Beschreibung
Das hochovale Porzellanbild zeigt das Halbporträt einer jungen Frau, gerahmt von einem Golddekorband und einer plastischen Perlreihe. Die Motiveinfassung ahmt einen profilierten und mit Lorbeerblättern verzierten Bilderrahmen aus Holz (weiß gestrichen) oder Elfenbein nach. Mancher Betrachter erinnert sich vielleicht an die Schönheiten-Galerie König Ludwigs I. von Bayern (1786-1868, reg. 1825-1848) in Schloss Nymphenburg. Dreht man das Bild um, bestätigt sich dieser erste Eindruck unmittelbar, denn die Aufschrift „Catharina Botzaris Münchner Schönheitsgalerie“ gibt sogleich den Hinweis auf die Dargestellte. Darunter befindet sich der Firmenstempel von Thomas in Unterglasurgrün. Der nächste Hinweis „Bild 1 Ausgeführt von Thomas-Marktredwitz“ ist hinsichtlich der Fabriks- und Produktionsgeschichte dieses Unternehmens besonders interessant.
Wer war nun diese kühl und unnahbar wirkende Schöne auf dem Bild? Catharina „Rosa“ Botzaris wurde 1820 (nach anderer Quelle 1818) in Ioannina, der Hauptstadt der Region Epirus im Nordwesten Griechenlands geboren. Ihr Vater war Markos Botzaris (1790-1823), der als Freiheitskämpfer und Führer der Sulioten bei Ausbruch der griechischen Revolution aktiv wurde. Dies hatte zur Folge, dass seine Tochter Catharina während der Unruhen von osmanischen Kämpfern entführt und ins osmanische Reich verschleppt wurde. Ein Austausch von Gefangengen brachte das junge Mädchen aber zurück zu ihrer Familie. Nach dem Tod des Vaters wurde ihr Bruder Demetrios (1813-1871) Flügeladjutant und später Kriegsminister unter König Otto I. von Griechenland (1815-1867, griechischer König 1832-1862). Auch Katharina gelangte in königliche Kreise und wurde 1836 Hofdame von Prinzessin Amalie von Bayern (1818-1875) am Münchner Hof. Noch vor ihrer Heirat — 1845 heiratete sie den General der griechischen Armee George Karadja — entstand 1841 das Halbporträt Joseph Stielers (1781-1858), der vor ihr bereits 24 Damen porträtiert hatte. Das Gemälde zeigt sie im Dreiviertelprofil in griechischer Tracht. Ihre feinen Gesichtszüge sind ebenmäßig. Die leicht gesenkten Lider blicken den Betrachter direkt an. Der Mund ist geschlossen, die Wangen leicht gerötet. Das dunkle, gewellte, in der Mitte gescheitelte Haar reicht knapp bis zu den Schultern. Beinahe auf die rechte Kopfhälfte verschoben trägt sie einen roten Fes mit langer schwarzer Quaste. Ihr Oberteil besteht aus###Brokatstoff. Der Ausschnitt am Dekolletee sowie die Ärmelrändern sind mit Pelz verbrämt. Ihre Taille ziert ein goldener gefalteter Gürtel. Im Unterschied zu Stielers Porträt sieht man auf dem Porzellanbild nicht den Ansatz ihres weißen Seidenrocks. Wie bei allen Porträts der Galerie in Schloss Nymphenburg sind auch hier die Hände nicht zu sehen. Catharina scheint auch am Münchner Hof ihre griechische Tracht getragen zu haben, was ihr unter den anderen Damen einen besonderen Rang einbrachte. Sie blieb jedoch nicht die einzige „Ausländerin“, auch drei Engländerinnen sind unter den Porträtierten zu finden. Nach dem Willen des Königs sollte die Galerie vor allem eine Sammlung von „vaterländischen Schönheiten“ sein und alle sozialen Schichten umfassen. Dass die einstmals 38 Porträts der Galerie (zwei Gemälde stammen nicht von Stieler), die zwischen 1827 und 1858 gemalt wurden, eine größere Verbreitung fanden, hängt auch mit der damals aufkommenden Reproduktionskunst zusammen. 1833 hatten Ferdinand Piloty (1786-1844) und Joseph Loehle (1807-1840) eine auf Reproduktionen spezialisierte Kunstanstalt gegründet, die sehr erfolgreich war. Im Auftrag des königlichen Hofes entstanden um 1860 die Damenbildnisse in verkleinerten Fotographien in der als Piloty & Loehle firmierenden Kunstanstalt. Die Fotografien dazu hatte der Hoffotograf Joseph Albert (1825-1886) erstellt. Mit Hilfe solcher verkleinerten Abbildungen entstanden noch während des 19. Jahrhunderts zahlreiche Bilder, u. a. auch Miniaturen auf Elfenbein. Letztere dürften wohl das Vorbild für unser Porzellanbild gewesen sein.
Die rückwärtige Firmenmarke auf dem Porzellanbild lässt auf eine Entstehung im Jahr 1926 schließen. Zu diesem Zeitpunkt war Thomas bereits ein Teilunternehmen der Firma Rosenthal in Selb. Der in Hof geborene Porzellanfabrikant Fritz Thomas (1865-1940) war zunächst Partner in der Porzellanfabrik Jaeger & Co. in Marktredwitz gewesen, ehe er sich 1903 entschloss, eine eigene Porzellanfabrikation am Ort zu errichten. Ab 1904 entstanden erste Service, deren Formen und Dekore der Firmenchef Thomas selbst entwickelte. Der Scherben war von ausgesprochener Güte und Qualität, was die damalige Fachpresse immer wieder betonte. Unter den stilistischen Einflüssen des Jugendstils entstanden gefällige Geschirrformen, die mit den entsprechenden Dekoren außerordentlich gut harmonierten. Warum Thomas sein florierendes Unternehmen, das auch bei ausländischen Kunden in Europa und den USA größte Aberkennung gefunden hatte, 1908 an die Porzellanfabrik Rosenthal übergab, ist bis heute unklar. Thomas blieb zwar bis 1915 im Aufsichtsrat seiner Gründung, zog sich dann aber ganz aus dem Porzellanbereich zurück. Die Geschicke des Unternehmens leitete von dieser Zeit an Adalbert Zöllner. Während dessen Ära scheint man die Herstellung von Porzellanbildern der vorliegenden Art beschlossen zu haben. Die Gründe für dieses Vorhaben sind bis jetzt nicht bekannt. Die rückseitige Beschriftung „Bild 1“ lässt aber vermuten, dass Katharinas Bild nicht als Einzelarbeit entstand, sondern wohl weitere Bildnisse geplant waren. Offensichtlich richtete man sicher aber nicht an die Reihenfolge, in der die Bildnisse in der Galerie in Schloss Nymphenburg entstanden waren. Danach hätte bekanntlich Auguste Strobl (1807-1871), Tochter des königlich bayerischen Hauptbuchhalters Christoph Strobl, als erstes Motiv auf einem Porzellanbild entstehen müssen.
Porzellanbild mit Darstellung der Katharina Botzaris
Porzellanfabrik Thomas, Marktredwitz, 1926
H. 12 cm
B. 10,3 cm