Beschreibung
Das Fragment besteht aus fünf Gliedern einer Krone, die mittels Scharnierstiften beweglich miteinander verbunden sind. An einem der Gliederhängt ein kreisförmiges Verschlussstück, an das die Ösen der Scharnierverbindung angelötet sind. Der ursprüngliche Umfang dürfte in etwa die doppelte Anzahl umfasst haben. Die einzelnen Glieder bestehen jeweils aus einem annähernd längsrechteckeigen Basistreifen, aus dem mittig eine flache Lilienform herauswächst, die ihrerseits von einer plastisch geformten Blüte an der Spitze bekrönt wird. Auch an den seitlichen Blättern der Lilie hängen Blütenformen. Die Glieder sind auf der Rückseite mit eingeritzten römischen Zahlen nummeriert: IIIII – VI – VII – VIII – VIIII. Nicht sicher kann sein, ob diese Nummerierung aus der Herstellungszeit stammt.
Die Basistreifen ergeben zusammenhängend den eigentlichen Kronreif, der den Kopf umschließt, die Lilien bilden die Zacken der Krone. Die dekorative Einteilung der Grundstreifen geschieht spiegelsymmetrisch zu einem zentralen Medaillon, an das sich links und rechts entweder Blumen- und Rankenmotive in Drahtemail oder Vogelgestalten (Adler?) in Silbertiefschnittemail gruppieren, wobei bei den letzteren die Glasflüsse nur noch in Spuren nachweisbar sind. Auch die mittigen Medaillons, sind in einer dieser Techniken verziert, wurden aber zu einem späteren Zeitpunkt mit Kastenfassungen überdeckt, in denen große Schmucksteine aus Glas sitzen. Die heraldischen Lilien sind durchgehend in Drahtemailtechnik dekoriert. Ansatz der Lilien sind zu einem späteren Zeitpunkt (16. Jh.?) silberne weibliche Köpfchen vor einem Strahlenkranz angebracht worden. Die Köpfe der Scharnierstifte laufen in drei Fällen in symmetrisch verzweigte Blüten- und Rankenformen aus, die oberhalb des Reifs den Platz zwischen den Lilien einnehmen und mit diesen korrespondieren. Der vierte Scharnierstift hat diesen Schmuck verloren, der Stift zum Verschlussglied ist ebenfalls ungeschmückt.
Weder die Herkunft noch die Zweckbestimmung lassen sich sicher bestimmen. Die Verwendung von Drahtemail könnte auf den oberitalienischen Raum (Venedig) deuten, jedoch ist diese Art Emaildekor auch in Mittel- resp. Südosteuropa, v.a. im ungarischen Bereich zu finden. Auch der Bestimmungszweck der Arbeit muss gegenwärtig unbestimmt bleiben, zu denken wäre an den Kopfschmuck einer Heiligen-, vielleicht einer Marienstatue bzw. eines figürlichen Reliquiars.