Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird aMehr

Ist das Spiel für alle da?
Auf dem doppelseitigen Brett sind zwei sehr unterschiedliche Spiele vereint: Mühle und Gänsespiel. Während Mühle rein strategisch ist und keinen Zufall beinhaltet, hängt das Gänsespiel ganz vom Würfelglück ab. Das Objekt wird auf das 1. Drittel des 17. Jahrhunderts datiert und stammt aus dem süddeutschen Raum. Brettspiele waren damals in allen gesellschaftlichen Schichten beliebt. An den Fürstenhöfen bestanden die Bretter aus kostbaren Materialien wie Elfenbein, Ebenholz und Perlmutt. Sie zeigten den Wohlstand ihrer Besitzer. Manche dienten nur der Repräsentation und eigneten sich gar nicht zur Benutzung, weil die Spielsteine zu groß waren. Beliebte Spiele am Hof waren Schach und Tric Trac, das heutige Backgammon. Mühle und das Gänsespiel waren hingegen einfacher zu lernen und galten als Spiele für alle Gesellschaftsschichten.

Gänsemarsch
Laufspiele mit Spiralform existierten schon im alten Ägypten, jedoch taucht speziell das Gänsespiel erstmals im Europa des 15. oder 16. Jahrhunderts auf. Durch Würfeln rückt man vorwärts. Die Spielfelder und ihre Bedeutung variieren zwar, jedoch gibt es wiederkehrende Elemente. Die Gänsefelder ermöglichen, dass man noch einmal zieht. Die Herberge (19) und das Gefängnis (52) bedeuten ein- oder mehrmals aussetzen. Landet man auf dem Labyrinth (42), so muss man einige Felder zurückziehen. Der Tod (58) zwingt zum Neuanfang auf Feld 1. Insgesamt kann man das Spielfeld als Lebensweg deuten, wobei der Ausweg am Ende für das Paradies steht.

In der Zwickmühle
Im Gegensatz zum Gänsespiel basiert Mühle auf Taktik. Ziel ist es, alle Steine des Gegenübers wegzunehmen, indem man Dreierreihen, die sogenannten Mühlen, bildet. Man spielt mit zweimal neun Steinen unterschiedlicher Farbe. Das Spiel könnte aus antiker Zeit stammen, sicher nachweisbar ist es jedoch erst im byzantinischen Europa. Schon im Mittelalter existierten für Mühle – ebenso wie für Schach und Backgammon – Wettaufgaben, die man aus heutigen Zeitungen als Schachrätsel kennt.

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Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert uMehr

Notkleidung
Not macht erfinderisch – was das bedeuten kann, macht dieser Wintermantel deutlich. Er steht beispielhaft für die Notkleidung der 1940er Jahre. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren Stoffe und Kleidung Mangelware. Sie wurden seit Kriegsbeginn rationiert und nur noch gegen Bezugsscheine abgegeben. Die Textilproduktion für militärische Zwecke hatte Vorrang. Bei Bombenangriffen, auf der Flucht und durch Plünderungen waren große Kleidermengen verloren gegangen. Außerdem spendeten viele Menschen im Krieg Stoff zur Wiederverwendung. Das alles hatte zur Folge, dass die textilen Reserven der Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs erschöpft waren. Zusätzlich lag die produzierende Industrie am Boden. Doch die Menschen wussten sich zu helfen.

Quasi Couture
Alte, teilweise schon untragbare Kleidung wurde umgearbeitet, zweckfremde Textilien wurden zu Kleidung verarbeitet. Heute würde man von „Upcycling“ oder „Repurposing“ sprechen. Auch dieser Wintermantel hatte ursprünglich eine andere Funktion: Er war ein Schlafsack aus britischen Armeebeständen. Der schwere Wollstoff ähnelt zumindest von Weitem den voluminösen Stoffen, die in den 1940er beliebt waren. Der kantige Schnitt des Mantels orientiert sich an den damaligen Trends, dazu kommen breit abgesteppte Kanten, große Knöpfe, aufgesetzte Taschen und eine gegürtete Taille. Zusätzlichen Schutz bot eine lose Kapuze zum Umbinden.


Deckenmäntel
Der Mantel ist ein Produkt der Schneiderei Gebrüder Mitzlaff in Würzburg. Jedoch konnten auch noch viele Privatpersonen, vor allem Frauen, selbst schneidern. Sie verarbeiteten etwa alte Decken aus Luftschutzkellern und US-Hilfslieferungen, die im Sommer 1947 in CARE-Paketen verschickt wurden, zu sogenannten Deckenmänteln. Jedes dieser Pakete enthielt zwei ungefärbte Decken, Nähzeug, eine Schere und ein Paar Schuhsohlen. So halfen sich die Menschen über die Winterzeit, in der der Mangel am stärksten zu spüren war.
 

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Hans-Sachs-Verehrung im 19. Jahrhundert
Der Nürnberger Hans Sachs (1494–1576) war ein Schuster und der bekannteste aller Meistersinger. Er erfuhr im 19. Jahrhundert große Verehrung. Ein wichtiger Grund war das historistische Interesse am Mittelalter, in Zuge dessen NMehr

Hans-Sachs-Verehrung im 19. Jahrhundert
Der Nürnberger Hans Sachs (1494–1576) war ein Schuster und der bekannteste aller Meistersinger. Er erfuhr im 19. Jahrhundert große Verehrung. Ein wichtiger Grund war das historistische Interesse am Mittelalter, in Zuge dessen Nürnberg seine Blütezeit um 1500 glorifizierte. Das eindrucksvolle, wenn auch historisch nicht korrekte Kostüm wurde beim jährlichen Handwerkerzug getragen. Ab 1826 feierten die Nürnberger das Nationalfest, den Vorgänger des heutigen Volksfests. Zu Pferderennen, Schießübungen und Ähnlichem kam ab 1832 ein Handwerkerzug mit historischen Kostümen dazu. In Anwesenheit des bayerischen Königspaares vertrat 1833 erstmals ein als Hans Sachs verkleideter Darsteller die Nürnberger Schuhmacher. Der Festzug fand 1832 bis 1842 jährlich statt, pausierte dann, und wurde wieder 1853 bis 1868 abgehalten. Danach kamen die Kostüme ins Germanische Nationalmuseum.


Kostümhistorische Inspiration
Das Gewand des berühmten Schusterpoeten besteht aus einer entgegen historischer Praxis ärmellosen, pelzbesetzten Mantel, Schaube genannt (Z1354). Sie wurde über einem Leibrock (Z1359) und strumpfhosenartigen Beinlingen getragen. Die fast vollständig in Bandschlaufen aufgelösten Ärmel sind Teile des Leibrockes. Um das Kostüm in die Zeit Kaiser Maximilians I. zu versetzen, bediente man sich historischer Zitate wie Samtbesätze, Zierschlitze, Ärmelpuffen und Barett (Z1363). Diese Elemente galten damals als Standardvokabular der Kleidung um 1500.

Zwischen Entwurf und Ausführung
Der Architekt und Denkmalpfleger Carl Alexander Heideloff gestaltete die Kostüme für den Festzug. Das Goldene Ehrenbuch der Gewerbe und Zünfte (1834) stellte die teilnehmenden Handwerksvertreter mit ihren Fahnen vor. Man kann einige Abweichungen zwischen den Zeichnungen und den erhaltenen Kostümen erkennen. Das liegt höchstwahrscheinlich an der langen Nutzungsdauer der Kostüme, ebenso wie an den späteren Reparaturen und Umarbeitungen.

