Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert und nur noch gegen Bezugsscheine abgegeben. Die Textilproduktion für militärische Zwecke hatte Vorrang. Bei Bombenangriffen, auf der Flucht und durch Plünderungen waren große Kleidermengen verloren gegangen. Außerdem spendeten viele Menschen im Krieg Stoff zur Wiederverwendung. Das alles hatte zur Fo…
Krieg als Spiel
Die Rüstungen erscheinen wehrhaft und funktional, waren für den Krieg jedoch völlig ungeeignet. Mit Eisenplatten von bis zu neun Millimetern sind sie viel zu schwer – in der Schlacht verwendete man wesentlich dünnere und leichtere Rüstungen. Zudem schränkte der fest verschraubte Helm die Sicht so ein, dass man einem Angriff von der Seite schutzlos ausgeliefert wäre. Die Zweikämpfe, für die diese Rüstungen geschaffen wurden, fanden vor großem Publikum statt. Sie waren speziell für den Reiterkampf im Turnier bestimmt.
Turniere, die sich in Europa……
Göttlicher Geleitschutz
Die Figurengruppe verbildlicht die Geschichte von Tobias und dem Engel, die in den apokryphen Schriften des Alten Testaments überliefert ist. Tobias begibt sich darin auf eine gefahrvolle Reise, um das in der Ferne von seinem Vater hinterlegte Vermögen zurückzuholen. Auf dessen Rat hin engagiert er einen Reisebegleiter als Geleitschutz. Er ahnt nicht, dass es sich dabei um den Erzengel Raphael handelt, der ihm unerkannt auf der Reise zur Seite steht. Unter anderem hilft er Tobias, im Fluss Tigris einen…
Kriegsausbruch
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schrieb Ernst Ludwig Kirchner an einen Bekannten: „Das Bild ist 1914 in Berlin entstanden, als Tag und Nacht die schreienden Militärzüge unter meinem Fenster vorbeifuhren“. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges war für Kirchner ein Schock. Er befand sich mit seiner Freundin Erna Schilling auf der Insel Fehmarn und wurde bei der vorzeitigen Rückkehr nach Berlin aufgrund der wachsenden Spionageangst irrtümlich zweimal festgenommen – dies, so kommentierte er später, „gab uns…
Die Jagd, ein fürstliches Vergnügen
Die fürstliche Leidenschaft für das Jagen bestimmt das Bildprogramm dieses Pokals aus der Zeit um 1720. Auf der Schale, auch Cuppa genannt, und am Fuß des Pokals sind in flachem Relief Jagdszenen zu sehen. Der Schaft ist als Eichenstamm ausgebildet, und auch auf dem Deckelknauf steht eine Eiche mit belaubter Krone. Um den Baum herum spielt sich eine dramatische Szene mit mehreren Figuren ab: Zwei Jäger reiten auf eine Gruppe aus drei Hunden und einem gewaltigen Hirsch zu, der…
Abhilfe für steife Beine
Was auf den ersten Blick wie eine Beinrüstung erscheint, ist tatsächlich ein medizinisches Hilfsmittel aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauweise und sein Aussehen leiten sich vom Harnisch, besser bekannt als Ritterrüstung, ab. Ein entscheidender Unterschied ist jedoch die offene Rückseite. Reste von Lederriemen lassen erkennen, dass man das Bein auf der Hinterseite festzurren konnte. Wahrscheinlich schützte ein ledernes Futter vor Reibung. Das Harnischinstrument erzielte seine therapeutische Wirkung durch die beiden seitlich…
(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblase…
Der lange Ton
Die Bassposaune von Isaac Ehe aus dem Jahr 1612 beeindruckt in vielerlei Hinsicht, zunächst durch ihre schiere Größe. Würde man das vollständig verbaute Rohr ausrollen, hätte es eine Länge von über 4,20 m. Um die Tonhöhe bei einer Posaune zu regulieren, verändert man die Rohrlänge beim Spielen, indem man zwei U-förmige Rohrteile am unteren Ende gegeneinander verschiebt. Spielt man die tiefsten Töne einer Bassposaune, muss der Zug so weit hinausgeschoben werden, dass der durchschnittliche Arm eines Menschen fast zu kurz ist. Dafür…
Abbruch und musealer Aufbruch
Die Anregung zur Präsentation einer „niedersächsische[n] Bauernstube“ ging im Februar 1897 von einem Bauinspektor in Niedersachsen aus. Er schrieb an das Germanische Nationalmuseum, dass eine solche Stube bis zu diesem Zeitpunkt in allen Museen fehlte. Entsprechende Objekte würden immer seltener, und die Museen in der Region hätten kein Interesse daran. Das GNM erwarb daraufhin eine große Anzahl von Holzbauteilen von abgebrochenen Bauernhöfen aus der Gegend von Diepholz. Mit ihnen sollten die Haupträume eines niedersäch…