Beschreibung
Der Kopf von Käthe Kollwitz in sehr hohem Relief, wobei der runde Medaillengrund lediglich den Hintergrund für das Profil bildet, dann aber in den Halsabschnitt überleitet. Der Hinterkopf des Bildnisses negiert die runde Begrenzung vollständig und bildet zugleich den ungleichmäßigen Umriss. Käthe Kollwitz ist in fortgeschrittenem Alter dargestellt. Persönliches Leid und die Konfrontation mit sozialem Elend des Großstadtproletariats, immer wieder in ihren Bildern thematisiert, haben in ihrem Gesicht Spuren hinterlassen. Käthe Kollwitz selbst hat ihr markantes Gesicht in zahlreichen Selbstbildnissen festgehalten. Die straff nach hinten genommenen Haare sind in einen Knoten gebunden und lassen die hohe Stirn frei. Tiefe Furchen haben sich in das Gesicht gegraben, die Wangenknochen zeichnen sich deutlich ab. Die Winkel des auffallend großen Mundes hängen herab, die Augenbrauen dagegen sind hochgezogen und lenken den Blick auf die weitgeöffneten Augen. In das noch nicht ausgehärtete Modell wurde vertieft eingeschrieben: KÄTHE KOLLWITZ 1867—1945. Auf dem Halsabschnitt vertieft die Initialen der Medailleurin: EvH und die Jahreszahl 2002. Auf der Rückseite eingepunzt: GUSS HANN.
Evelyn Hartnick, geboren 1931 in Finsterwalde/Niederlausitz, studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule Leipzig Malerei und anschließend an der dortigen Hochschule für Graphik und Buchkunst Illustration und Porträtzeichnen; später wechselte sie an die Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Hier studierte sie Bildhauerei bei Heinrich Drake, der mehreren in der damaligen DDR tätigen Künstlern einen Zugang zur Medaillenkunst eröffnete. Seit 1970 fertigte E. Hartnick mehrere Entwürfe für Münzen und schuf zahlreiche Medaillen, daneben aber auch lebensgroße figürliche Skulpturen. Evelyn Hartnick hat sich intensiv mit Käthe Kollwitz auseinandergesetzt. Schon früh kam sie mit deren Arbeiten in Kontakt, da ihr Vater 1921/1922 bei Käthe Kollwitz studiert hatte.