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Auf das Wesentliche reduziert
Vollkommen auf das Wesentliche reduziert gibt Konrad Witz die Erzählung aus dem Lukasevangelium wieder: Der Erzengel Gabriel überrascht Maria mit der Botschaft, dass sie schwanger werden und Gottes Sohn zur WeltMehr

Auf das Wesentliche reduziert
Vollkommen auf das Wesentliche reduziert gibt Konrad Witz die Erzählung aus dem Lukasevangelium wieder: Der Erzengel Gabriel überrascht Maria mit der Botschaft, dass sie schwanger werden und Gottes Sohn zur Welt bringen wird (Lk 1, 26–38). Der Maler hat die Szene in einen kargen Raum verlegt. Kein Mobiliar, kein schmückendes Beiwerk lenken den Blick von den monumentalen Figuren ab. Als müsse er die Wahrhaftigkeit des Geschehens betonen, hält der Maler stattdessen kleinste Details des kargen Raumes fest: die Maserung der Holzbalken, die Risse im Putz und den Mörtel, der aus den Fugen quillt. Dass der Engel den Raum durch eine verschlossene Tür betreten hat, ist als theologische Aussage zu verstehen: Verbildlicht ist der Widerspruch, dass Maria schwanger werden kann und gleichzeitig ihre Jungfräulichkeit behält. Wie die Kammer ist ihr Leib im einen Moment noch leer, bevor sie kurze Zeit später – so unerklärlich wie das Eintreten des Engels – den Gottessohn in sich trägt.

Kunstvolle Lichtregie
Besonders auffällig sind die markanten Schatten im Bild. Scharfe Schlagschatten lassen die Bolzen in den Holzbalken und den eisernen Türgriff hervortreten. Zugleich verleihen sie Maria und dem Engel eine fast greifbare körperliche Präsenz. Die Schatten erzeugen die Illusion einer Lichtquelle, die sich rechts außerhalb des Bildes befinden muss. Dies zeigt insbesondere der balkenförmige Schatten, der von der rechten unteren Bildecke ausgeht. Dieses Motiv übernimmt Konrad Witz aus dem damals schon berühmten Genter Retabel der Brüder van Eyck und zeigt sich damit als weltgewandter Kunstkenner. Zugleich schafft er durch die komplexe Lichtregie eine Verbindung zwischen dem Bildraum und der Lebenswelt der Betrachtenden.

Die neuen Realisten
Der in Basel tätige Konrad Witz gehörte zu einer Generation von Malern, die die Kunst Mitteleuropas im 15. Jahrhundert teils radikal erneuerten. Die lebensnahe Wiedergabe verschiedener Lichteffekte und Materialien – wie etwa der Goldstickereien der Mantelsäume – zeugen von der Auseinandersetzung mit der „Ars Nova“. Darunter versteht man eine in den Niederlanden entwickelte neue Art der realistischen Malerei, die Maler wie Witz aber gänzlich eigenwillig adaptierten.
Die Tafel bildete ursprünglich vermutlich die Außenseite eines Retabelflügels, dessen in Basel erhaltene Innenseite die Begegnung an der Goldenen Pforte zeigt. Der Aufstellungsort des Retabels ist nicht mehr bekannt. Möglicherweise war es für die Zisterzienserinnenkirche Olsberg oder eine andere Kirche in der Umgebung von Basel bestimmt.
 

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Ein einzigartiger Fund
Auf diesen römischen Paradehelm aus der Zeit zwischen 175 und 250 nach Christi Geburt stieß man 1974 bei einem Wettpflügen in Theilenhofen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Es war ein einzigartigerMehr

Ein einzigartiger Fund
Auf diesen römischen Paradehelm aus der Zeit zwischen 175 und 250 nach Christi Geburt stieß man 1974 bei einem Wettpflügen in Theilenhofen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Es war ein einzigartiger Fund: Zuvor kannte man Helme dieser Art nur durch Darstellungen und Fragmente, und nun war erstmals ein vollständig rekonstruierbares Exemplar aufgetaucht. Der Helm wurde auf dem Areal des zum Kastell Iciniacum gehörenden Lagerdorfes gefunden..


