Vitrinentext
Im Verlauf der sechziger Jahre kam es zu einem ersten Höhepunkt der Funktionalismuskritik. Auch im Bereich des Design wurden die gesellschaftskritischen Auffassungen der Protestbewegung und der neue Individualismus sichtbar. Die Pop-Kultur übte ihren Einfluss aus, mit bunten Farben und unkonventionellen Materialien gab man der Phantasie freien Lauf. Der Kunststoff ermöglichte zum einen eine ungeheure Formvielfalt. Die Form ist nicht mehr funktional bedingt, und so sind auch die »Sitzeier« weder platzsparend noch primär als Sessel erkennbar, sie wirken skulptural. Zum anderen konnte mit der Verwendung von Kunststoff die Farbpalette stark erweitert werden, alle möglichen knallbunten Farben prägten nun das neue Wohnen. Die »Sitzeier« geben Einblick in die Rezeption des Pop-Designs in der ehemaligen DDR, in der sich seit den sechziger Jahren die Auffassung von Gestaltung änderte. Waren avantgardistische Elemente anfangs als kapitalistische Methode zur Weckung von Konsumbedürfnissen verpönt und auch der Funktionalismus des Bauhauses als menschenfeindlich und den Bedürfnissen unangepasst verschrien, so änderte sich das in den 60er Jahren, als man nun auch für den Export arbeitete. Die »Sitzeier« sind dafür ein Beispiel. Der betonte Individualismus solcher Objekte war hauptsächlich für Produkte vorgesehen, die für den Export bestimmt waren. Um auf dem westliche Markt konkurrenzfähig zu werden, wurden westliche Designer-Möbel mitunter kopiert. Der Produktion in der ehemaligen DDR kam die Verwendung von Plastik entgegen, da auf der Chemiekonferenz von 1958 festgelegt wurde, dass die DDR Finalproduzent von Konsumgütern aus sowjetischem Erdöl werden und die Länder des Warschauer Paktes mit diesen Produkten aus Erdöl versorgt werden sollten.