Beschreibung
Holzrahmen mit Schriftensatz
Der Sohn Heinrich Karl Ferdinand Gottlob Flinsch (1839–1921) wird alleiniger Inhaber. Ab 1868 löst er sich von seinen Wurzeln als Erbe eines Papierfabrikanten und firmierte das Unternehmen als Schriftgießerei Flinsch um, das sich im 19. Jahrhundert unter zu einem Weltunternehmen mauserte. Im Frankfurter-Nordend entstand aus der Schriftgießerei Dressler in der Straße „Eisernen Hand 12“, eine Querstraße der Eckenheimer Landstraße, einer der wenigen bedeutenden Industriebetriebe der Freien Stadt Frankfurt. Bereits 1867 stellten hier 250 Arbeiter und Angestellte rund 2,5 Millionen Lettern pro Woche her. 1872 wird die erste Komplettgießmaschine in Deutschland installiert. Die Gießerei umfasst bald 85 Gießmaschinen (darunter 15 Komplettmaschinen), über 100000 Stahlstempel, über 200000 Matrizen, (darunter viele aus Stahl und Neusilber), galvanoplastische Anstalt mit 2 Dynamomaschinen, eigene Tischlerei zur Anfertigung der Einrichtung von Buchdruckereien, sowie aller Holzgeräte, Setzkästen, Regale, eigenes Schmelzwerk zur Läuterung und Legierung der zu verarbeitenden Metalle. Die Schriftgießerei Flinsch hatte seit 1865 eine Zweigniederlassung in Petersburg mit 12 Gießmaschinen und Agenturen in Athen, Barcelona, Budapest, Bukarest, Florenz, Genf, Kopenhagen, Lissabon, London. Erst 1912 wird die Filiale in St. Petersburg an H. Berthold AG verkauft, die dann später 1993 selbst liquidiert wurde.
Heinrich Karl Ferdinand Gottlob Flinsch (1839–1921) war auch 25 Jahre Stadtrat der Stadt Frankfurt am Main und ließ sich 1869 vom berühmten Architekten Carl Jonas Mylius eine Villa im Frankfurter Westend, in der nach seinem Verwandten Heinrich Mylius, ursprünglich Heinrich Müller (1769–1854) genannten Myliusstraße 25, erbauen. In Königstein ließ er sich 1899 unterhalb des Rombergs am Rombergweg eine Sommervilla errichten, die später der Frankfurter Kaufhauskönig Hermann Wronker erwarb. Sein jüngerer Bruder Wilhelm Flinsch († 1928), Teilhaber und Kommerzienrat ließ sich 1873 in der Westendstraße 61 von den Architekten Mylius & Bluntschli eine Villa errichten.