Beschreibung
ZR.-Nr. 10007/2009-620
"Österholz": sehr wahrscheinlich: Jagdschloss Oesterholz, Oesterholz-Haustenbeck, Gemeinde Schlangen, Kreis Lippe: Ansicht eines steinernen Rundturms und eines in Stein und Fachwerk ausgeführten Hauses.
Die Schloßanlage Oesterholz wurde ab 1652 mit drei Rundtürmen verstärkt (Kaspar/Barthold 2011, S. 726 f.), diese befanden sich an der NW-, SW- und SO-Ecke. Der SW-Turm stürzte 1768 ein. Der NW-Turm wurde spätestens 1848 abgerissen. Das Dach und der obere Mauerwerksteil des Südostturmes stürzten erst 1871 ein. Dieser Turm hatte wie die anderen ein zwölfeckig gebrochenes Zeltdach, das ab 1809 mit Schindeln gedeckt war. Davon ausgehend wäre anzunehmen, daß die Zeichnung wahrscheinlich diesen Südostturm zeigt. Unklar ist allerdings die Ansprache der übrigen im Bild dargestellten Gebäude.
An der Südostecke des Schlosses stand und steht heute noch in Teilen der Meiereikomplex (Kaspar/Barthold 2011, S. 728-736). Dessen Hauptbau ist das Ende des 16. Jhs. errichtete Meiereigebäude, ein Wirtschafts- und Viehhaus, mit steinernem Erd- und in Fachwerk ausgeführtem Obergeschoß. Es bildet den südlichen Teil des Ostflügels. An seiner Südostecke steht der Rundturm. Westlich an diesen Hauptbau, also den Ostteil des Südflügels einnehmend, schloß sich ab 1736 die Meiereiwohnung mit Wohnraum, Backhaus und Brennerei an und westlich an dieses weitere kleinere Wirtschaftsbauten. Eine 2010 durchgeführte Grabung förderte die Fundamente zutage.
Es standen also ehemals in diesem Bereich des Schlosses in der Perspektive der Zeichnung von rechts nach links der Rundturm, die südliche Giebelwand des Meiereigebäudes, die Meiereiwohnung und die Stallbauten. Unter dem vorkragenden Dachabschnitt müßte sich - laut einem Grundriß von 1805 (Abb.: Kaspar/Barthold 2011, S. 732) - der aus der Flucht der Südwand des Südflügels tretende, zur Meiereiwohnung gehörige Backofen befinden (siehe auch die dazu passende Lage des Schornsteins), die Brennerei wäre der Gebäudeabschnitt links des Dachvorsprungs.
1848 wird das große Meiereigebäude abgerissen und 1848 bis 1850 durch ein komplett massives, kleineres Gebäude ersetzt, das noch heute existiert. Die Meiereiwohnung und die westlich anschließenden Wirtschaftsbauten stehen bis heute. des aus der Flucht hervorstehenden Backofens.
Die Darstellung auf der Zeichnung deckt sich teilweise nicht mit diesen Daten. Würde das vorspringende Dach die Lage des Ofens und somit der Meiereiwohnung anzeigen, wäre die südliche Giebelwand des Meiereihauptgebäudes viel zu schmal dargestellt und/oder es würden Teile der Meiereiwohnung im Bild fehlen. Außerdem müßten westlich, also links anschließend die Stallbauten zu sehen sein, wo im Bild nur eine Lücke klafft.
Sollte die Darstellung die Südostecke des Schlosses zeigen, wäre auch unklar, um welches Gebäude es sich bei dem links im Hintergrund skizzenhaft angedeuteten Haus handeln sollte, das quer zum Hof stehen würde.
Auf einer Zeichnung von 1874, also nach Abriß und Neubau des Meiereigebäudes, steht die Turmruine alleine (Abb.: Kaspar/Barthold 2011, S. 727).
Eine Identifizierung des gezeigten Turmes als der Nordwestturm erscheint allerdings noch weniger plausibel. In diesem Fall wäre das Nordende des Westflügels, also die nördliche Giebelwand des Reisigenstalls (Kornhaus) zu sehen, wofür das Gebäude schon viel zu breit wäre.
Zu den Bauten des Westflügels, allesamt Wirtschaftsbauten, existiert offenbar deutlich weniger Quellenmaterial (Kaspar/Barthold 2011, S. 736 f.). Ein 1841 angefertigter Grundriß (Abb.: Kaspar/Barthold 2011, S. 696) zeigt u.a. zwei lange Gebäude, eines davon das Dreschhaus, das die SW-Ecke und den südlichen Teil des Westflügels einnimmt.
Interessant im Übrigen der kleine Glockenstuhl auf dem Dach des Hauses. Mehrfach erwähnen die Schriftquellen von Schloß Oesterholz einen Glockenstuhl, dessen Standort aber nicht genau bekannt ist und der 1884 als nicht mehr genutzt bezeichnet wird (Kaspar/Barthold 2011, S. 736 f.).
Das Wappen der auf dem Turmhelm angebrachten Fahne ist wohl eine skizzierte Darstellung des Wappens des Fürstentums Schaumberg-Lippe. Das Schloß allerdings befand sich in der Grafschaft Lippe-Detmold.