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Objekt / Inventarnr.: KG187

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Heiltumsschrein (Schrein aus Holz mit Silberplatten beschlagen)

Inventarnummer: KG187
Leihgabe Evang.-Luth. Kirchengemeinde Nürnberg - St. Lorenz
Hersteller: Goldschmiedearbeiten: Hans Scheßlitzer, Peter Ratzko; Schreinerarbeiten: Hans Nürnberger; Malerei: Lucas NN, unbekannter Messinggießer
Datierung: 1438-1440
Ort: Nürnberg
Material/Technik: Eichenholzkern; Eckbeschläge und Randleisten: ins Gesenk geschlagenes bzw. gegossenes Silber, z. T. gesägt; Appliken: vergoldetes Kupfer; Malerei auf der Bodenunterseite: Tempera (?)
Maße: H. 102 cm; Br. 175 cm; T. 50,5 cm
Marke/Inschrift: "N" spiegelverkehrt/rückläufiges N
Sammlung: Handwerksgeschichte
Kunsthandwerk bis 1800
Beschreibung:
Der große, hausförmige, mit einem steilen Satteldach versehene Schrein wird an den Kanten von vergoldeten Messingprofilen eingefasst. Aus demselben Material bestehen auch die an den Firstenden sitzenden Konsolen, an denen früher die Kettenaufhängung ansetzte. Der Kamm, der einst die Firstlinie schmückte, ist verloren (zu sehen noch in der Umzeichnung bei Murr 1790). Alle Steilseiten und die Dachflächen sind durchgehend mit Silberrauten belegt. Sie werden durch ein Rhombengitter aus gegossenen, anschließend à jour bearbeiteten, an den Rändern profilierten Silberleisten überfangen. Über den Kreuzungspunkten der Leisten sind aus Kupferblech getriebene, vergoldete Sonnen appliziert. Alle Bleche tragen Nürnberger Stadtwappen, die jeweils mit Hilfe eines Gesenks von hinten in die Metallstücke geschlagen wurden. Die durch das Gitter gebildeten, schräg aufsteigenden Reihen von Rauten zeigen abwechselnd entweder das große oder das kleine Nürnberger Stadtwappen. Das Hauptwappen, der althergebrachte Königskopfadler, ist in Verkennung des langen königlichen Haupthaares als weibliche Figur mit Brüsten ausgebildet. Das kleine Nürnberger Wappen ist gespalten und zeigt rechts einen steigenden halben Adler und ist am Spalt links mit drei Schrägrechtsbalken belegt. Auf der Frontseite befindet sich eine Klappe, die nach der Entriegelung von insgesamt drei Schlössern nach unten hin zu öffnen ist. Das Innere ist in blauer Farbe angestrichen, über die Farbflächen sind aufgelegte, vergoldete Zinnsterne verteilt. Die Unterseite des Bodens zeigt in Temperamalerei mit der Heiligen Lanze und dem Partikel vom Holz des Christuskreuzes die wichtigsten Reliquien, die der Schrein barg. (Aus: Ausst. Kat. 2006 (Ralf Schürer), S. 483-484).
Beschriftung:
Der Reichsschatz aus Insignien und heilsbringenden Reliquien wurde vom jeweiligen Kaiser als Unterpfand rechtmäßiger Herrschaft verwahrt. Kaiser Sigismund übergab diese Reichskleinodien 1424 der Reichsstadt Nürnberg zur treuhänderischen Verwahrung. Die Insignien wurden in gesicherten Räumen der Heilig-Geist-Kirche untergebracht. Die Reliquien, das Heiltum, erhielten diesen Schrein, der im Chor der Kirche aufgehängt war. Seine Außenseiten sind mit silbernen Rauten belegt, auf denen sich die Stadt mit ihrem großen und kleinen Wappen präsentiert. Als Behältnis christlicher Glaubenszeugnisse, die der Kaiser der reichsunmittelbaren Stadt übergeben hatte, verkörpert der Heiltumsschrein wie kein anderes Denkmal die Verbindung von Kaiser, Reich, Kirche und Stadt im ausgehenden Mittelalter.
The imperial treasure, consisting of insignia and relics with powers of salvation, was kept by each emperor as the pledge of legitimate rule. Emperor Sigismund entrusted these imperial regalia to the Imperial City of Nuremberg for safekeeping in 1424. The insignia were housed in carefully secured rooms in the Church of the Holy Spirit. The sacred relics, the Heiltum, were placed in this shrine, which was suspended in the choir of the church. Rhomboid sheets of silver displaying the city's Greater and Lesser coats of arms are seen on the outside. As a repository of Christian testimonies of faith given to the free imperial city by the emperor, the reliquary shrine is unique in embodying the link between the emperor, the empire, the church and the city at the close of the Middle Ages.
