Beschreibung
Der Pokal steht auf einem runden, flach ansteigenden Fuß. Mittig setzt mit einem Wulst der massive Schaft an, der aus einem umgedrehten Baluster mit Rubinglasfäden in der Masse sowie einigen Scheiben darüber besteht. Die Kanten der in die Oberfläche des Balusters geschliffenen Facetten sind mit kleinen Kerben verziert. Die Kuppa setzt unten schmal und gerundet an und läuft zum Trinkrand hin auseinander. Ihre Wandung ist mit reichem ornamentalem geschliffenem und poliertem Dekor versehen, der aus Doppelbögen, sternartige Blüten integriert. Der Rand des Deckels steht minimal über den Trinkrand der Kuppa hinaus. Auf seiner Wölbung sind symmetrisch angeordnete Blattranken eingeschnitten. Die Handhabe besteht aus einer unten gerundeten, vierseitigen hohen Pyramide mit eingestochener Blase, die auf einer Kugel sitzt und wiederum von einem Glastropfen bekrönt wird. Die Größe des Deckels, der geschnittene Dekor, wie auch der pseudofacettierte Knauf lassen darauf schließen, dass er nicht ursprünglich zum Pokal gehörte und erst zu einem späteren Zeitpunkt zugeordnet wurde. Denkbar ist, dass der Deckel zu einem Pokal mit pseudofacettiertem Balusterschaft gehörte, die im allgemeinen der mitteldeutschen Herstellungslandschaft zugeschrieben werden, vgl. Brigitte Klesse: Glassammlung Helfried Krug. Beschreibender Katalog. Ausst. Kat. Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln, Overstolzenhaus. Bonn 1973, Nr. 630—632).
Die Form des Pokals, der Schliffdekor und die Rubinglasfäden im Schaft verweisen darauf, dass er in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts in einer böhmischen Glashütte produziert wurde, vgl. zum Formtyp: Georg Höltl (Hg.): Das Böhmische Glas 1700 – 1950. Band 1: Barock, Rokoko, Klassizismus. Passau 1995, Nr. I.20 (Südböhmen, um 1715—1720), vgl. Rubinfäden im Schaft: Antje Marthe Fischer: Gläserne Pracht. Die Glassammlung des Staatlichen Museums Schwerin. Bestandskatalog (zugleich Ausst. Kat. Staatliches Museum Schwerin. Kunstsammlungen, Schlösser und Gärten). Petersberg 2011, Nr. 68—69 (Böhmen, um 1700 / Anf. 18. Jh.), rein ornamentaler, polierter Schliffdekor, vgl. Rainer Rückert: Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums München (Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums München, 17), 2 Bde. München 1982, Bd. 2, Nr. 679, 680, 690 (Böhmen, wohl um 1750/60), Stefania Żelasko: Barock und Rokoko im Hirschberger Tal. Stein- und Glasschnitt 1650–1780. Hrsg. v. Georg Höltl und Peter Höltl, Glasmuseum Passau. Passau 2014, Nr. 121 (Schreiberhau, um 1730).