Titel
Minerva bei den Musen auf dem Helikon
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde
Inventarnummer
Gm1591
Sammlung
Gemälde bis 1800
Anzahl der Teile
1
Hersteller
Rottenhammer, Hans (1564/65-1625)
Herstellungsdatum
1603
Herstellungsort
Venedig
Standort
Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung
Maße
H. 186 cm; B. 308,8 cm
Material und Technik
Öl auf Leinwand
Darstellung
Die Darstellung folgt Ovids Metamorphosen (V, 250-268), den Verwandlungsgeschichten des Publius Ovidius Naso (43 v. Chr.-17 n. Chr.) Nach Ovid besucht Minerva (Pallas) den Helikon, um die neu entstandene Quelle zu bewundern. Denn auf dem Helikon sprudelte der sagenhafte "Roßquell", den Pegasus mit seinem Huf aus der Erde geschlagen haben soll. Hier waren die neun Jungfrauen zu Hause: Kalliope - Muse der epischen Dichtung (Attribut: Wachstafel und Griffel), Melpomene - Muse der tragischen Dichtung (Attribut: tragische Maske), Thalia - Muse der komischen Dichtung (Attribut: komische Maske), Euterpe - Muse der Lyrik (Attribut: Flöte), Terpsichore - Muse der Chorlyrik und des Tanzes (Attribut: Lyra), Erato - Muse der Liebesdichtung (Attribut: Saiteninstrument), Polyhymnia - Muse der Hymnendichtung (ohne Attribut), Klio - Muse der Geschichtsschreibung (Attribut: Schriftrolle und Griffel) und Urania - Muse der Sternkunde (attribut: Himmelglobus und Zeigestab). Nach Ovid begrüßt Urania Minerva und führt sie zu ihren Schwestern (V, 260-264); im Gemälde wird Minerva jedoch von einer weiteren Frauengestalt begleitet, da bereits alle neun Musen anwesend sind. Im weiteren Verlauf des Ovidschen Textes bereiten sich die Musen zu einem Sangeswettstreit mit den Pieriden vor, der anschließend ausführlich von Ovid beschrieben wird (V, 294-678) und den die neun Musen für sich entscheiden können. - Charles Parkhurst (1972, S.108, Anm. 1) will analog zu einem Rottenhammer-Bild im Baltimore Museum of Art den Titel des Nürnberer Gemäldes von 'Minerva and the Muses' in 'Minerva as Patroness of Music' umbenannt wissen. Elisabeth Schröter (Göttingen) lehnt in einem Schreiben an Tacke (Brief vom 20.1.1993) diese Interpretation ab: "Athena war nie die Beschützerin der Musik. Sie tritt bei den Musen als Göttin der Weisheit und der Virtus auf". Schröter verweist auf die illustrierte Ovid-Ausgaben des 16./17. Jahrhunderts, wie z.B. auf die Darstellung von Virgil Solis (1514-1562) in der Ausgabe von Siegmunt Feyerabent in Frankfurt vor 1563 (Bl. 61r) oder auf Antonio Tempesta (1555-1630) für die bei Pieter de Jode 1606 in Amsterdam gedruckte Ovid-Ausgabe (Bartsch 681).-- Allgemein kann die Klärung der Ikonographie des Besuches Minervas bei den musizierenden Musen und ihre Entwicklung als ein Desiderat bezeichnet werden. Hilfe bietet vorläufig C. de Tolnay (1943, S. 82-104), A. P. de Mirimonde (1961, S. 141-150) und A. P. de Mirimonde (1964, S.129-158). -- Das Thema erfreute sich großer Beliebtheit.
Zustandsbeschreibung
siehe Andreas Tacke: Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Bestandskatalog. Mainz 1995, S. 205.
