Beschreibung
Das zylinderförmige Kästchen wurde in einem Stück gefertigt und nachträglich in zwei Teile zerschnitten. Die Seitenflächen bestehen aus Holz, die gekrümmten aus Pappe, worauf Werk (Hanffasern) als Träger eines sehr dünnen, rot gefärbten, geschärften und geglätteten (Schafs-)Spaltleders aufgeklebt wurde. Die beiden Teile verbindet auf der Rückseite ein Messingscharnier, den vorderen Verschluss bilden zwei Ösen aus Silber und zwei Haken aus versilbertem Messing. Auf seinem Deckel ist in Blindprägung mit anschließender Vergoldung das französische kaiserliche Majestätswappen mit der Umschrift MONNAIE DES MÉDAILLES aufgebracht. Das Majestätswappen war nach der Kaiserkrönung Napoleons I. 1804 eingeführt worden. Es zeigt unter der Kaiserkrone einen auf einem Donnerkeil sitzenden Adler mit erhobenen Flügeln, umgeben von der Kette des Großmeisters der Ehrenlegion. Hinter dem Wappenschild liegen gekreuzte Stäbe, von denen einer eine Schwurhand und der andere einen sitzenden Kaiser mit seinen Insignien trägt. Unterschiedliche Tiefe in der Prägung von Wappen und umgebender Schrift lässt darauf schließen, dass sie mit jeweils eigenem Stempel in das Leder geprägt wurden. Im Inneren hat das mit grünem Seidensamt verkleidete Kästchen eingearbeitete Fächer für die Aufbewahrung von 12 Medaillen mit einem Durchmesser von 41 mm. Verwendung und Bestimmung des Kästchens sind nicht bekannt, jedoch lässt das Wappen auf einen offiziellen Charakter, etwa als Geschenk, schließen. Es könnte auch für Transport und Präsentation von Probeprägungen gebraucht worden sein, da alle Medaillen von Napoleon genehmigt werden mussten, bevor sie in die Produktion gingen.
In Anlehnung an Ludwigs XIV. "Chronique Métallique" ließ Napoleon bereits während des Italienfeldzuges 1796/1797, damals noch als General der Italienarmee, die ersten Medaillen auf seine Erfolge für eine geplante "Histoire Métallique" prägen. In Medaillen sah er ein Medium der Repräsentation und der Propagierung von Ruhm und Macht. Da kein anderer Herrscher vor ihm so viele Medaillen prägen ließ, kam der Monnaie des Médailles innerhalb der napoleonischen Propaganda eine besondere Rolle zu. Zunächst lag die Auswahl der Motive nahezu ausschließlich bei Napoleon. Um jedoch seine Ideen möglichst wirkungsvoll umzusetzen, band er später alle Klassen des neu organisierten "Institut de France" in die Medaillenherstellung ein und beauftragte die Klasse für Geschichte und Kultur mit der Auswahl von Motiven für die Gedenkmedaillen. Den Höhepunkt erreichte die Napoleonische Medaillenprägung in den Jahren des Empires zwischen 1804 und 1815. Die komplette, 141 Medaillen umfassende Serie konnte man seit 1815 bei der Monnaie des Médailles erwerben.