das Ziborium stamme aus der "hiesigen" (d.h. Nürnberger) Gegend. Stilkritisch kann sie kaum untermauert werden, da Vergleichsbeispiele fehlen. Die gesamte Form mit der abgeflachten Kugel aus Schale und Deckel und dem sehr dünnen Ständer könnte von älteren emaillierten Arbeiten aus Limoges inspiriert sein, die auch im deutschen Sprachraum relativ weite Verbreitung gefunden hatten.