Symbole der Macht
Der Helm ist aus mehreren Bronzeblechen zusammengesetzt. In Resten kann man erkennen, dass er ursprünglich völlig verzinnt gewesen war und damit silberhell glänzte. Ein Adler, Symbol des höchsten Gottes Jupiter und der römischen Staatsmacht, bekrönt den Helm. In Scheitelrichtung weist der Helm drei eindrucksvolle Kämme auf. Der mittlere wurde ursprünglich von einem hohen Helmbusch geziert, worauf die Befestigungslöcher an den Enden hinweisen. Zwei Löwen, Symbole für Macht, zieren die äußeren Kämme des Helms. Als Gesichtsschutz dienen bewegliche Wangenklappen. Sie zeigen Flachreliefs von Adlern mit Siegeskränzen im Schnabel. Auf dem Stirnband prangt eine Gravur des Kriegsgottes Mars zwischen zwei Feldzeichen. Links und rechts davon ist jeweils eine Siegesgöttin zu sehen. Das Stirnband wird seitlich von unheilabwehrenden Medusenköpfen abgeschlossen.


Schutz oder Zier?
Derartige Paradehelme wurden nicht im Kampf, sonden bei militärischen Reiterübungen getragen. Innen wurde wohl zusätzlich ein Kopfschutz aus Leder befestigt. Ähnliche, aber nicht ganz so aufwendig gestaltete Helme kennt man etwa von Darstellungen auf dem 312-315 errichteten Triumphbogen des Kaisers Constantin in Rom.

 

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Das „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste naturalistische Erd-Darstellung, die selbst Kugelform hat. Schon die antiken Griechen wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihMehr

Das „Zeitalter der Entdeckungen“
Der Behaim-Globus gilt als älteste naturalistische Erd-Darstellung, die selbst Kugelform hat. Schon die antiken Griechen wussten, dass die Erde rund ist, und fertigten Globen an. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer von ihnen die Zeit überdauerte. Martin Behaim verwendete für die Konzeption des Globus eine Vielzahl antiker und zeitgenössischer Quellen. Jedoch mangelte es noch an exakten Karten und empirischen Erfahrungen. Der Globus fasst das bekannte Wissen über die Welt zusammen und gleicht einer visuellen Enzyklopädie. Daher ist er über und über beschriftet. Darunter findet sich legendenhaftes Wissen über Seeungeheuer und Fabelwesen genauso wie damals aktuelle Erkenntnisse über Ressourcenvorkommen und Reiserouten. Das Objekt zeigt eindrücklich, dass Europa seine Hände nach der ganzen Welt ausstreckte. Als Behaim die Arbeit am Globus im Jahr 1492 aufnahm, landete Christoph Kolumbus gerade erst in Amerika. Daher ist dieser Teil der Welt noch nicht dargestellt, ebenso wie Australien. Die bekannten Kontinente hingegen sind zu groß geraten, weil der Erdumfang unter Berufung auf den antiken Gelehrten Claudius Ptolemäus zu klein gewählt wurde.


Behaims Globus und seine Beweggründe
Martin Behaim war ein Nürnberger Patrizier, der nach Portugal ausgewandert war und dort für den König arbeitete. Er nahm wahrscheinlich an Entdeckungsfahrten Teil und hatte deswegen wohl Zugriff auf exklusives Kartenmaterial. Deshalb ist die Westküste Afrikas schon relativ präzise wiedergegeben. Vielleicht hatten die Portugiesen die Herstellung des Globus sogar unterstützt. Ein weiterer möglicher Beweggrund war die Suche nach Sponsoren für kostspielige Entdeckungs- und Handelsreisen. Behaim hat an vielen Orten vermerkt, dass man dort wertvolle Rohstoffe finden könne. Dazu zählten zum Beispiel Perlen, edle Hölzer und Gewürze. Ihre Kennzeichnung auf dem Globus sollte Investoren dazu bewegen, die Reisen finanziell zu unterstützen.

Spezialisten arbeiten zusammen
Mehrere Nürnberger Handwerker erschufen den Globus in einem arbeitsteiligen Prozess. Ein Glockengießer lieferte eine Lehmkugel, die mit Leinentüchern beklebt wurde. So entstanden durch Abformung zwei hohle Halbkugeln. Auf diese wurden Pergament und Papier aufgebracht. Ein Buchmaler und ein Schreiber gestalteten die Oberfläche. Das Gestell des Globus fertigten ein Schlosser und ein Schreiner. Für diesen aufwendigen Prozess gab es noch keine Vorbilder. Der Globus wurde anschließend im Nürnberger Rathaus aufgestellt und dort vermutlich wichtigen Gästen der Stadt gezeigt. Leider ist er heute nicht mehr gut lesbar. Schuld daran sind Alterung und mehrfache Restaurierungen.

