Beschreibung
Seit um 1600 hat sich im deutschen Sprachgebiet aus Bibelstellen, vor allem auf der Grundlage von Matth. 9, 12, das vielfach bezeugte Erbauungsbild von Christus als Apotheker entwickelt. In der Bildmitte der hier vorzustellenden typischen Ausprägung steht in einer Apotheke der mit blauem Gewand und über den rechten Arm gelegtem roten Manteltuch bekleidete Heiland hinter dem grün gestrichenen Rezepturtisch. Er hält, wie meist auf diesen Bildern, in der Linken eine Waage mitgleich hohen Schalen, deren Bedeutung die Beischrift gerechtigkeit angibt. Als Sinnbild des Glaubens gekennzeichnet, steht vor Christus ein Kelch mit darüber schwebender Hostie. Daneben liegt ein schwarz gebundenes Buch mit der Aufschrift Evangelium der Artzeney. Auf dem Tisch stehen rechts drei bauchige und langhalsige Flaschen mit „Etiketten“ Augenwasser, Hertzwasser, Angstwasser. Auf der linken Tischseite sind drei Reihen zylindrischer Gefäße mit leicht gewölbten Deckeln und Balusterknauf übereinander gestaffelt, sie tragen „Etiketten“ mit Begriffen aus der christlichen Tugendlehre, wie Lieb, Demuth, Hoffnung, geduld, Keuschheit. Aus der unteren Inschriftenleiste wachsen zwei stiefmütterchenartige Blumen mit Beischrift Tag und Nacht bluem hervor. Dagegen gehört die Inschrift Creuzbluem auf der Tischplatte zu keinem Gewächs. Hinter rechts und links herabhängenden grünen Vorhangdrapierungen mit Goldborten steht rechts ein Regal mit weiteren zylindrischen und bauchigen Gefäßen. Die untere Inschriftleiste faßt die Sinngebung in drei Bibelstellen zusammen: Khombt her zu mir alle Die ihr mühselich und beladen, ich will euch erquickhen, Ruef mich an die Zeit der Noth, ich will dich erheren, Sucht so werdt ihr fynden, klopfet an so wirdt euch auffgethan (Matth. 11, 28, vgl. Ps. 81, 8 u. Luk. 11, 9). Breiter Holzrahmen mit inneren Flammleisten und nur z.T. erhaltenem Goldbronze-Anstrich.