Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten und sie dennoch angemessen kleiden, Luft zur Kühlung durchlassen und waschbar sein. Die beiden letzten Ziele erreichte man, indem man Baumwollstoff verwendete. Jedoch ist der Anzug keineswegs ohne Zier: Die weißen Linien, Paspelierung genannt, waren bereits aus der Bademode vertraut. Unter dem Kragen…
Eine versteckte Botschaft
Was einst in diesem Kästchen verwahrt wurde, ist heute nicht mehr bekannt. In solchen mit Eisenbeschlägen und Schlössern gesicherten Schatullen wurden im Mittelalter persönliche Wertgegenstände oder wichtige Urkunden aufbewahrt. Dass es sich beim Inhalt um Zeugnisse der Liebe handelte, lässt die Bildszene auf der Innenseite des Deckels vermuten. Doch könnte auch das Kästchen selbst eine Liebesgabe gewesen sein.
Die vier Figuren…
Abbruch und musealer Aufbruch
Die Anregung zur Präsentation einer „niedersächsische[n] Bauernstube“ ging im Februar 1897 von einem Bauinspektor in Niedersachsen aus. Er schrieb an das Germanische Nationalmuseum, dass eine solche Stube bis zu diesem Zeitpunkt in allen Museen fehlte. Entsprechende Objekte würden immer seltener, und die Museen in der Region hätten kein Interesse daran. Das GNM erwarb daraufhin eine große Anzahl von Holzbauteilen von abgebrochenen Bauernhöfen aus der Gegend von Diepholz. Mit ihnen sollten die Haupträume eines niedersäch…
Ein Evangelist als Maler
Der heilige Lukas sitzt an einer Staffelei und malt die Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Sie sitzt an einem Kaminfeuer in einem Nebenraum, dessen Türöffnung die Szene wie ein Bild einrahmt. Die beiden Räume sind so angelegt, dass zwischen Maler und Modell kein Blickkontakt möglich ist. Dies ist als Hinweis zu verstehen, dass Lukas die Gottesmutter nicht leibhaftig vor sich hatte, sondern eine göttliche Erscheinung malte. Die Darstellung…
Mahnen und Verlocken
Die Liebesgöttin Venus und Amor, der oft als ihr Sohn gilt, stehen nackt in einer Landschaft. Der kleine Amor hat eine Honigwabe aus einem Bienenstock in einem Baumstamm gestohlen. Nun greifen ihn die Insekten an. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wendet er sich an seine Mutter, die tadelnd den Zeigefinger erhoben hat. Die lateinische Inschrift oben rechts erklärt die Bedeutung des Bildes: „Dass Amor, während er den Honig aus der Höhle stahl von den Bienen in den Finger gestochen…
Ein intensiver Blick
Alexej von Jawlensky malte das Bild „Kopf in Schwarz und Grün“ vermutlich im Jahr 1913. Die Datierung vermerkte er jedoch erst nachträglich. Ein länglicher Kopf mit großen Augen füllt die gesamte Bildhöhe aus. Das schematische Gesicht ist in Blaugrün-, Rosa und Rottönen gehalten, der Hintergrund ist dunkelblau und schwarz. Stellenweise schaut die braune Malpappe hervor. Durch kräftige Umrisslinien verlieh Jawlensky den Gesichtszügen eine Intensität, die an urzeitliche Bilder oder christlich-orthodoxe Ikonen erinnert.
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Silber trifft auf Elfenbein
Friedrich Adler entwarf 1910 die silberne Prunkbowle, deren Umsetzung die Nürnberger Goldschmiedewerkstatt J. C. Wich übernahm. Sie ist nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Schaustück zu verstehen. Dem zylindrischen Unterbau der Bowle sind gedrechselte Elfenbeinsäulchen vorgelagert. Die eigentliche Schale ist trompetenförmig und zeigt stilisiertes Rankenwerk vor patiniertem Grund. Auf dem Deckel verbinden sich sphärische Dreiecke zu flachen Zeltspitzen. Der Knauf ist eine Arbeit aus durchbrochenem Elfenbein, durch…
Eine Heizung als Schauobjekt
Kachelöfen sind eine Erfindung des Mittelalters. Spätestens im 15. Jahrhundert setzten sie sich als neue Form der Raumheizung durch. Sie waren Teil der Innenausstattung von Wohnstuben …Weiterlesen
Eine Heizung als Schauobjekt
Kachelöfen sind eine Erfindung des Mittelalters. Spätestens im 15. Jahrhundert setzten sie sich als neue Form der Raumheizung durch. Sie waren Teil…
Blind gezeichnet?
Wie kommt ein deutscher Künstler des 16. Jahrhunderts dazu, ein Rhinozeros darzustellen? Exotische Tiere wie diese waren auf dem europäischen Kontinent weitgehend unbekannt. Tatsächlich hat Dürer das Nashorn, das er hier so detailgenau wiedergibt, nie selbst gesehen. Dennoch gibt er das Tier sehr lebensnah wieder. Der massige Körper ist über den kurzen, reptilienartigen Beinen mit einem wehrhaften Panzer geschützt. Buckel, Grate und warzenartige Erhebungen geben ihm Struktur. Mit einem Muster aus feinen Linien…