Beschreibung
Auf schmalem ovalen Sockel Schreitfigur mit nach oben ausgestreckten Armen. Ähnlich der Figur "Gebettänzerin" von Gustav Oppel (1891 Volkstedt - 1978 Berlin). Lehre in der Porzellanmanufaktur Volkstedt/Rudolstadt.
Vor kurzem kam das Germanische Nationalmuseum über ein Vermächtnis in den Besitz einer Porzellanfigur, die den Betrachter durch ihre schlanke überlängte Gestalt (H. 27,2 cm) schon auf den ersten Blick beeindruckt. Es handelt sich um eine Tänzerinnenfigur aus weißem Porzellan, deren Arme senkrecht nach oben gestreckt sind. Ihre nackte Gestalt wird nur durch ein bodenlanges, gold verziertes Tuch verhüllt, dass locker auf ihren Hüften sitzt und über den Oberschenkeln jeweils bis zur Beuge geschlitzt ist. Die Figur steht in Schrittstellung auf einem ovalen Sockel. Um die Fessel des nach vorne gesetzten, rechten Fußes trägt sie einen goldenen Reif. Der weit nach hinten gestreckte Kopf lässt ihr halblanges Haar über die Schultern fallen. Es wird von einem ebenfalls goldverzierten langen Tuch umhüllt, das über den Ohren mit einer Blüte befestigt ist. Die Marke auf der Unterseite des Sockels zeigt, dass die Figur aus der Porzellanfabrik Rosenthal stammt. Sie geht auf einen Entwurf des Bildhauers Berthold Boeß zurück, der sie 1914 schuf. Boeß (1877-1957) stammte aus Karlsruhe, wo er zwischen 1893 und 1901 die Kunstgewerbeschule besuchte. Später studierte er bei dem Bildhauer Fridolin Dietsche (1861-1908). Ab 1913 lebte Boeß in Weimar. Zu seinen Werken zählen Bildnisbüsten, Brunnen und Grabdenkmäler. Zwischen 1913 und 1934 war Boeß für die Selber Porzellanfabrik Rosenthal tägig. In diesen 21 Jahren schuf er eine große Zahl an Tänzerinnenfiguren, stehend, sitzend kniend, vorn über gebeugt oder in verschiedenen Tanzschritten dargestellt. In vielen Fällen ist der Oberkörper seiner schlanken, grazilen und überlängt wirkenden Frauengestalten nackt. Varianten ergeben sich in der Färbung des Hüfttuches (dunkelblau, gold). Auffallend ist auch die Fingerhaltung an beiden Händen, sie bilden den Buchstaben „V“.
Die Figur trägt die Bezeichnung „nubische Tänzerin“ und erinnert an die berühmte Tänzerin Isadora Duncan (1877-1927) in der Rolle als Priesterin in dem Bühnenstück „Iphigenie auf Tauris“ von 1902 (Uraufführung) nach der Musik von Christoph Willibald Gluck (1714-1787). Bei ihren Auftritten war sie stets barfuß und trug Gewänder im griechisch-römischen Stil. Ihr Tanz war geprägt von langsamen Bewegungen mit vielen statischen Elementen, in denen sie ruhig stand, die Arme nach oben streckte und erst allmählich in ein Schreiten hinüberglitt.