Beschreibung
Vs. Kopf im Profil mit kurz geschnittenem Haar und kleinem Schnurrbart. Ausgeprägte Falten auf seiner Stirn und an den Augenwinkeln weisen auf das fortgeschrittene Alter des Dargestellten hin. Umschrift: D. DR. GERMAN BESTELMEYER PROF(essor). PVBL(icus). ORD(inarius). Am Halsabschnitt vertieft die Initialen des Medailleurs I.B. sowie die Jahreszahl 1936.
Rs. Ein geöffneter Zirkel, um den drei Wappenschildchen angeordnet sind, als Hinweise auf Baukunst und Malerei. Dreizeilige Inschrift: ARCHITECTVRA MATER ARTIVM (Die Baukunst ist die Mutter der Künste). Die Inschrift ist eine Abwandlung einer Sentenz des Philosophen Heraklit aus Ephesos: Bellum Pater Omnium (Der Krieg ist der Vater aller Dinge).
German Bestelmeyer, 1874 in Nürnberg geboren lieferte die Entwürfe für die zwischen 1914 und 1920 erbaute Eingangshalle des Germanischen Nationalmuseums und den anschließenden Galeriebau. In Nürnberg wurden außerdem die Friedenskirche, die Gustav-Adolf-Kirche und die Melanchthonkirche nach seinen Plänen gebaut. Bedeutende Aufträge außerhalb Bayerns - etwa für das Germanische Museum der Harvard-University in Boston, 1912, für das deutsche Ausstellungsgebäude der Internationalen Kunstausstellung in Rom, 1911, sowie der 1. Preis für das Haus der Freundschaft in Konstantinopel, 1916 - begründeten sein hohes internationales Ansehen. Er war seit 1910 ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Dresden, seit 1911 an der dortigen Akademie der Bildenden Künste, seit 1915 an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin, seit 1919 an der dortigen Technischen Hochschule und seit 1922 an der Technischen Hochschule in München. 1933 ernannte die Universität Erlangen German Bestelmeyer zum Dr. theol. hc. Diesen Titel führt die Medaillenumschrift auf. Er starb 1942.
Josef Bernhart (1883—1967) zählt zu den bedeutendsten deutschen Medailleuren im 2. und 3. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Er widmete sich nahezu ausschließlich der Portraitmedaille. Als Medailleur war er Autodidakt und schulte sich an den deutschen Medailleuren der Renaissance, namentlich an dem in Nürnberg tätigen Matthes Gebel, wobei er sich auch dessen Technik aneignete. Wie Gebel schnitt er seine Modelle, anders als die meisten seiner Zeitgenossen, die Gips- oder Wachsmodelle benutzten, in Solnhofer Stein. Auch seine Medaillenrückseiten mit der Wiedergabe von Wappen oder auch Schrift orientieren sich an Arbeiten Nürnberger Medailleure der Renaissance.