Beschreibung
Für die Schalterhalle des Winterthurer Bahnhofes hat Mario Sala 1999 die mehrteilige Wand- und Deckenmalerei AFRIKA ausgeführt. Eine Stirnwand des langen Raumes, der heute noch als Warteraum dient, hat der Künstler bis auf eine bestimmte Höhe schwarz überstrichen. Auf dem Wandschrank darüber dehnt sich eine Malerei bis in die Decke hinein aus und zeigt zwei gesprenkelte Scheiben, die man als intensiv leuchtende, aufgeklappte Sonne deuten kann. Vor der schwarzen Wand sind Bänke aus Eisen montiert. Nimmt man auf ihnen Platz, ist der Blick direkt auf die schwarze Wand gerichtet. Gegenüber, am anderen Ende des Raumes, hat Sala über der Türe spiegelnde Bleche anbringen lassen. Sie sind leicht konvex montiert, so dass der im mittleren Raumteil angebrachte, seitenverkehrt gemalte Schriftzug AFRIKA nicht richtig - seitenrichtig - gelesen werden kann. Auch der Raum als ganzes wird daher nur verschwommen und ständig verschwimmend gespiegelt. Afrika in Winterthur: Vertrautes und Fremdes werden einander gegenübergestellt in einem Passagenraum, in dem Tickets für das Unbekannte, das Gefährliche und für das Abenteuer der Ferne gekauft werden können - oder auch nicht.
Für 'Afrika' hat Mario Sala auch ein kleines Raummodell geschaffen. Polaroids davon verwendete Sala als Vorlagen für die Lithographie. Die Umrisslinien des Bildes auf dem Druck erinnern noch ein wenig an das Raummodell. Dreht man die Graphik auf den Kopf, erkennt man in der Mitte deutlich die erste erwähnte Stirnwand, deren dunkle Übermalung noch als schmaler Striefen über dem Schriftblock zu erkennen ist. Die Klappsonne und die davor herunterhängende Lampe sind ebenfalls auszumachen. Kehrt man die Graphik wieder um, lässt sich das linke Drittel als eine weitere Ansicht der Klappsonne lesen. Im rechten Drittel wird das erste Bild nochmals gedreht. Der Lampenteller erscheint jetzt als weiße Aussparung.
Zur Verdreifachung und zur Transformation des Wand- und Deckenbildes in ein gedrucktes, lithographiertes Bild kam
Text hinzu. Sala unterlegt dem Ganzen weitere und neue Bedeutungsebenen. Da st nun plötzlich von drei Brunnen die
Rede, von einer Kinderkrippe im ersten Stock, von einem Helikopterlandeplatz unterhalb der Decke. Reales und Phantastisches durchdringen sich und geleiten den Betrachter traumwandlerisch bis zum Empfängnisraum "Fit and
Joy". (...)
(Text von Paul Tanner zur Jahresgabe 2000 der Schweizerische Graphische Gesellschaft)