Beschreibung
Die beiden Kacheln, die sicher vom selben Ofen stammen, zeigen den gleichen Dekor: Die Eckkante wird von einer kurzen Säule mit niedriger Basis und Volutenkapitell betont. Ihren bauchigen Schaft schmückt eine nackte, aus einem stilisierten Blütenkelch steigende Halbfigur, die ihre Arme um emporwachsende Ranken legt. Ähnliche Gewächse streben auch beidseits des Architekturteils nach oben. Darüber hinaus wird das schmale Bildfeld auf der Langseite der Kachel von einer Halbfigur im Blütenkelch geschmückt, über deren Kopf allerdings eine Muschel prangt. Wiewohl die Formen und Motive seit dem 16. Jahrhundert geläufig sind, weist das Dekorationssystem hinsichtlich seiner plastischen Umsetzung in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die weiße Glasur mit blauer Konturierung beziehungsweise Höhung der Reliefpartien imitiert das Erscheinungsbild der damals beliebten Delfter Fayence. Aufgrund der grundsätzlichen Ähnlichkeit des Formenrepertoires mit jenem traditioneller figürlicher Irden- und Hafnerware ist an die Herstellung in einer kleineren handwerksmäßigen Werkstätte zu denken, wie sie etwa in Kellinghusen bei Rendsburg existierten und die ländlich-bäuerliche Umgebung des Produktionsortes versorgten. Manschetten mit sichtbaren Fingerabdrücken, teilweise abgeschlagen,