Beschreibung
Die Truhe ist, um den Schrank auf den Deckel aufstellen zu können, umgearbeitet, dabei wurde der Deckel aufgeleimt und innen mit Klötzen befestigt sowie die Frontseite in etwa und die beiden benachbarten achteckigen Felder einschließenden Abschnitt, zu einer Tür umgearbeitet. Das Kastenmöbel ist als Sockeltruhe gebaut. Durch ein auf die Frontseite von Kasten und Sockel aufgedoppeltes Rahmenwerk bilden sich beim Kasten zwei Felder in der Form eines gestreckten Achtecks sowie seitlich und in der Mitte drei hoch rechteckige Felder. Die Vorderfläche des Sockels ist durch zwei quadratische Felder sowie in der Mitte in einen breiten, querrechteckigen Abschnitt, in den eine Schublade eingesetzt ist, gegliedert. Die Profileinfassungen der rechteckigen Felder sind aus dem aufgedoppelten Rahmenwerk ausgearbeitet, diejenigen der Achteckfelder separat gefertigt. Diese Profile sind rot, bei den Achteckfeldern zusätzlich schwarz gestrichen. Der Grund von Front- und Seitenteilen wurde mit einer Art Furniermalerei überzogen. Der Deckel, soweit die Fassung noch vorhanden ist, mit Blau marmoriert. Die rechteckigen Felder sind mit Blau marmoriert, die achteckigen Felder zeigen auf blaugrünem Grund gelbe Körbe mit roten Tulpen, Rosen und Nelken sowie weißen Maiglöckchen. Die Seitenwände wurden beim Kasten wie beim Sockel mit blaugrün marmorierten Feldern dekoriert. Auf ein querrechteckiges Feld der Schublade wurden schematisch Bäume und ein kreuz aufgemalt. Die schmiedeeisernen Beschläge am Schloß für den Deckel und am Schubkasten sind im Stile des Rokoko geformt, auf die Seitenwände wurden schwere Eisengriffe aufgesetzt. Die Truhe wurde im Herkunftsgebiet von dem im Zeitraum zwischen etwa 1890 und 1920 höchst einflußreichen Publizisten und Verleger Ferdinand Avenarius (1856-1923) erworben und in dessen Wohnung zu Dresden aufgestellt. Avenarius wirkte auf das geistige Leben seiner Zeit ganz besonders durch die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Der Kunstwart“. Diese widmete sich unter anderem dem Thema des Heimatschutzes und behandelte überkommene ländliche Ausstattung, darunter auch bemaltes Mobiliar mehrfach als Vorbilder für die moderne Einrichtung, besonders auch für die Wohnungen ärmerer Schichten, in denen das sich dort ausbreitende Surrogatwesen zurückgedrängt werden sollte.