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Objekt / Inventarnr.: Pl.O.2720

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Erzengel Raphael (Figur aus Lindenholz (Pl.O.1834, 2720 ))

Inventarnummer: Pl.O.2720
Leihgabe Evang.-Luth. Kirchengemeinde Nürnberg – St. Jakob
Hersteller: Veit Stoß, um 1447-1533 Nürnberg
Datierung: 1516
Ort: Nürnberg
Material/Technik: Lindenholz - nicht gefasst
Maße: H. 97 cm, B. ca. 81 cm, T. ca. 40 cm
Sammlung: Skulptur bis 1800
Beschreibung:
Die in Deutschland bis dahin kaum bekannte, in Italien dagegen geläufige Darstellung entstammt dem alttestamentarischen Buch Tobit und berichtet die vom Erzengel begleitet, gefahrvolle Reise des jungen Tobias. Die schnitzerische Ausführung der Gruppe kennt keinen Vergleich. Der von reichen Faltenschwüngen bewegte, schraubenartig gedrehte und frei durch den Raum wallende Mantel des Engels bezeichnet einen absoluten Höhepunkt nordeuropäischer Bildhauerkunst. Mit dem teilweise so dünn wie Papier geschnittenen Holz markierte Veit Stoß seine überlegenen technischen Fähigkeiten. Mit der Wiedergabe grazilster Bewegungen, feinster Gesten und lieblichster Züge bewies er seine unangefochtene künstlerische Meisterschaft. Die Verfremdung der Oberfläche durch den Verzicht auf die Polychromie verstärkt die Abgrenzung zwischen Schnitzwerk und Wirklichkeit. Die Rechte der Standfigur ist empfehlend ausgestreckt, die Linke hält einen Bausch des bewegt fallenden, auf antike Art gegürteten, langen Gewandes.
Beschriftung:
Die Gruppe gehört zu den Hauptwerken von Stoß. Sie ist eine Stiftung des florentinischen, zeitweilig in Nürnberg tätigen Seiden- und Juwelenhändlers Raffaele Torrigiani. Die geschilderte Begebenheit stammt aus dem alttestamentlichen Buch Tobit: Auf einer abenteuerlichen Reise gesellt sich dem Jüngling ein Engel zu und erweist sich als vielfacher Beschützer. Höchste Virtuosität bezeugen komplizierte freiplastische Faltengebilde und grazil geformte Hände. Treffend sind Gewandfaltung, Körperhaltung und Schrittstellung zur Unterscheidung von himmlischem und irdischem Wesen der Figuren eingesetzt.
The group is one of Veit Stoss‘ main works. It was commissioned by the Florentine silk and jewelry merchant Raffaele Torrigiani, whose work had occasionally taken him to Nuremberg. The scene depicted is drawn from the Old Testament Book of Tobit: While underway on an adventurous journey a young man is joined by an angel who proves to be his protector on a number of occasions. Supreme virtuosity is demonstrated by the complex, swirkling folds and the delicate looking hands. The drapery folds, the poise and the stance are aptly used to distinguish between the heavenly and the earthly nature of the figures.
Literatur:
Eberhard Lutze: Die "italienischen" Werke des Veit Stoss. In: Pantheon 1937 Jg. X Bd. 19, S. 183 ff. — Enciclopedia universale dell`arte 1965, Tav. 29. — Germanisches Nationalmuseum. Bildführer durch die Sammlungen. München 1977, S. 50, Nr. 114. — Veit Stoß in Nürnberg. Werke des Meisters und seiner Schule in Nürnberg und Umgebung. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. München 1983, S. 142-148, Kat.- Nr. 8 (Jörg Rasmussen). — Nürnberg 1300-1550. Kunst der Gotik und Renaissnace. Ausstellungskatalog Germanisches Nationalmuseum. München/ New York 1986, Kat.- Nr. 93 (Rainer Kahsnitz) mit Abb. — Quasi Centrum Europae. Ausstellungskat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2002, Kat. Nr. 8, S. 59. — Klaus Niehr: Im Zeitraum von Epochenschwellen. In: Spätgotik und Renaissance. Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland, Bd. 4. Hrsg. von Katharina Krause. München 2007, S. 364-365. — Yvonne Northemann: Zwischen Vergessen und Erinnern. Die Nürnberger Klöster im medialen Geflecht. Petersberg 2011, S. 170. — Frank Matthias Kammel: Spätmittelalter. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlung. Nürnberg 2012, (S. 63-84), S. 74. — Frank Matthias Kammel: Der Pfeiler als Bildort. Konvexe Epitaphe des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. In: Kontroverse und Kompromiss – Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Eckhard Leuschner, Falko Bornschein, Kai Uwe Schierz. Dresden 2015, S. 157–181, hier S. 175. — Helden Märtyrer Heilige. Wege ins Paradies. Hrsg. von Daniel Hess, Markus Prummer. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2019, Kat.-Nr. 33.
 
 
3.3.130726