Beschreibung
Ensemble aus Teekanne, Milchkännchen, Zuckerdose, 2 Gedecke;
Entwurf: Ludwig Hohlwein (1874-1949)
Ausführung: Porzellanfabrik Jaeger, Marktredwitz
Das neuerworbene Ensemble (Inv. Des 1822/1-9) besteht aus einer Teekanne, einer Zuckerdose, einem Milchkännchen und zwei Gedecken (Abb. 1). Mehrere Teile (Teekanne, Milchkännchen, Zuckerdose, Tassen) tragen neben dem Stempel der Porzellanfabrik Jaeger & Co. Marktredwitz die Bezeichnung „Holwein“ (Abb. 2). Die steil schrägen Formen der Hohlgefäße finden ihre Entsprechung in den mit eckigen Henkeln und dem als Viereck geformten Deckelknauf bei der Teekanne und der Zuckerdose. Der Scherben ist sehr dünn ausgeformt und von einem klaren Weiß. Alle Ränder und Kanten sind mit einem feinen grünen Streifen betont. Als einziger Dekor verläuft unterhalb der Geschirrränder eine Borte aus grünen Kugelblüten, die ein weiße Wirbelzeichnung haben. Die Blütenmitte ist rot markiert. Das Ensemble bzw. das entworfene Service ist im Modellbuch der Firma ist unter der Nummer 168 notiert und mit dem Namen „Hohlwein“ bezeichnet. Der Entwurf stammt von 1904. Eine amtlich vermerkte Eintragung in das Handelsregister (Hof) erfolgte allerdings etwas später. In der Zeitschrift „Sprechsaal“ (39. Jg. 1906, S. 14) ist unter der Rubrik Musterregister „Eintragungen im Oktober 1905“ vermerkt: Nr. 8 Porzellanfabrik Marktredwitz Jaeger & Co., Marktredwitz (Hof) Kaffee- und Teeservice Holwein 168…“. 3 Jahre. Die Produktion des Services begann also erst ab 1905.
Die Porzellanfabrik Jaeger & Co in Marktredwitz
Die beiden Brüder Christoph (Färbermeister) und Wilhelm Jaeger, beide aus Asch (heute Aš, Tschechien) stammend, gründeten 1897 zusammen mit dem Keramiker Fritz Thomas (1865-1940) die erste Porzellanfabrik Jaeger, Thomas & Co. in Marktredwitz als offene Handelsgesellschaft. Ausschlaggebend für den Standort war neben der Anbindung an das Eisenbahnnetz — die Bahnstrecke Nürnberg-Marktredwitz war bereits vor 1900 zweigleisig — die Nähe zu den Kaolin- und Kohlelagern in Nordwestböhmen. Zudem verfügte die Region über gut ausgebildete Facharbeiter, da es im gesamten nordoberfränkischen und südthüringischen Raum bereits einige Porzellanhersteller gab. Das Werk arbeitete bereits mit 3 Brennöfen und stellte vor allem Gebrauchsporzellan her. Die Energieversorgung lieferte eine neue 90 PS-Dampfmaschine von der Marktredwitzer Maschinenfabrik Heinrich Rockstroh. Da Fritz Thomas eine eigene Fabrik gründeten wollte, schied er zum 31. Dezember 1902 aus der Firma aus.
Die Jaeger-Brüder führten nun den Betrieb allein weiter. Das hervorragende Weiß des Scherbens, die gelungenen Geschirrformen und die geschmackvollen Dekore zeichnete die besondere Qualität des Jaeger-Porzellans aus. Erste Erfolge ließen deshalb nicht lange auf sich warten. Bei der Weltausstellung in St. Louis 1904 errang das Unternehmen eine Goldmedaille. Auch ein Jahr später, 1905, wurde die Fabrik bei der Internationalen Gewerbeausstellung in Lüttich mit einem Ehrendiplom ausgezeichnet. Die Firma, die inzwischen (ab 1905) von Fritz Jaeger (eig. Friedrich, 1877-1967) geleitet wurde, hatte sich inzwischen ein gutes Renommee innerhalb der deutschen Porzellanunternehmen erarbeitet. Aufgrund dieser erfolgreichen Betriebsführung scheint man 1904 an Ludwig Hohlwein herangetreten zu sein und ihn mit einem Entwurf für ein Kaffee- und Teeservice beauftragt zu haben. Hohlwein sah sich bei der Gestaltung dem strengen Jugendstil verpflichtet, mit klaren, kantigen Geschirrformen und einem zurückhaltenden Dekor. Vergleicht man dagegen seinen Plakatentwurf für die Keramischen Werkstätten München in Herrsching von 1910, so erkennt man andere Gefäßformen: im Vordergrund steht ein kugelbauchiges Doppelhenkelgefäß, dahinter eine Vase in Meipingform und links daneben eine Vase mit hohem schlanken Hals. Das Plakat bewarb die Vertragswerkstatt der Debschitzschule, die nach Herrsching ausgelagert war. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Hohlwein inzwischen ganz dem Plakatentwurf zugewandt. Nach bisherigem Wissensstand war 1935 noch einmal eine Verbindung zur Fa. Jaeger zustande gekommen. Im Auftrag der Stadt München entwarf Hohlwein eine hochovale Plakette mit dem Münchner Kindl in der Mitte und der Umschrift „Anfahrt zum Festsommer München 1935“. Das verhältnismäßig große Objekt (H. 15,5 cm x B 12,5 cm) wurde in der Jaeger-Fabrik hergestellt. Eingelegt in ein Etui mit der Aufschrift „Für erfolgreiche Mitarbeit an der Gestaltung und Durchführung des Münchner Festsommers 1935 Fischer Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung“ verlieh sie das Stadtoberhaupt damals sicher viele hundert Male.