Klare Botschaft
Ein Plakatentwurf, der durch seine radikale Einfachheit überzeugte: Mit diesem Motiv gewann der junge Plakatkünstler Jupp Wiertz 1916 den dritten Preis eines von der AEG ausgelobten Wettbewerbs. Zuvor hatte das Elektrounternehmen noch ganz in kaiserzeitlicher Tradition mit der Göttin des Lichts für seine Glühbirnen geworben. Unter dem Produktdesigner Peter Behrens, seit 1907 künstlerischer Berater der AEG, änderte das Unternehmen seine Werbestrategie. Jupp Wiertz entsprach ganz den Vorstellungen von Peter…

Weiterlesen

Ideal und Wahrheit
Ernst und mächtig – so tritt Kaiser Karl der Große (747/8–814) in Albrecht Dürers Bildnis auf. Deswegen wurde es schon oft mit Darstellungen Gottvaters verglichen. Bis heute ist die Vorstellung Kaiser Karls des Großen von diesem Gemälde geprägt. Jedoch heißt es in der Inschrift auf dem Rahmen, dass das Bild der „wahren Gestalt“ Karls nur ähnlich sei. Von dessen Tod bis zur Entstehung von Dürers Werk vergingen fast 700 Jahre. Realitätsgetreue zeitgenössische Porträts Karls des Großen, die Dürer als Vorlage hätten dienen können, ga…

Weiterlesen

Ein schlichtes Kleid?
Fast ohne Zier kommt dieses lachsfarbene Kleid aus hochwertigem Seidentaft aus. Durch die Reduktion der Ornamente wird das Wesentliche zur Schau gestellt. Es war passgenau für seine Trägerin geschneidert und umspielte schmeichelnd ihre Körperform. Nur die Brustpartie und die Ärmel liegen eng an, während der restliche Stoff frei fallen kann. Die Schleppe des Kleids macht deutlich, dass es sich um ein Festgewand handelt. Schließlich findet man am Rücken doch noch ein Zierelement: Die Reihe von seidenbezogenen…

Weiterlesen

Ein besonderes Geschenk
Wie viele Rüstungen in der Sammlung des GNM war dieser Plattenharnisch für das Turnier bestimmt. Er gehörte zu einer Serie von sechs gleichartigen Harnischen mit Zusatzstücken für verschiedene Disziplinen. In Auftrag gegeben hat ihn die sächsische Kurfürstin Sophie als Geschenk für ihren Ehemann, Christian I. von Sachsen. Der turnierbegeisterte Kurfürst hatte in seiner Dresdner Residenz eigens einen Platz für Reiterspiele bauen lassen, der 1591 fertiggestellt wurde. Zu Weihnachten jenes Jahres sollte…

Weiterlesen

Wer schön sein will, muss leiden
Die Trägerin dieses Reifrocks hatte es nicht leicht, wenn sie durch Türen gehen oder in einer Kutsche sitzen wollte. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit wurde jedoch durch ein imposantes und standesgemäßes Auftreten kompensiert. Reifröcke betonten die Hüften ihrer Trägerin auf übertriebene Weise und ließen dadurch die geschnürte Taille noch schmaler erscheinen. Außerdem versteckten sie den Unterkörper, was den Sittenvorstellungen des 18. Jahrhunderts entsprach. Die Damenmode musste damals fast bodenlang sein. Nur…

Weiterlesen

Ans Tageslicht geholt
Die Tannenberg-Büchse ist die älteste sicher datierbare Handfeuerwaffe Europas. Benannt wurde sie nach ihrem Fundort, der 1399 zerstörten Burg Tannenberg in Hessen. 1849 fand man sie dort während einer der ersten mittelalterarchäologischen Ausgrabungen in Deutschland. Sie lag in der Zisterne, die durch die Zerstörung der Burg verschüttet worden war. Dass die Anlage – ebenfalls durch Feuerwaffen – Ende des 14. Jahrhunderts vollständig in Schutt und Asche gelegt und nicht wiederaufgebaut wurde, erwies sich als Glück…

Weiterlesen

Der Wunsch nach ewigem Leben
Ursprünglich war die Skulptur, die heute aufrechtstehend präsentiert wird, als liegende Grabfigur entworfen worden. Die überlebensgroße Darstellung des Grafen Heinrich III. von Sayn zierte die Deckelplatte seines Hochgrabs in der Prämonstratenserabtei Sayn. Die Abtei war von seinen Vorfahren gestiftet worden und liegt am Fuß des Familienstammsitzes nahe Koblenz. Der 1247 verstorbene war einer der mächtigsten Herrscher am Mittel- und Niederrhein. Ihm unterstanden mehrere Grafschaften und…

Weiterlesen

Abbruch und musealer Aufbruch
Die Anregung zur Präsentation einer „niedersächsische[n] Bauernstube“ ging im Februar 1897 von einem Bauinspektor in Niedersachsen aus. Er schrieb an das Germanische Nationalmuseum, dass eine solche Stube bis zu diesem Zeitpunkt in allen Museen fehlte. Entsprechende Objekte würden immer seltener, und die Museen in der Region hätten kein Interesse daran. Das GNM erwarb daraufhin eine große Anzahl von Holzbauteilen von abgebrochenen Bauernhöfen aus der Gegend von Diepholz. Mit ihnen sollten die Haupträume eines niedersäch…

Weiterlesen

Ein vollständiges Set
Die beiden Jakobsmuscheln verraten, wofür dieser Reitermantel benutzt wurde: Es handelt sich um den wasserabweisenden Überwurf eines Pilgers. Er bildet ein Set zusammen mit einem Wollfilzmantel (T550), einem Hut (T552), einem Pilgerstab (T554) und einem Rosenkranz (KG303). All diese…

Weiterlesen