Beschreibung
Vs. Ein Zug hinfälliger, ausgemergelter Gestalten, von denen einige entkräftet zusammenzubrechen drohen. Oben und unten die Jahreszahlen 1945 und 1995.
Rs. Ein männlicher Kopf, kahlrasiert, wie es bei Häftlingen üblich war. Die schlaffe Haut wirft tiefe Falten. Aus weiter Ferne blicken die tiefliegenden, von Leid gezeichneten Augen den Betrachter an, der Mund steht offen. Den Kopf umgibt ein Vers aus den Klageliedern des Jeremias: Gejagt haben sie mich, gejagt wie einen Vogel die mir Feind waren ohne Ursache (Kapitel 3, Vers 52), darunter die ligierten Initialen des Medailleur HvP. Vertiefte Randschrift: BAYERISCHES HAUPTMÜNZAMT. FEINSILBER.
1995 gedachte man der fünfzigsten Wiederkehr der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch die Amerikaner. Die Medaille hat jedoch nicht die Befreiung des Lagers Dachau zum Thema, vielmehr erinnert sie daran, daß die SS, als die Amerikaner an das Lager heranrückten, am 26. April 1945 etwa 7000 Häftlinge nach Süden mit unbekanntem Ziel „in Richtung Ötztal“ evakuierte. Gruppen von jeweils 1500 Personen marschierten am westlichen Stadtrand Münchens vorbei und zogen durch das Würmtal und das Mühltal über Starnberg in Richtung der Alpen, wo sie am 2. Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurden. Eine unbekannte Zahl von Häftlingen hat diese später „Todesmarsch der Dachauer Häftlinge“ genannte Evakuierung nicht überlebt.
Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim hat ein bronzenes Denkmal mit einer Gruppe marschierender Häftlinge geschaffen, dessen Abgüsse in mehreren Gemeinden, die dieser Todesmarsch damals durchquerte, aufgestellt wurden; einen weiteren Guß schuf er für die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Die Thematik des Denkmals hat der Bildhauer auf seiner Medaille eindrucksvoll variiert. Anläßlich der Gedenkfeier in Dachau erhielten die anwesenden Überlebenden sowie deren Angehörige jeweils ein Exemplar der Dachau-Medaille.