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Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten koMehr

Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob geformt und ihre Gesichter wirken wie Masken. Nicht nur hier, sondern auch auf anderen Bildern zeigte Bauknecht die Bauern auf diese rohe Art.

Bedrohliche Natur
Der Wald sieht abweisend aus, weil Bauknecht die Natur mit grellen Farben malte. Fast könnte man von Warnfarben sprechen. Der Boden richtet sich auf, als ob er aus scharfkantigen Schuppen bestünde. Die bereits abgelängten Baumstämme sind gelb und zerteilen das Bild in zwei ungleiche Hälften. Während Ernst Ludwig Kirchner, der ebenfalls in Davos lebte, das ländliche Leben eher harmonisch idealisierte, wirkt es bei Bauknecht bedrohlich. Er schilderte die Bauern aus kritischer Distanz und stellte sie als derb dar. Im Gegensatz zur kräftigen Bildwirkung steht jedoch der ungewöhnlich dünne Farbauftrag auf der Leinwand. Da Bauknecht arm war, musste er sparsam mit der Farbe umgehen.

Wertschätzung für „primitive“ Kunst
Das Gemälde ist flächig gestaltet und zeigt kaum Tiefenwirkung. Diese Reduktion erinnert an volkstümliche Kunst. Galt sie vorher noch als primitiv und wertlos, so begann im späten 19. Jahrhundert die wissenschaftliche Erforschung sowie die ästhetische Wertschätzung der Volkskunst. Im frühen 20. Jahrhundert war sie eine beliebte Inspirationsquelle – nicht nur für Bauknecht, sondern auch für andere Maler des deutschen Expressionismus. Das Bild Holzhauer im Wald wurde 1927 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt. Museen in Münster, Kassel und Stuttgart kauften schon Ende der 1920er Jahre einige seiner Bilder. 1933 verstarb Bauknecht bei einer Operation in Davos. Seine Witwe verbrachte die meisten seiner Werke in die Niederlande. Dort begann auch Bauknechts „Wiederentdeckung“ in den 1960er Jahren.

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Nur scheinbar alltäglich
Eine solche Darstellung von Maria und Elisabeth mit ihren Kindern bei der häuslichen Arbeit ist ein sehr ungewöhnliches Thema in der Kunst. Die Gottesmutter mit dem aufgeklappten Buch auf dem Schoß hält eine Spindel Mehr

Nur scheinbar alltäglich
Eine solche Darstellung von Maria und Elisabeth mit ihren Kindern bei der häuslichen Arbeit ist ein sehr ungewöhnliches Thema in der Kunst. Die Gottesmutter mit dem aufgeklappten Buch auf dem Schoß hält eine Spindel in der Hand. Elisabeth wickelt das goldene Garn auf eine Haspel. Zu ihren Füßen sitzen ihre Kinder. Jesus hält in der ausgestreckten Hand einen Löffel mit Brei. Beide umfassen den Stiel einer Pfanne, Johannes der Täufer wendet sich mit einem Schriftband an seine Mutter Elisabeth: „Sichin mu(o)ter ihesus tu(o)t mir“ (Sieh hin, Mutter, was Jesus mir tut). Hinter dieser Szene versteckt sich eine theologische Aussage: So, wie Jesus Johannes von dem Brei gibt, versorgt er auch die Menschheit mit Seelennahrung. Das vordergründig alltägliche Geschehen hat also eine tiefere religiöse Bedeutung und betont zugleich die menschliche Natur des Gottessohnes.