Beziehung zu anderen Objekten
Vorbilder; Vorbilder für Rottenhammer sind u.a. in der venezianischen Malerei um 1600 zu suchen. So auch Jacopo Tintorettos "Concerto' con le muse e altri divinità", das sich heute in einer Privatsammlung in Neuilly befindet (Dupont 1946, nicht paginiert - Pallucchini, 1982, S. 148, Nr. 103, Abb. 130). Das Gemälde wird um 1554/46 datiert und muss sich (oder ein sehr verwandtes Bild) um 1600 noch in Venedig befunden haben. Carlo Ridolfi (1594-1658) berichtet über Rottenhammers Interesse und Studium des Werkes Tintorettos: "Capitò questi pure in gioventù à Venetia, e si pose à disegnare le pitture celebri, e[kaufm. Zeichen] quelle in particolare del Tintoretto della Scuola di S. Rocco, onde apprese la buona maniera, e si fece prattico inventore" (Ridolfi, Bd. 2, 1924, S. 84). -- Eine kleine signierte und 1601 datierte Kupfertafel von Rottenhammer mit dem gleichen Thema besitzt das Baltimore Museum of Art (Inv.Nr. 67.47); Ähnlichkeiten v.a. bei der Minerva. -- Thematisch gleich ist das Bild von Rottenhammers Hand, welches 1992/93 von der Galerie Lingenauber angeboten wurde (Lingenauber, 1992/93, S. 56 - Gm 1591 wird als Vergleich angegeben zu dem zum Verkauf stehenden Bild: Öl auf Kupfer, 36,2 x 54,6 cm, signiert mit Monogramm, auf S. 57). -- Von Friedrich Brentel d.Ä. (1580-1651) existiert eine Zeichnung (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv. Nr. 1965-10, Blatt 54 V/1) nach einen Werk Rottenhammers, die nach Wegner (1966) mit unserem Gemälde in Zusammenhang zu bringen ist. Das hochrechteckige Blatt ist bezeichnet "Augsburg. A°. 1609" (zu diesem Zeitpunkt befand sich Rottenhammer schon seit geraumer Zeit in dieser Stadt) und zeigt im Vordergrund fünf musizierende Musen und im Hintergrund weitere Figuren bei einem Pegasus-Brunnen, zu denen offenbar Minerva hinzutritt. Nahezu identisch ist die stehende Muse am linken Bildrand.; Vorzeichnung, verwandte Zeichnungen; Im direkten Zusammenhang steht eine nicht signierte oder datierte Zeichnung Rottenhammers in den Uffizien, Florenz (Inv.Nr. 15100 F., Fondo Mediceo-Lorenese; 202 x 274 mm; vgl. Tacke 1995, Abb. 153). Die Zeichnung ist oben beschnitten, auf dem Brunnen links sind nur noch die Beine eines springenden Tieres (Pferdes) sichtbar. Stellt man sich den Brunnen ergänzt vor, zeigt er Ähnlichkeiten mit dem auf Johann Königs Bild im Kölner Wallraf-Richartz-Museum 'Minerva mit den neun Musen' von 1624 (Leihgabe aus Privatbesitz). Allerdings fehlen auf der Zeichnung die beiden Putten, so dass es scheint, als ob sie vom Künstler später hinzugenommen wurden, zumal der notenblatthaltende Putto rechts keinen direkten Bezug zu einer musizierenden Person hat, die dieser Noten bedürfte. -- Frimmel (1905) weist auf eine Zeichnung des Desdner Kupferstichkabinetts (Inv.Nr. C 2306) hin: Feder in Braun und Grau, Pinsel in Grau, weiß gehöht, auf graugrünem Papier. Sie ist 453 x 344 mm groß und von späterer Hand bezeichnet. Die Zeichnung ist quadriert. Bei gleichem Thema finden wir nun die Figuren in einem hochrechteckigen Bildraum. Wie bei der Zeichnung in den Uffizien und dem ausgeführten Gemälde sind neun Frauen anwesend, davon ist die mit dem Himmelsglobus als 'Geometria' auszumachen. Rechts oben schwebt Fama. Ob diese Zeichnung aus dem Planungsstadium zu Gm 1591 stammt oder ob sie die Vorzeichnung zu einem weiteren Gemälde mit gleichem Thema - dann wäre dieses als verschollen anzusehen - war, muß offenbleiben. -- Thöne (1967) machte auf eine Zeichnung aus dem Umkreis Rottenhammers aufmerksam, die die Herzog August-Bibliothek in Wolfenbüttel besitzt. Auch hier handelt es sich um ein