Beschreibung
Form: Leda von Paul Wunderlich (1927-2010), 1987; Kanne aus dem Service Leda. Von 1978-2003 war Paul Wunderlich auch als Entwerfer für Rosenthal-Porzellan tätig.
Dekor: Helmut Drexler (1927-2016): Golddekore in versch. Variationen.
Paul Wunderlich, 1927 in Eberswalde bei Berlin geboren, hatte sich in den ersten Jahrzehnten seines Schaffens hauptsächlich mit der graphischen Kunst beschäftigt. Sein eigenwilliger manieristisch surrealer Stil rezipierte bisweilen auch Motive des Jugendstil und des Art Deco. In den 1960er Jahren widmete er sich auch der Malerei und Plastik. Sein „chairman“ von 1968 transponiert seine graphische Kunst gewissermaßen in ein Bronzewerk um: ein menschlicher Rumpf mit dünnen überlängten Beinen wird zusammen mit zwei ebenfalls dünnen langen Beinen, die aus der Hüfte hervorgehen, zu einem Stuhl. In der Folge entstanden zahlreiche weitere Bronzen dieser Art, aber auch viele Entwürfe für die angewandte Kunst (Schmuck, Uhren, Teppiche etc.). Als der damalige Leiter des Rosenthal Design Studios, Henk Staal, 1978 auf den Künstler Wunderlich zukam und ihn um einen Entwurf für die Kunstabteilung bat, entstand das Service ‚Leda‘, benannt nach der mythologischen Gestalt, der sich der Göttervater Zeus in Gestalt eines Schwanes näherte und sie verführte. Als passionierter Teetrinker entwarf Wunderlich eine Teekanne, die zwar von alten Vorbildern inspiriert, aber dennoch dem Zeitgeist entsprechend modern, ja geradezu futuristisch war, zugleich funktionstüchtig und brauchbar im Alltag. Für Wunderlich war das wichtigste Element bei der Konzeption das Motiv der Feder, die seiner Meinung nach „Geist und Sinne beflügelt“. Am Ansatz der Kannenfüße und am Deckelknauf lässt sie sich erahnen.
Helmut Drexler, wie Paul Wunderlich 1927 geboren, war bereits in jungen Jahren in den Rosenthalkonzern gekommen und zum Porzellanmaler ausgebildet worden. Angeregt durch seinen Lehrer Walter Mutze (1893–1963) erkannte Drexler allmählich, welche Vielfalt und Möglichkeiten in dem Material Porzellan steckten. Als Walter Mutze 1960 in den Ruhestand ging, folgte Helmut Drexler ihm als Ausbilder des Porzellanmalernachwuchses nach. Während viele Porzellanmaler ihre Leidenschaft in den verschiedensten Motiven, Figuren, Blumen, Landschaften oder abstrakten Elementen entdeckten, beschäftigte sich Drexler nahezu ausschließlich mit Golddekor. Im Laufe seines Schaffens erprobte und entdeckte er eine Vielzahl von Dekorformen, experimentierte mit den Möglichkeiten, welche Wirkungen und Erscheinungsformen das glänzende Metall auf Porzellangrund evozieren kann. Dass Helmut Drexler dabei sehr gerne Gefäße aus schwarz gefärbter Porzellanmasse – porcelaine noir, die Mangan-Eisen-Spinell, Kobalt-, Chrom- oder Nickeloxid enthält – verwendete, liegt nahe, ergibt sich doch damit ein exzellenter Farbkontrast. Das Aufwendigste bei der Herstellung der Drexlerschen Kunstobjekte ist jedoch die Zahl der zusätzlichen Brände. Bis zu fünf Dekorbränden, zwischen 830 Grad bis zuletzt 680 Grad, müssen die Gefäße und Kunstobjekte unbeschadet überstehen. Paul Wunderlich verstarb 2010, Helmut Drexler im letzten Jahr (2016).