Ein Altar zu Ehren der Jungfrau
Die Tafel gehörte zu einem Flügel des monumentalen Marienretabels vom Hochaltar der Nürnberger Frauenkirche. In geöffnetem Zustand waren neben der Darstellung von Maria und Elisabeth drei weitere Szenen aus dem Marienleben vor feierlichem Goldgrund zu sehen. Die Rückseite der Tafel, die die Gefangennahme Christi zeigt, war zusammen mit anderen Darstellungen des Leidenswegs Christi bei geschlossenen Altarflügeln sichtbar.

Anspielungen auf den Reliquienschatz
Die Marienszenen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Reliquienschatz der Frauenkirche. Zu ihm gehörten hochkarätige Marienreliquien, wie der goldene Gürtel der Jungfrau, den Kaiser Karl IV. der Kirche geschenkt hatte. Unter den Reliquien befanden sich auch Überreste des Garns, das Maria der Legende nach für den Vorhang des Tempels in Jerusalem gesponnen haben soll. Im Bild ist beides im realen Leben Mariens verortet.
Bei kunsttechnologischen Untersuchungen fanden sich unter der Goldschicht hinter Maria und Elisabeth Spuren eines dunkelblauen Vorhangs. Dieser spielte auf eine weitere Marienreliquie der Frauenkirche an, „ein stucklein eins portleins“, wie es in einer Beschreibung von 1442 heißt. Gemeint ist die Borte des Tempelvorhangs, die Maria selber gewirkt haben soll. Wenn an Festtagen der Altar geöffnet und der Reliquienschatz in der Kirche ausgestellt war, dann machte die Wechselbeziehung von Bildern und Reliquien das Heilsgeschehen unmittelbar anschaulich.
 

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Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. DaMehr

Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.


Ein Hochseeschiff fernab vom Meer
Das Schiff lässt sich als Karacke identifizieren. Die charakteristischen Bestandteile einer Karacke sind drei Masten, ein bauchiger Rumpf, ein hoher Aufbau am Bug sowie ein hoher Aufbau am Heck, der bereits am Großmast beginnt. Diese Schiffsform war seit dem 14. Jahrhundert unersetzlich für den europäischen Handel und später auch für die koloniale Eroberung. Da Nürnberg zwar eine reiche Handelsstadt war, jedoch weit vom Meer entfernt lag, ist die extrem genaue Wiedergabe des Schiffs durch einen unbekannten Nürnberger Goldschmied besonders bemerkenswert.

Viel zu entdecken
Die zahlreichen Details machen den Tafelaufsatz zu einem unterhaltsamen Blickfang für die Festgäste. 74 Figuren bilden eine erstaunliche Bandbreite an Aktivitäten ab. Viele davon sind typisch für die Seefahrt, wie zum Beispiel das Beladen, die Arbeit an den Segeln oder die Feindesabwehr. Man findet jedoch auch unerwartete Figuren, wie eine Wäsche waschende Frau, einen Mönch mit Kutte, und einen Matrosen, der am Bordrand sein Hinterteil entblößt. Auf dem geblähten Segel – am vorderen, sogenannten Fockmast – findet sich das „N“ als Zeichen der Nürnberger Silberbeschau, das Qualitätssiegel der Nürnberger Silberproduktion. Der Drache am Bug des Schiffs sowie die Meerfrau im Sockel verleihen dem Tafelaufsatz eine fantastische Note.

Die Besitzer und Namensgeber
Das Schiff bezieht seinen Namen von der Nürnberger Familie Schlüsselfelder. Ihr Wappen mit drei Schlüsseln ist auf der Fahne am Fockmast, über dem geblähten Segel, zu sehen. Der Auftraggeber war wohl Wilhelm Schlüsselfelder der Ältere, der sein Vermögen im Silberbergbau und -handel verdient hatte, aber noch kein Angehöriger des Patriziats war. Silberne Schiffe auf einer Festtafel waren im Mittelalter ein Privileg des höchsten Adels. Dass ein Kaufmann ein solches Werk in Auftrag gab, zeigt das Selbstbewusstsein des städtischen Bürgertums am Anfang der Neuzeit. Auch das passgenaue Futteral (HG2148) ist erhalten.

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