Beschreibung
Die gut erhaltene, zylinderförmige Silberdose besteht aus drei Teilen. Auf das Gewinde des höheren unteren Gefäßkörpers ist ein niedriger, mit eigenem (Zwischen-)Boden versehener Aufsatz geschraubt, der seinerseits durch einen schraubbaren, flachen Deckel verschließbar ist. Die glatte Wandung des unteren Gefäßkörpers ist in der Mitte durch zwei horizontal übereinander liegende Bänder geschmückt. Eine umlaufendes Wulstprofil markiert die Stelle des Übergangs vom unteren zum oberen Teilgefäß. Die Unterseiten von Deckel und Oberteil tragen Spuren leichter Vergoldung, während die übrigen Innenflächen eine intakte, vielleicht erneuerte Goldauflage aufweisen. -- In die Oberseite des mit einer kugeligen Handhabe ausgestatteten und an seinem Rand mit einer feinen Zahnung geschmückten Deckels sind die Buchstaben I.O. eingraviert. Sie sind als "Oleum Infirmorum" zu lesen und geben einen Hinweis auf den Verwendungszweck des kleinen Gerätes im Rahmen der Krankenversehung. Ungewöhnlich ist die Zweiteilung unserer Dose, möglicherweise diente die zweite Kammer zur Aufnahme eines der anderen Öle, doch erscheint es wahrscheinlicher, dass das kleine Gefäß ursprünglich für einen anderen Zweck, z.B. im Kontext einer Reiseapotheke oder eines Reiseservices, vorgesehen war und erst im Nachhinein einer kirchlichen Verwendung zugeführt wurde. Darauf deutet auch die etwas ungelenke Ausführung der eingravierten Buchstaben hin. -- Auf dem Boden weist die Dose das Beschauzeichen der Stadt Augsburg auf, eine Pyr mit Buchstaben G in hochovalem Umriss (ähnlich Seling 2007, Nr. 1960), das in den Jahren 1745-1747 in gebrauch war. Das danebenstehende herzförmige Meisterzeichen ist etwas verschlagen, die erkennbaren Buchstaben "R" und "L" lassen jedoch eine zweifelsfrei Identifizierung der Marke zu, die zu der Buchstabenfolge FR/L im Herzschild (ähnlich Seling 2007, Nr. 2266) für Franz Rupert Lang (Meister 1735, gest. 1747) ergänzt werden kann.