(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblase…
Alles begann mit Aufseß …
Hans von und zu Aufseß war der Gründer und bis 1862 der erste Direktor des Germanischen Nationalmuseums. Als Nachkomme eines reichsritterlichen Geschlechts, widmete er sich bereits während seines Jura-Studiums mit großer Leidenschaft historischen Forschungen und verwaltete die Familiengüter. Seine umfangreiche Privatsammlung aus Kunst- und Altertumsschätzen sowie Büchern, Handschriften und Archivalien bildete den Grundstock für das Museum, welches heute mit mehr als 1,4 Millionen Objekten das größte…
Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten und sie dennoch angemessen kleiden, Luft zur Kühlung durchlassen und waschbar sein. Die beiden letzten Ziele erreichte man, indem man Baumwollstoff verwendete. Jedoch ist der Anzug keineswegs ohne Zier: Die weißen Linien, Paspelierung genannt, waren bereits aus der Bademode vertraut. Unter dem Kragen…
Beschützerin der Kunst
Die römische Göttin Minerva – bei den Griechen bereits als Athene verehrt – galt in der antiken Mythologie als Hüterin des Wissens und Göttin der Weisheit. Darüber hinaus sprach man ihr auch Einfluss auf die Geschicke des Staates und die taktische Kriegsführung zu. Entsprechend wehrhaft ist sie hier mit einem prächtigen Federhelm, einem Schuppenpanzer und wadenhohen Stiefeln ausgerüstet. Ihr Schild ist mit dem Haupt der Medusa geschmückt, dessen Anblick der Sage nach alle Gegner zu Stein erstarren ließ.
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Lebkuchen, Honig und Wein
Zu diesem Pokal aus dem Jahr 1683 gehört ein weitgehend identischer Zwilling. Die zwei Trinkgefäße bestehen aus teilweise vergoldetem Silber mit Resten einer Bemalung und sehen aus wie Bienenkörbe. Der kuppelförmige Deckel ist abnehmbar. Die Pokale besitzen je einen runden Fuß mit Blumendekor. Den unteren Teil des Schafts bildet ein bärtiger Mann, der in seiner rechten Hand einen Lebkuchen hält. Mit der Linken stützt er ein großes Schild mit dem…
Blick in fremde Häuser
Puppenhäuser aus dem 17. Jahrhundert sind äußerst selten. Das GNM besitzt gleich vier Exemplare aus dieser Zeit, von denen das Stromersche Puppenhaus am besten erhalten ist. Der Name rührt von der letzten Besitzerfamilie her, weil die ursprünglichen Auftraggeber nicht bekannt sind. Am Giebel ist als Datierung 1639 vermerkt. Zwar erinnern einige architektonische Details an Nürnberger Häuser des 17. Jahrhunderts, jedoch ahmt das Puppenhaus kein reales Gebäude nach. Die einheitliche Größe der Wirtschaftsräume kann…
Jagd nach dem Altertum
Das Germanische Nationalmuseum versteht sich maßgeblich als Museum für den deutschsprachigen Raum. Als um 1900 der Trakt mit den sogenannten Bauernstuben eingerichtet wurde, war es daher naheliegend, dass auch ein Zimmer aus der deutschsprachigen Schweiz gezeigt wurde. Museumsleute und Freunde historistischer Lebenswelten machten damals regelrecht Jagd auf derartige Getäfer, wie die Wandvertäfelungen in der Schweiz heißen. Die dortigen Museumsdirektoren und Denkmalpfleger zeigten sich…
Funktion und Formvollendung
Sowohl die Höhe als auch der Neigungswinkel der Platte sind bei diesem Ständerschreibtisch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts verstellbar. Deswegen kann man ihn als Vorläufer unserer heutigen ergonomischen Stehpulte bezeichnen. Unter der Schreibfläche befindet sich ein Kasten mit zwei Schubladen, in dem man Zubehör ablegen kann. Der gedrechselte Standfuß ist schmal und lässt viel Beinfreiheit. Aber mindestens genauso wichtig wie die komfortable Nutzung war…
Statussymbol Schreibtisch
Barocke Prunkschreibtische aus dem 18. Jahrhundert sind beeindruckende Kunstwerke. Eleganz und Funktionalität vereinend, zeichnen sich die luxuriösen Möbelstücke durch kunstvolle und komplexe Dekorationstechniken und edle Materialien aus. Als Schreib- und Arbeitsfläche wurden sie zwar vorwiegend in Privaträumen aufgestellt und genutzt, fungierten aber zugleich als Statussymbol, indem sie den Stand und vor allem den Reichtum seiner Besitzer zur Schau stellten.
Auftrag……