Beschreibung
Die Mitte des Vordergrundes nimmt eine nackte weibliche Gestalt ein. In unmittelbarer Nähe zum Betrachter gerückt, sitzt sie im Halbprofil nach rechts gewandt. Beide Hände hält sie auf dem geneigten Kopf; die Füße sind durch die untere Bildbegrenzung abgeschnitten. Eingebettet in eine Dünenlandschaft, die im Hintergrund links den Blick auf Strand und Meer sowie zwei schemenhaft angedeutete Figuren freigibt, steht im Hintergrund rechts eine wohl männliche Gestalt in frontaler Ansicht; sie verbirgt beide Arme hinter dem Rücken und ist mit einem grünen Gewand bekleidet. Lineare und flächige Elemente bestimmen diese Komposition, in der formale und farbige Entsprechungen in rhythmischer Ergänzung einander gegenüberstehen: So kehrt das lichte Blau, das weitgehend die Körperpartien der Vordergrundfigur beschreibt, einmal als den Körper hinterfangende Schattenzone wieder, zum anderen erscheint es auch als Inkarnatfarbe der Hintergrundgestalten sowie bei der Angabe des Meeresausschnittes. Ähnlich verhält es sich mit den Rosa- und Gelbtönen, die vorwiegend als Erscheinungsfarbe von Strand und Dünen eingesetzt sind, aber auch an den Figuren wiederauftauchen. Die Definition des Gegenständlichen ist auf stark vereinfachte, silhouettenhafte Grundformen reduziert, die Andeutung der Physiognomien auf chiffrenhafte Angaben beschränkt. - Das Gemälde entstand 1922 wohl in Jershöft an der pommerschen Ostseeküste. Nach Grohmann gehört es zu den charakteristischen Beispielen der Zonenmalerei in den Jahren 1921-23, in denen die "Sphäre des Irrealen" gerade durch den Einsatz farbiger Zonen gesteigert wird. Mit den Badenden von 1922 schuf Schmidt-Rottluff ein transzendentales Meditationsbild, das die Aktdarstellungen von 1913 wie auch die romantischen Landschaften von 1919/20 fortsetzt und zugleich eine erweiterte Ebene der Sinnbildhaftigkeit anschaulich macht.