Beschreibung
Achtpassiger Fuß mit glattem Standring, an den sich eine schwach profilierte, senkrechte Zarge mit geätztem (?) Kreis- und Sternmuster anschließt. Die glatte Oberseite des Fußes verjüngt sich in steiler Kurve zu dem achtkantigen Schaft hin. Dieser besteht aus zwei unter- und oberhalb des Nodus angesetzten Achtkantsegmenten und einem relativ hohen, ebenfalls achtkantigen, aber sich trichterförmig sich nach oben weitenden Abschnitt, auf dem das Hostiengefäß aufsitzt. Der Nodus ist auf Ober- und Unterseite mit glatten Zungen belegt, zwischen denen sechs rautenförmige Pasten herausragen. Das Gefäß nimmt den oktogonalen Grundriss auf. Auf den Seiten sind gegossene Figuren unter krabbenbesetzten Wimpergen appliziert. Eine Profilleiste, ähnlich der Zarge des Fußes bildet den oberen Abschluss. Der wie eine Turmspitze hoch nach oben ragende, achtseitige Deckel wird von einem kleinen, profilierten Knauf abgeschlossen und darauf stehend von einem Kreuz bekrönt. Dieses trägt auf der Vorderseite den Kruzifixus und an den Balkenenden kleine, mit gemugelten Türkisen versehene Rosetten, vor die Rückseite ist ein hl. Andreas gesetzt.
Die Seiten der kurzen Schaftabschnitte sind mit dem eingravierten Buchstaben "J" verziert, oben im Wechsel mit Maßwerk, unten im Wechsel mit Rosetten. Die Stirnseiten der Nodus-Pasten tragen in Einzelbuchstaben den Nehmen "jhesus". Die den Steilwänden des Gefäßes applizierten Figuren sind zentral der gekreuzigten Heiland, an den sich (jeweils nach rechts folgend) die Muttergottes, die Heiligen Barbara und Katharina, Maria mit dem Kind, Andreas, Christophorus und Johannes anschließen, so dass Maria und Johannes als Assistenzfiguren der Kreuzigung dienen.
Der Deckel kann mittels eines Scharniers weggeklappt werden, in das Innere des Ciboriums wurde als eigentliches Hostiengefäß eine runde Pyxis eingesetzt, die mittels eines an ihrem Deckel befestigten ringförmigen Griffs herausgezogen werden kann (Inv.Nr. KG841_a). Die zylinderförmige Dose ist weitgehend glatt belassen, am Steh- und am Mündungsrand umlaufen das gefäß zwei profilierte Ringe mit eingepunzten kreuzen und Blattformen. Der Deckel ist über ein Scharnier mit dem Gefäß verbunden und besitzt als zentralen Schmuck eine plastisch geformte Blüte, die auch die Einfassung des Ringes bildet.
Auf dem Standring des Hostienkelchs sind zwei Silbermarken eingeschlagen: das Beschauzeichen der Stadt Ochsenfurt und die Marke eines Meisters GL, der weiteren Arbeiten mit seiner Marke nach zu schließen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts tätig war.
Nicht nur diese Marken, sondern das uneinheitliche Erscheinungsbild des Werkes insgesamt zeigen auf eine weitgehende Veränderung, die das Gefäß im Laufe seiner Geschichte erfahren haben muss. Johann Michael Fritz hält nur den Schaft einschließlich des Nodus und die aufgenieteten Schmuckteile für Arbeiten des 15. Jahrhunderts (Mitteilung von 1973). Ebenfalls umstritten ist, ob die Innendose ursprünglich zu dem Ensemble gehörte.