Beschreibung
[...] Schmitthenner-Janssen hat sich im wesentlichen mit der Anfertigung von Porträts beschäftigt, wobei die Bevorzugung der Porträtbüste aus ihrer Ansicht resultiert, dass im Antlitz eines Menschen dessen Wesen und Charakter am deutlichsten sichtbar werden. So ist auch die Aussage der Büste von Franziska Bilek ganz auf das Indiviuum in seiner allgemein-menschlcihen Existenz gerichtet, ohne Bezug zu Beruf oder Umwelt. Unterstrichen wird diese Absicht durch die Reduktion von Flächen und kubischen Formen auf formale Grundelemente, die die Büste gleichsam architektonisch aufbauen. Großflächige Gesichtspartien und abstrahierte, zusammengefasste Binnenstrukturen – wie etwa bei den Haaren – zeigen die Konzentration auf das Wesentliche und die Negation jeder dekorativen Note. Die Behandlung der Oberflächenstruktur, die die Entstehung der Büste und damit den spezifischen Materialcharakter sichtbar macht, ist dabei Teil der Absicht, nämlich der suchenden, erst im Arbeitsprozess sich verdichtenden Interpretation des Charakters, so dass formale und ästhetische Elemente gleichzeitig inhaltliche Bedeutung erlangen.
aus: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1993, S. 386; Autorin: Andrea M. Kluxen