Beschreibung
Av.: Der Betrachter blickt von Osten vom jenseitigen Ufer der Wakenitz, auf der kleine Boote fahren, über die Falkenhalbinsel auf die Stadt Lübeck. Links sieht man den Dom mit seinen beiden Türmen und etwa in der Mitte die neben dem Markt liegende Marienkirche, ebenfalls mit einer Doppelturmfassade. Der Turm der anschließenden Jakobikirche ist noch mit einem Notdach gedeckt; 1658, ein Jahr nach Ausgabe der Medaille, erhielt der Turm seinen heutigen Helm. Schon im Mittelalter hatte man zum Schutz der Stadt die Wakenitz gestaut und im Dreißigjährigen Krieg bis nach 1660 zusätzliche Bastionen angelegt. Im Hintergrund treiben kräftig aus Wolken blasende Windgötter zwei Schiffe unter vollen Segeln auf offenes Meer. Die Stadt überstrahlt die Sonne mit dem Auge Gottes in einem Dreieck. An einem Lichtstrahl hängt an Bändern eine Tafel mit LVBEC. Im Vordergrund steht auf einer mit Blumen und Sträuchern bewachsenen Wiese ein Engel und hält zwei ovale Wappenkartuschen in Rollwerkrahmen; die eine trägt den doppelköpfigen gekrönten Reichsadler, die andere das geteilte Lübecker Stadtwappen. Zwei dünne Panzer- und Blumenketten begleiten die Umschrift: O GOTT LAS DEINEM SCHUTZ ALLEIN DISE EDLE STATT BEFOHLEN SEIN.
Rv.: Auf einem Plattenfußboden steht ein Brautpaar und reicht sich die Hände zum Ehebund, den ein in seine Amtstracht gekleideter Pfarrer segnet. Zur Amtstracht gehören ein pelzbesetzter, ärmelloser Talar mit Armschlitzen und eine große Halskrause. Der Bräutigam trägt über einer geschlitzten Jacke einen mit Spitzen besetzten kurzen Mantel und eine weite, mit Bändern gebundene Hose. Sein lockiges Haar fällt auf die Schultern. Er wendet sich der Braut zu, die mit einem bodenlangen Kleid, mit flacher Halskrause und mit einer spitzenbesetzten Schürze bekleidet ist. Im Haar trägt sie einen kostbaren Stecker und auf der Schulter eine dreireihige schwere Goldkette, die sie der Kleiderordnung entsprechend als der städtischen Oberschicht zugehörig ausweist. Zu Füßen des Brautpaares sitzen zwei schnäbelnde Tauben. Auf der Seite des Bräutigams nährt ein Pelikan seine Jungen mit seinem Blut, und auf der Seite der Frau steht ein von Bienen umschwirrter Bienenstock. Aus Wolken vorgestreckte Hände sowie ein fliegender, Wasser aus einem Krug gießender Putto segnen den Ehebund. Wie auf der Vorderseite begleiten zwei dünne Panzer- und Blumenketten, an die hier zusätzlich ein Palmwedel und ein Lorbeerzweig gebunden sind, die Umschrift: DES ALLERHOECHSTEN GNADENHAND GESEGNE KRAEFFTIG UNSEREN STAND. Im Abschnitt zwischen der geteilten Jahreszahl 1657 die Initialen S D.