hochrechteckiges Format. Die Gruppe der musizierenden Musen ist aber erheblich erweitert, vorne sitzen und stehen weitere Frauengestalten, ein Zusammenhang mit Gm 1591 ist nicht mehr unmittelbar gegeben (Die Handzeichnungen der Graphischen Sammlung München (Inv.Nr. 44010, Inv.Nr. 9252) sollten in eine weitere Beschäftigung mit dem Sujet einbezogen werden). -- Eine andere Zeichnung (Sammlung C. Robert Rudolf, England) zeigt eine weitere Auseinandersetzung Rottenhammers mit dem Thema. Einzelne motivische Verwandtschaften mit den besprochenen Zeichnungen und unserem Gemälde können festgehalten werden. -- Thematisch, wie auch in manchen Teilen der kompositorischen Anlage, verwandt ist eine Zeichnung, die bei Sotherby's (London) 1992 als "German School, circa 1600" angeboten wurde (Aukt.Kat. Sotherby's London, 1992, S. 42, Nr. 187, Abb. 43, Nr. 187). Sie muss mit Rottenhammers Minerva und der Musen-Darstellung in Zusammenhang gebracht werden. Die Zeichnung zeigt eine deutliche stilistische Nähe zum Werk Rottenhammers. --Eine weitere bei Sotheby's Mak van Waay 1977 angebotene, sehr qualitätvolle Zeichnung 'Minerva and the Muses' zeigt wiederum Verwandschaft mit dem Nürnberger Gemälde in Einzelheiten der Komposition. --;
Beschreibung
Minerva, kenntlich an Rüstung und Lanze, steht mit ihrer Begleiterin bei einer Gruppe von neun Frauen. Den Mittelpunkt bildet eine nackte, von rückwärts gesehene Frauengestalt, die auf einem Felsen oder Baumstumpf sitzt, der von ihrem Gewand bedeckt ist, und im Begriffe steht, das vor ihr aufgestellte Spinett zu stimmen. Hinter dem Instrument sind vor einer Waldkulisse drei weitere Musen mit ihren Instrumenten plaziert. Rechts und links schließen lagernde Frauengestalten das Bild. An Instrumenten sind auszumachen: Zink, Laute, Viola da braccio, Spinett und Lyra. Entgegen der üblichen Darstellung, der musizierenden Musen, sind sie hier beim Stimmen ihrer Instrumente gezeigt, was beim Spinett und bei der Viola da braccio deutlich zu beobachten ist.
Vitrinentext
Die geharnischte Minerva besucht den Helikon, um die neue Quelle - hier in Gestalt eines Brunnens - zu bewundern. Die neun Musen stimmen ihre Instrumente für den anstehenden Sangeswettstreit, den sie laut Ovids Metamorphosen gewinnen werden. Das Bild entstand in Rottenhammers letzten Jahren in Venedig. Eine von ihm angefertigte, leicht veränderte Zeichnung gleichen Themas befindet sich in Florenz. Das Gemälde ist von der venezianischen Malerei beeinflusst. In Thematik und Komposition lehnt es sich an Tintorettos Werke an.
Minerva with the Muses on Mount Helicon. Oil on canvas. Minerva, clad in armor, visits Mount Helicon to admire the new spring - here in the form of a well. The nine Muses tune their instruments for the upcoming singing competition, which they will win according to Ovid's Metamorphoses. The picture dates back to Rotten-hammer's last years in Venice. One of his drawings with the same theme can be found in slightly changed form in Florence. The work is influenced by Venetian painting. The theme and composition are inspired by Tintoretto's works.
Minerva with the Muses on Mount Helicon. Oil on canvas. Minerva, clad in armor, visits Mount Helicon to admire the new spring - here in the form of a well. The nine Muses tune their instruments for the upcoming singing competition, which they will win according to Ovid's Metamorphoses. The picture dates back to Rotten-hammer's last years in Venice. One of his drawings with the same theme can be found in slightly changed form in Florence. The work is influenced by Venetian painting. The theme and composition are inspired by Tintoretto's works.
