Beschreibung
Der Pokal steht auf einem runden, ansteigenden Fuß, dessen Oberfläche mit geschnittenen Blattranken verziert ist. Der Schaft besteht aus einem Hohlbaluster, der unten mit einer massiven Verdickung ansetzt und oben von mehreren Scheiben bekrönt wird. Die unten gerundete Kuppa weist im Inneren eine kugelige Erhebung auf und läuft zum Trinkrand hin konisch auseinander. Die Wandung ist mit geschnittenem Dekor versehen: Auf einer Seite ist die Inschrift „VIVAT ABBas // GLADBACHENSIS“ zu lesen. Die Buchstaben der oberen Zeile sind aus Blättern geformt. Die Buchstaben der unteren Zeilen zieren feine diamantgerissene Schwünge. Unter der Inschrift ist ein Ornament aus sich kalligraphisch windenden Linien angebracht. Die Gegenseite zeigt, gerahmt von zwei unten gebundenen Palmwedeln, ein rundes Rollwerkwappenschild, das von einer Bischofsmütze und der nach außen zeigenden Schnecke eines Krummstabs bekrönt ist (durch einen Fluss geteiltes Wappen mit je einem sechszackigen Stern im oberen und unteren Feld).
Für kalligraphisch gelegte Bänder, wie das unter der Inschrift, waren auch zwei Nürnberger Glasschneider bekannt: Sowohl von Heinrich Schwanhardt wie auch Hermann Schwinger sind Gläser bekannt auf denen Inschriften von kalligraphisch gelegten Linien begleitet werden, vgl. Sabine Tiedtke: Nürnberger Glasschnitt im Detail. Neue Zuschreibungskriterien für den Nürnberger Glasschnitt im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert und ihre Anwendbarkeit erörtert am Bestand des Germanischen Nationalmuseums, Diss. Erlangen 2020, Online-Publikation: https://opus4.kobv.de/opus4-fau/frontdoor/index/index/docId/13880, S. 368 . Von Hermann Schwinger gibt es signierte Arbeiten, auf denen die sorgfältig ausgeführten Buchstaben ebenfalls von diamantgerissenen geschwungenen Linien und Schnörkeln begleitet werden, vgl. Tiedtke 2020, HerS 2, HerS 5, HerS 13. Auch der Formtyp des Pokals wird teils mit Nürnberger Dekoren in Verbindung gebracht, vgl. Antje Marthe Fischer: Gläserne Pracht. Die Glassammlung des Staatlichen Museums Schwerin. Bestandskatalog (zugleich Ausst. Kat. Staatliches Museum Schwerin. Kunstsammlungen, Schlösser und Gärten). Petersberg 2011, Nr. 26. Der Schnitt auf dem Pokal gibt jedoch insgesamt zu wenige Anhaltspunkte für eine eindeutige Zuschreibung und weist im Vergleich zu den sehr hochwertigen Arbeiten Schwingers wie auch der gesicherten Arbeit Schwanhardts eine etwas geringere Qualität auf.