Beschreibung
Sandrart hat den Entwurf in einem schwer zu entwirrenden Liniengespinst mit dem Rötelstift schnell hingeworfen. Dargestellt ist die Bestrafung Amors durch seine Mutter Aphrodite, die von oben links in ihrem von zwei Schwänen gezogenen Wagen zu dem Geschehen hinabschwebt, und die Heroiden - mythologische Personen, die durch die Schuld des Liebesgottes den Tod fanden. Diese haben den schreienden Knaben an einen Baum gefesselt, halten ihn an seinen Haaren und schlagen ihn mit Rosenzweigen, während auf der linken Seite eine Nymphe seinen Bogen zerbricht.
Die Zeichnung ist der Entwurf zu einer Radierung von Sandrarts Neffe Johann Jakob von Sandrart in der "Iconologia Deorum" (Nürnberg 1680). Sie sollte Malern und Graphikern als Anleitung für die Darstellung antiker Götter dienen und wurde zu einer Hauptquelle barocker Allegorese. Bei Amor schildert Sandrart mehrere Episoden, so auch die Bestrafung, die er nach einem Gedicht des lateinischen Dichters Ausonius (um 310-395) ins Bild setzte. Das Thema war im Barock beliebt, da es zum einen Anlaß zur Darstellung von Affekten gab und zum anderen die Trennung von geistiger und körperlicher Liebe deutlich machte.