Beschreibung
Kruzifix aus Fichtenholz. Christus am Kreuz mit Dornenkrone auf dem Haupt und Lendentuch. Er hat seine Augen geschlossen, aus seinen Wunden fließt Blut. Am Kreuzesstamm steht Maria mit zum Gebet erhobenen Händen. Sie ist in eine rotes Gewand mit einem blauen Mantel gekleidet. Die Marienfigur ist vermutlich später ergänzt worden, wie auch die Öffnung in ihrem Leib.
Das Kruzifix mit der trauernden Maria ist herausgelöst aus der szenischen Darstellung der Kreuzigung. Maria hat ihre Hände zum Gebet erhoben und vermittelt als Fürbitterin zwischen Christus und den Gläubigen. In Süddeutschland ist der Bildtypus der Maria unter dem Kreuz seit der Mitte des 17. Jahrhunderts als monumentales Andachtsbild im Haus weit verbreitet.. Seit dem 18. Jahrhundert war in Bayern die Stubenecke über dem Esstisch der Ort für häusliche Andacht. Dort befanden sich das "Herrgott" genannte Kruzifix und religiöse Bilder in Drucken oder Hinterglasbildern.
Das Kruzifix mit Maria ist ein typisches Erzeugnis des Oberammergauer Hausgewerbes, das unter Mithilfe der Familienmitglieder in standartisierten Größen und Ausführungen in großer Stückzahl hergestellt wurde. Die verbreitung der Waren erfolgte über Wanderhändler, die im sommer mit ihren Kraxen über Land zogen, um die im Winter geschnitzten Waren zu verkaufen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts erwarben Verleger die waren, vor allem Kruzifixe, Spielzteug, Uhrgehäuse und hölzerne Gebrauchsgegenstände für das Haus, die sie über ein weitgespanntes Netz von Handelshäusern veräußerten.