Beschreibung
Kleiner, fußloser Becher aus Zinn, runder Querschnitt, zur Lippe hin trompetenartig stark ausschwingend. Unterhalb der Lippe ein umlaufender Rankenfries, der mit dem Gefäß gegossen ist, das heißt, dass das Ornament bereits in der Form angelegt, wahrscheinlich eingeätzt wurde. Auf der Innenseite ist etwas unterhalb der Lippe eine kreisförmig umlaufende, eingravierte Linie zu sehen. Im unteren Bereich der Wandung ein regelmäßig wie ein Rundbogenfenster konturiertes Loch, um das herum Spuren mechanischer Beschädigung zu beobachten sind, und von dem aus im Inneren Zinntropfen nach unten gelaufen und dabei erstarrt zu sein scheinen. Auffällige dunkle, fast durchgehend intakte Patina mit nur in Vergrößerung sichtbaren „Bläschen“.
Auf der Bodenunterseite die Zinnmarke: Kleines Nürnberger Wappen mit Beigemerk „A“ (kombinierte Stadt- und Meistermarke des Nürnberger Zinngießers Albrecht Preissensin, Meister 1564-1598).
Der Becher ist – Warncke 1915 und den Aufzeichnungen beim Erwerb 1927 folgend -- ein Flussfund aus Lübeck, gefunden in der Wakenitz, einem Nebenfluss der Trave. Der Fundort war „beim ehemaligen Tivoli“ gelegen (Warncke 1915), einem Sommertheater, das 1837 im Garten eines Anwesens errichtet wurde, das bis in das 19. Jahrhundert im Besitz der Stadt war und u.a. dem Ratsschenk und dem Ratskoch als Wohnung diente (Brehmer 1890, S. 157). Über die näheren Fundumstände wird allerdings nichts berichtet. Der (von der punktuellen Beschädigung abgesehen) recht gute Erhaltungszustand spricht allerdings nicht unbedingt für eine langdauerne Lagerung im Wasser bzw. den Sedimenten.