Beschreibung
Kaffeekanne, Form: Ilona Nr. 1660/655. - Entwurf: Friedrich Fleischmann, Dekor: Luna (Malerin: Gertrud Ruff); Ausführung: Thomas Porzellanfabrik, Marktredwitz
Friedrich Fleischmann
*8. Aug. 1887 München
+ 31. Okt. 1943 an den Folgen eines Fliegerangriffs in München
Architekt, Kunstgewerbler
Über Fleischmann ist bislang nur wenig bekannt. Ab 1926 arbeitete er bis 1932 als Angestellter bei Rosenthal. Wohl gleich zu Beginn seiner Tätigkeit entstanden die Thomas-Service ‚Maja‘ (Nr. 1650, entworfen 1927), ‚Ilona‘ (Nr. 1660/655, entworfen 1926) und ‚Suleika‘ (Nr. 1670/645, entworfen 1929). Vor allem ‚Maja‘ und ‚Suleika‘ sind streng den Art Déco-Formprinzipien verpflichtet, deutlich etwa am gezacktem Henkel der Kanne oder dem Deckelknauf. Die Kanne des Services ‚Maja‘ zeichnet eine achteckige Grundform aus; der Deckel fügt sich nicht in die Schräge des Ansatzes ein, sondern wölbt sich noch einmal hoch. Besonders markant ist der Zackenhenkel. Bei der Kanne des Services ‚Suleika‘ fällt das steil aufragende Korpus auf, das auf vier Füßchen steht. Der Henkel besteht aus einem Halbbogen und einer angesetzten Geraden, die in einem gegenläufigen Bogen am Ablauf angesetzt ist. Der Deckelknauf in Gestalt einer Raute gibt der Form einen markanten auffälligen Abschluss. Beim Service ‚Ilona‘ steigert der Dekor von Gerti Ruff die neuen stilistischen Formprägungen. Nach Fleischmanns Entwürfen entstanden auch mehrere Vasenformen.
1929 entwarf er zum Rosenthal-Jubiläum (50 Jahre Selber Werk) die Jubiläumsvase Mod. S 244. Letztere ist einem Exemplar der kurze Zeit vorher entstandenen Deckelvasen (Mod. MR 1099) sehr ähnlich. Mit der maximalen Höhe 49 cm beim größten Exemplar (es gab 6 weitere kleinere Größen) war sie ein beeindruckendes Zierporzellan. Sie steht auf 4 Füßchen, hat ein steil aufragendes Korpus und einen im Ansatz durchbrochen gearbeiteten, spitzen Deckel mit stilisiertem Blütenknauf.
Laut Bernd Fritz (1989, S. 65) befindet sich im Rosenthal-Archiv eine „ff“-bezeichnete undatierte Zeichnung von ihm, die eine Terrine des Rosenthal-Services ‚Winifred‘ (ab 1933) zeigt. Im Vergleich zu den mehrere Jahre früher entstandenen Entwürfen zeigt sich ‚Winifred‘ wieder in eher „braven“ Umriss mit glattem, nur mäßig gebauchtem Korpus.