Literatur
Frimmel, Theodor von: Aus der Sammlung Todesco. In: Blätter für Gemäldekunde von Theodor von Frimmel, Bd. 1, Wien 1905, S. 148--151, bes. S. 150--151.
Frimmel, Theodor von: Rottenhammer in Venedig. In: Blätter für Gemäldekunde von Theodor von Frimmel, Bd. 7, Wien 1912, S. 29--31, bes. S. 29--30.
Ridolfi, Carlo: Le maraviglie dell'arte (...). Venedig 1648. Hrsg. von Detlev Freiherr von Hadeln. 2. Bd., Berlin 1914--24; hier Bd. 2, 1924, S. 84.
Peltzer, Rudolf Arthur: Hans Rottenhammer. In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, 33, 1916, S. 293--365, bes. S. 327, 329, 249, Nr. 78 (Wien), Taf. 34 bei S. 300, S. 258, Nr. 20 (Deutsche Zeichnung).
Strauß, E. In: Thieme--Becker: Allgemeines Künstlerlexikon. Bd. 29, Leipzig 1935, S. 98 (standortnachweis: Münchner Privatbesitz).
Tolnay, Charles de: The music of the universe. Notes on a painting by Bicci di Lorenzo. In: The Journal of the Walters Art Gallery, 6, 1943, S. 82--104. Link zur Bibliothek
Dupont, Jacques: Tintoret inédit. In: Art et Style, 6 (Décembre), 1946 (ohne Pagina). Link zur Bibliothek
Mirimonde, Albert P. de: L'Hélicon ou la visite de Minerve aux Muses. In: Jaarboek, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen, 1961, S. 141--150. Link zur Bibliothek
Mirimonde, Albert P. de: Les concerts des muses chez les maîtres du Nord. In: Gazette des Beaux-Arts, 6e Période, Tome 63, 106e année, 1964, S. 129--158.
Thöne, Friedrich: Bemerkungen zu Zeichnungen in der Herzog August-Bibliothek zu Wolfenbüttel. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, 6, 1967, S. 167--206, bes. S. 185--186 und Abb. 160--161.
Parkhurst, Charles: Red-yellow-blue, A color triad in seventeenth-century painting. In: Baltimore Museum of Art Annual, 4, 1972, Part 2 (= Studies in honor of Gertrude Rosenthal), S. 33--39 und Anm. S. 108--110, bes. S. 108, Anm. 1.
Pallucchini, Rodolfo/Rossi, Paola: Tintoretto. Le opere sacre e profane. 2 Bd., Mailand 1982, S. 148, Nr. 103, Abb. 130. Link zur Bibliothek
Schlichtenmaier, Harry: Studien zum Werk Hans Rottenhammers des Älteren (1564--1625) Maler und Zeichner, mit Werkkatalog. Diss. O.O. 1988, S. 125--126, 140--142 und Nr. G I 50, S. 244--245. Link zur Bibliothek
Old Master Drawings. Aukt. Sotherby's London am 14. 12. 1992, S. 42, Nr. 187, Abb. 43, Nr. 187. Link zur Bibliothek
Lingenauber, Galerie: Old master paintings and drawings. Düsseldorf--Paris 1992-93, S. 56.
Tacke, Andreas: Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Bestandskatalog. Mainz 1995, S. 205--208, Nr. 101 mit Abb. und mit weiterer älterer Literatur. Link zur Bibliothek
Konecny, Lubomir: Rottenhammer's represantations of Muses and Arts. In: Hans Rottenhammer (1564--1625) Ergebnisse des internationalen Symposiums am Weser-Renaissance-Museum Schloß Brake. Hrsg. von Heiner Borggrefe--Vera Lüpkes--Lubomir Konecny--Michael Bischoff. Marburg 2007, bes. S. 89--93. Link zur Bibliothek
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 276 -- 277, 450, Abb. 239. Link zur Bibliothek
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