Literatur:
Geschichtsbilder. Die Gründung des Germanischen Nationalmuseums und das Mittelalter. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums 4). Hrsg. von Jutta Zander-Seidel/Anja Kregeloh. Nürnberg 2014, Kat.-Nr. 85. — Kaiser - Reich - Stadt. Die Kaiserburg in Nürnberg. Katalog zur Ausstellung der Bayerischen Verwaltung der staatl. Schlösser, Gärten und Seen au der Kaiserburg Nürnberg, 13.7.2013-10.11.2013. Petersberg 2013; Abbildungen S. 31 u. S. 165 — Zum Stempel: Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Bd. 1 Meister - Werke- Marken, Nürnberg 2007, S. 499, Nr. BZ01 — Eser, Thomas: „Weit berühmt vor andern Städten“. Kunsthistorische Relevanz, städtische Konkurrenz und jüngere Wertschätzungsgeschichte der Nürnberger Goldschmiedekunst. . In: Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Bd. 2: Goldglanz und Silberstrahl. Kat. Ausst. Nürnberg. Freiburg 2007, S. 13 — Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. 962 bis 1806. Von Otto dem Großen zum Ausgang des Mittelalters. Ausst. Kat. Kulturhistorisches Museum, Magdeburg. Dresden 2006, S. 483-485, Nr. V.77 (Ralf Schürer) — Franz Kirchweger (Hg.): Die Heilige Lanze in Wien. Insignie - Reliquie - "Schiksalsspeer" (=Schriften des Kunsthistorischen Museums, Bd. 9). Wien 2005, S. 78-79, S. 116. — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 59 — Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 1994, S. 46, Nr. 89 — Annamaria Böckel: Heilig-Geist in Nürnberg. Spitalstiftung und Aufbewahrungsort der Reichskleinodien. Nürnberg 1990, S. 26, S. 46-47, S. 57-58 — Rainer Kahsnitz: Der Heiltumsschrein, das letzte originale Erinnerungsstück an die Reichskleinodien in Nürnberg. In: Nürnberger Altstadtberichte, Nr. 16 (1991), S. 29-38 — Hauptstadt, Zentren, Residenzen, Metropolen in der deutschen Geschichte. Ausst. Kat. Bonn. Köln 1989, S. 84-85 (Abb. der Unterseite) S.103, Kat. Nr.4/28 (Abb. des Inneren des Kartäuserklosters mit Schrein). — Nürnberg. 1300-1550. Kunst der Gotik und der Renaissance. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg/The Metropolitan Museum of Art, New York. München 1986, S. 179-181, Nr. 47 (Rainer Kahsnitz) — Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852 -1977, München-Berlin 1978, S. 750, Abb. 81, S. 710-711, S. 715-716; S. 746 — Albrecht Dürer. 1471-1971. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1971, Nr. 248 — Johann Michael Fritz: Goldschmiedekunst der Gotik in Mitteleuropa. München 1982, Abb. 341 und S. 234, Nr. 341 — Heinrich Kohlhaussen: Nürnberger Goldschmiedekunst des Mittelalters und der Dürerzeit. 1240 bis 1540. Berlin 1968, S. 83-85, S. 95-97, Nr. 169 — Albert Gümbel: Hans Schesslitzer genannt Schnitzer und Peter Ratzko, die Goldschmiede der Nürnberger Heiltumstruhe. In: Repertorium für Kunstwissenschaft 45, 1925, S. 90-97 — Albert Gümbel: Die Goldschmiedefamilie der Groland und die Nürnberger Heiltumstruhe. In: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum, Jg. 1920/21, S. 31-36 — Albert Gümbel: Die Scheßlitzer genannt Schnitzer, eine Nürnberger Goldschmiedefamilie des 15. Jahrhunderts. In: Repertorium für Kunstwissenschaft 34, 1911, S. 481-499 — August von Essenwein: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Kirchlichen Einrichtungsgegenstände und Geräthschaften. Nürnberg 1871, Nr. 187 — August von Eye: Der Schrein der sog. Reichsreliquien zu Nürnberg. In: Anzeiger GNM 1861, Sp. 437-440 — Christoph Gottlieb Murr (Hrsg.): Beschreibung der sämtlichen Reichskleinodien aus der Handschrift des seel. Duumviers Hieronimus Wilhelm Ebners von Eschenbach und der Reichsheiligthümer, welche in des Heil. Röm. Reichs freyen Stadt Nürnberg aufbewahret werden. Nürnberg 1790. Zum Schrein insbesondere S. 80--81
 
 
3.3.130726