© Magnus Plessen1 Deutsch 18.09.2026 Die fotografischen Vorlagen für beide Gemälde stammen aus der Iconographie Photographique de la Salpêtrière. Der Neurologe Jean Martin Charcot forschte im 19. Jahrhundert am Pariser Hôpital de la Salpêtrière zum heute als überholt geltenden Krankheitsbild der Hysterie. Er ging davon aus, dass sich sogenannte hystero-epileptische Anfälle nach einem gleichbleibenden Schema wiederholen, ließ sie fotografisch dokumentieren und veröffentlichte dazu in der Iconographie eine Typologie. Eine seiner Vorzeigepatientinnen war die junge Augustine. Magnus Plessen malte sie einmal orientiert an einer Fotografie ihres „Normalzustands“ und ein weiteres Mal basierend auf der fotografischen Dokumentation eines „hystero-epileptischer Krampfanfalls“. 2 Englisch 18.09.2026 The photographic references for both paintings come from the Iconographie Photographique de la Salpêtrière. In the 19th century, neurologist Jean Martin Charcot conducted research at the Hôpital de la Salpêtrière in Paris on the clinical picture of hysteria, which is now considered outdated. He assumed that so-called hystero-epileptic seizures followed a consistent pattern; he had them documented photographically and published a typology of them in the Iconographie. One of his female showcase patients was the young Augustine. Magnus Plessen painted her once based on a photograph of her “normal state” and another time based on the photographic documentation of a “hystero-epileptic seizure.” Magnus Plessen. Werke 1999 bis 2016. In: Website Kunstparterre,
URL: http://www.kunstparterre.de/archiv/2016-Plessen.html [07.07.2023].Magnus von Plessen. Ausst. Kat. Neues Kunstmuseum Luzern. Luzern 2001, S. 21, S. 61.Magnus von Plessen. Malerei. Bearb. von Julian Heynen. Ausst. Kat. K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2002, S. 26.Malerei, das unendlich Feine zwischen Außen und Innen. Ein Gespräch von Ulrich Loock mit Magnus von Plessen. In: Magnus von Plessen. Malerei. Bearb. von Julian Heynen. Ausst. Kat. K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2002, S. 17-22.Höchstötter, Judith. „Magnus Plessen: Augustine II“. In Body. Aspekte des Körperlichen. Werke aus der Sammlung Spengler, herausgegeben von Tilo Grabach und Judith Höchstötter, Kat.Nr. 106b. Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 2026. Ausstellungskatalog, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg.
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Das Bruststück entstand, wie auch das ähnlich betitelte Gemälde "Augustine I", nach einer Photographie aus dem zweiten Band der "Iconographie photographique de la Salpêtrière". Im 19. Jahrhundert war der französische Neurologe Jean Martin Charcot am Pariser „Hôpital de la Salpetrière“ tätig, der zum damaligen Zeitpunkt wohl namhaftesten psychiatrischen Anstalt Europas. Bekannt wurde Charcot unter anderem für seine Studien zum Krankheitsbild der Hysterie. Er führte seine Patientinnen nicht nur wöchentlich und spektakulär inszeniert im Hörsaal einem öffentlichen Publikum vor, sondern dokumentierte die vermeintlich unterschiedlichen Zustände eines hystero-epileptischen Anfalls photographisch. Systematisch aufbereitet wurden diese Photographien in der oben genannten Iconographie veröffentlicht. Charakteristisch ist dabei, dass die jeweilige Patientin im Normalzustand sowie verschiedenen, vermeintlich immer gleich auftretenden Stadien eines hystero-epileptischen Anfalls abgelichtet wird. Dies ist auch der Fall, was die junge Augustine, eine der Vorzeigepatientinnen Dr. Charcots betrifft. Magnus Plessen malte Augustine zweimal: einmal im Fall von Augustine I orientiert an der Photographie des Normalzustands (Plaque XIV) und einmal orientiert an der photographischen Dokumentation eines hystero-epileptischen Krampfanfalles (Plaque XXX). Die dem Gemälde „Augustine II“ zugrundeliegende Photographie zeigt dabei die weibliche Protagonistin während eines hystero-epileptischen Krampfanfalles mit verkrampfter Hand (Plaque XXX). Plessen wählte für sein Ölgemälde einen kleineren Ausschnitt und zeigt nur den Kopf des Mädchens und einen Teil ihres Schulterbereiches. „Augustine [...] war der Anfang meiner Malerei, eine Möglichkeit zu beginnen. Sie nimmt einerseits eine Pose ein, die dem bürgerlichen Frauenbild der Zeit entspricht. Andererseits gibt es das Bild der angeblich befreiten Augustine, ein Bild unkontrollierter Lebendigkeit – im Zustand der Erstarrung. Augustine sagt: Ich kann auch etwas anderes als diese bürgerliche Pose, und beginnt ihre hysterische Performance. Sie entdeckt die bürgerliche und die hysterische Pose gleichermaßen als Täuschung für die Kamera. Und spiegelt damit die Tendenz der Fotografie, Posen zu produzieren.“ (Magnus von Plessen. In: Loock 2002, S. 17) Plessen bedient sich für seine "Augustine II" einer sehr beschränkten Farbpalette aus wenigen Blau- und Grautönen. Der Pinselduktus ist klar ersichtlich.URL: http://www.kunstparterre.de/archiv/2016-Plessen.html [07.07.2023].Magnus von Plessen. Ausst. Kat. Neues Kunstmuseum Luzern. Luzern 2001, S. 21, S. 61.Magnus von Plessen. Malerei. Bearb. von Julian Heynen. Ausst. Kat. K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2002, S. 26.Malerei, das unendlich Feine zwischen Außen und Innen. Ein Gespräch von Ulrich Loock mit Magnus von Plessen. In: Magnus von Plessen. Malerei. Bearb. von Julian Heynen. Ausst. Kat. K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2002, S. 17-22.Höchstötter, Judith. „Magnus Plessen: Augustine II“. In Body. Aspekte des Körperlichen. Werke aus der Sammlung Spengler, herausgegeben von Tilo Grabach und Judith Höchstötter, Kat.Nr. 106b. Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 2026. Ausstellungskatalog, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg.