Beschreibung
74 teiliges Speiseservice „Scandic“, Form Nr. 10760, mit feuerfester roter Farbglasur (Nr. 303009)
Alle Teile mit der für "Scandic" typischen schwarzen Flammkante.
Das 1971 eingeführte Service "Scandic", entworfen von Hertha Bengtson, gehört zu den erfolgreichsten Servicen, die je bei "Thomas" produziert wurden. Insbesondere die grell bunten Farbglasuren bewirkten den Verkaufserfolg. Besonders erfolgreich war der Dekor "Shadow", das war weißes Geschirr mit schwarzen Rändern.
Wie schnell sich Moden ändern und Trends wandeln, erfährt jeder von uns tagtäglich. Was gestern noch als schick galt und den „letzten Schrei“ der Saison darstellte, ist heute bereits veraltert und „mega-out“, wie es ein Magazin in den 80er Jahren propagierte. Neuerungen vollziehen sich normalerweise zunächst über die Bekleidung, ehe unsere übrige Umgebung, Wohnung, Auto, Hausrat etc. in einem zweiten oder dritten Schritt davon betroffen wird.
Die Pop-Art-Bewegung Ende der 60er Jahre beispielsweise äußerte sich u.a. vor allem durch die als Reaktion auf die sehr hellen, zarten Grau-, Rosa- und Blautöne der 50er und frühen 60er Jahre zu verstehenden grellen Signalfarben Gelb, Orange, Rot und Giftgrün, in denen sich Bekleidung und schließlich die gesamte häusliche Umgebung präsentierte.
Für die Designsammlung des Germanischen Nationalmuseums konnte in diesem Zusammenhang ein bemerkenswerter Neuzugang vermerkt werden. Es handelt sich dabei um ein 74-teiliges Speiseservice mit vielen Tellern, Platten, Schalen, Schälchen, Fonduetellern und Suppentassen aus der Porzellanmanufaktur Thomas in Waldershof, das in einem kräftigem Signalrot glasiert ist und die Formbezeichnung „Scandic 10760“ trägt. Alle Geschirrteile kennzeichnet eine klare geradlinige Umrißform, die auf kurvige Spielereien und Ornamente gänzlich verzichtet. Deutlich wird dies u.a. an den Knäufen der Deckel (Kaffeekanne und Schüsseln), die nahezu vollkommen mit der leicht aufgewölbten Umrißlinie der Gesamtform abschließen; oder auch an den Zuckerdosen und Milchkännchen des entsprechend gestalteten Kaffeeservices, die ohne jeden Griff auskommen. Platten, Teller, Schüsseln, Schalen und Töpfe lassen sich gut stapeln, Ränder und Kanten erweisen sich als stoßfest. Die schwedische Künstlerin Hertha Bengtson (1917-1993) entwarf dieses Service im Jahre 1970, als ihre Entwerfertätigkeit für Thomas begann. Im Vordergrund ihrer künstlerischen Intention stand dabei nicht nur der koloristische Tribut an die Zeit durch die kräftige rote Farbglasur (Nr. 303009) - das Service wurde u.a. auch in einer feuerfesten Glasur in Orange (303010) und Grün (303026) hergestellt -, besonders wichtig waren - wie bei allen ihren Geschirrentwürfen - Funktionalität und Praktikabilität. Das als umfassendes Tischprogramm geschaffene Ensemble „Scandic“ enthielt deshalb auch robuste feuerfeste Geschirrteile (aus Cordalit) und konnte aufgrund der technisch ausgereiften Glasur auch schadlos in der Spülmaschine gereinigt werden.
Das 1970 von der Künstlerin entworfene Service wurde noch im gleichen Jahr beim 28. Internationalen Keramikwettbewerb in Faenza mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Ab 1971 erfolgte die Serienproduktion, die bis in die frühen 90er Jahre - die Produktion ist inzwischen eingestellt - andauerte. Neben „Scandic“ entstanden in den 15 Jahren ihrer Tätigkeit für das Unternehmen Thomas, das seit 1908 zum Rosenthal-Konzern gehört, viele weitere sehr erfolgreiche Geschirr- und Glasentwürfe, unter denen „Kiruna“ (1971), „Corda“ (1979) oder „Family“ (1983) und das Steinzeuggeschirr „Caldo Freddo“ (1973) zu nennen sind.